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Themenschwerpunkt Krisen & psychische Gesundheit

Psychische Gesundheit steht unter dem Einfluss vielfältiger persönlicher, psychosozialer und gesellschaftlicher Belastungen. Die Einreichungen befassen sich mit Erschöpfung und Leistungsdruck, Essstörungen, suizidalen Krisen, Stalking, Gewalt und Traumatisierungen. Sie beleuchten, wie emotionale Prozesse verstanden, Ressourcen gestärkt und Menschen in belastenden Situationen wirksam unterstützt werden können. 

Etwa 12% der Bevölkerung leiden unter Insomnie. Ein- und Durchschlafstörungen gehören zu den häufigsten Symptomen in der amublanten und stationären Versorgung. Bei fast allen psychischen Störungen ist der Schlaf unserer Patient*innen ein wichtiger, oft wenig beachteter Aspekt. Die Kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I) gilt seit 2017 international als Behandlung erster Wahl, auch bei Komorbiditäten. Dennoch wird sie in Ausbildung und Praxis bislang kaum genutzt.
Der Workshop vermittelt praxisnah anhand der Insomnie-Leitlinie 2025 Grundlagen von Diagnostik und Behandlung. Kerninterventionen zur Verbesserung der Schlafqualität wie Psychoedukation, Bettzeitrestriktion, Stimuluskontrolle und kognitive Umstrukturierung werden anhand von Fallbeispielen vorgestellt. In praktischen Üungen und Rollenspielen erlernen Sie diese Methoden und reflektieren Chancen sowie Herausforderungen.
Zudem werden digitale Gesundheitsanwendungen zur Insomniebehandlung sowie ergänzende Ansätze wie Lichttherapie, Sporttherapie, ACT sowie Achtsamkeit vorgestellt. 
Im zweiten Teil besprechen Sie in Kleingruppen eigene Fallbeispiele. Eine abschließnde Diskussion klärt offene Fragen zu Theorie und Praxis der Insomnie-Therapie.
Dauer: 2 x 120 Minuten (ohne Fallbesprechungen: 120 Minuten)

Während meiner Zeit als Chefärztin habe ich immer wieder erlebt, dass sich junge Therapeut*innen ängstlich an mich wandten, weil sich ihre Patient*innen als komplex traumatisiert herausstellten. „Was soll ich jetzt tun? Wie kann ich Fehler vermeiden, wenn ich gar keine Traumatherapieausbildung habe? Die Patientin hat so viele furchtbare Symptome, ich bin selbst ganz gelähmt.“ Und immer wieder habe ich dann erlebt, wie das Vermitteln von Basics, einfachen Interventionen, einer hilfreichen inneren Haltung und Ermutigung zu wunderbaren therapeutischen Entwicklungen führte. 
Dieser Workshop bietet daher einen Einstieg in die Grundlagen der Traumatherapie mittels kleinen wirkungsvollen Methoden aus meinem Erfahrungsschatz – Psychoedukation, Fallbeispiele, Erste-Hilfe-Tools und Lieblingsinterventionen. Wir werden diese gemeinsam ausprobieren, auch der eigenen Psychohygiene Raum geben und die Erfahrung machen, dass auch Traumatherapie nicht humorfrei ist.

Die Skills Class "Change Talk erkennen und fördern" baut auf dem Workshop "Motivational Interviewing" auf. Woran erkenne ich, dass Patient*innen eine Bereitschaft zur Veränderung ihrer Haltung oder ihres Verhaltens in sich tragen. Wie kann ich das bestärken und fördern und somit kurz- bzw. mittelfristig zu einer tatsächlichen Veränderung beitragen? Welche Fallstricke tun sich auf? Was ist mit meinen eigenen Veränderungsideen für den/die Patient*in? Wie gehe ich mit widerstreitenden Impulsen der/des Patient*in um?
In der Skills Class werden wir einige methodische Elemente zum Umgang mit diesen Fragen kennen lernen und spielerisch vertiefen. Erfahrungen aus der eigenen Praxis sind ausdrücklich erwünscht.

Ressourcenaktivierung (RA) in der Psychotherapie bedeutet, bereits vorhandene Fähigkeiten und Möglichkeiten einer Person für die Überwindung psychischer Probleme und das Wohlbefinden zugänglich zu machen und zu nutzen. Eine aktuelle Metaanalyse (Flückiger et. al., 2023) zeigt, dass die gezielte RA ein eigenständiger therapeutischer Wirkfaktor ist, der über andere therapeutische Strategien hinaus zu besseren Therapieergebnissen beiträgt. Gleichzeitig finden sich in der Praxis manches Mal eher „triviale“, wenig elaborierte Vorstellungen dazu, was Ressource sein kann, wie man sie – vor dem Hintergrund der eher negativen Affektivität von Patient*innen – im Einzelnen aktivieren und nutzen kann sowie wie ich als Therapeut*in mit Schwierigkeiten im Prozess umgehen kann. 
Ausgehend von diesen Problemen haben wir ein Handlungsmodell zur Ressourcenaktivierung entwickelt, dass wir im Workshop gern vorstellen, einüben und diskutieren möchten. Ausgehend vom Konzept der Episodenforschung nach Greenberg et al. (Task-Analyse; 1984, 2009) wurden im Zentrum für Psychische Gesundheit und Psychotherapie (ZPP) in Witten Videoanalysen gelungener und nicht-gelungener Ressourcenaktivierungen durchgeführt. Hieraus hat sich ein vierphasiges Handlungsmodell entwickelt: Nach Identifikation von „Ressourcenmarkern“ (Fokusphase), geht es um die kognitiv-emotionale Aktivierung der Ressourcen (Aktivierungsphase). Im Anschluss werden die persönliche Bedeutsamkeit und die zugrundeliegenden Selbstregulationsprinzipien herausgearbeitet (Analysephase), um dann Möglichkeiten zu erarbeiten, wie die Ressourcen auf den Alltag bzw. das Problem der Person übertragen und dort genutzt werden können (Übertragungsphase). Im Workshop werden wir das Modell im Einzelnen vorstellen, Beispiele vorstellen und typische Prozessprobleme herausarbeiten und adressieren. Eigene Beispiele und Erfahrungen sind erwünscht. Da sich das Modell – bei bisher guten Erfahrungen – noch in der Erprobung befindet, möchten wir die Teilnehmer*innen bitten, den Workshop und ihren Kompetenzzuwachs zu evaluieren.
In einem ersten Training auf Grundlage des Handlungsmodells konnten Zuwächse in RA-Fertigkeiten im Sinne des Modells in Fremd- und Selbstbeurteilung bei Masterstudierenden klinischer Psychologie beobachtet werden (Beden, 2024).

 

Der Round Table beleuchtet die Bedeutung von DARVO (Deny, Attack, Reverse Victim and Offender) und weiterer Täterstrategien im Kontext häuslicher Gewalt. Im Fokus stehen deren Auswirkungen auf psychologische Diagnostik, Beratung und Psychotherapie sowie die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Jugendämtern und Familiengerichten. Nach einem kurzen wissenschaftlichen Impuls werden Erfahrungen aus Praxis und Forschung zusammengeführt und gemeinsam diskutiert, wie Täter-Opfer-Umkehr frühzeitig erkannt, fachlich eingeordnet und sekundäre Viktimisierung vermieden werden kann. Ziel ist der Austausch über Handlungsmöglichkeiten, Fortbildungsbedarfe und strukturelle Voraussetzungen für einen wirksamen Gewaltschutz in der psychologischen Versorgung.

Wie entstehen suizidale Krisen? Unter welchen Bedingungen geht suizidales Erleben eines Menschen in suizidales Verhalten über? Dieses Symposium beleuchtet individuelle Erfahrungen und dynamische Prozesse jenseits von statischen Risikofaktoren: Vier Beiträge erkunden mögliche intrapersonale Mechanismen im Zusammenhang mit anhaltender Trauer (Dr. Laura Melzer, Bergische Universität Wuppertal), suizidspezifischem Grübeln (Dr. Lena Hensel, Ruhr-Universität Bochum), erlebter Kindesmisshandlung (M.Sc. Jana Serebriakova, Universität Duisburg-Essen) sowie zyklusspezifischen Veränderungen suizidalen Erlebens und Verhaltens bei Menstruierenden (Dr. Carola Claus, Ruhr-Universität Bochum). 
Im Sinne des Scientist-Practitioner-Ansatzes werden aktuelle Befunde aus eigenen empirischen Studien mit klinischen Aspekten verknüpft. Gemeinsam wird diskutiert, welche Ansatzpunkte sich daraus für ein personenzentriertes Verständnis und kollaborative Ansätze in der Psychotherapie suizidaler Personen ergeben.

Einsatzkräfte, Lehrkräfte, Mitarbeitende im Gesundheitswesen und weitere Berufsgruppen erleben im Arbeitsalltag potenziell traumatische Belastungen. Neben klassischen Traumafolgestörungen gewinnen moralische Verletzungen (Moral Injury), chronische Überforderung und sekundäre Traumatisierung zunehmend an Bedeutung. Der Workshop vermittelt praxisnah diagnostische und therapeutische Ansätze für die psychotherapeutische Behandlung beruflich belasteter Menschen. Anhand von Fallbeispielen werden typische Dynamiken, Risikofaktoren und Interventionsmöglichkeiten vorgestellt und diskutiert. Die Teilnehmenden erhalten konkrete Anregungen für Diagnostik, Psychoedukation und Behandlung in der ambulanten und stationären Versorgung.

Gewalt hat viele Gesichter. Obwohl uns die Relevanz von Gewalterfahrungen für die psychische Gesundheit bekannt ist, erhalten nicht alle Formen von Gewalt die gleiche Aufmerksamkeit. Ziel des Symposiums ist es, Bereiche der Gewaltforschung hervorzuheben, die bisher wenig(er) Aufmerksamkeit in Forschung und Praxis erhalten. Wir stellen uns die Fragen: Wo fängt Gewalt an? Und was gehört zu Gewalt dazu? Dabei konzentrieren wir uns auf die vier Bereiche der Grenzverletzungserfahrungen bei Jugendlichen und bei Menschen mit kognitiven und/oder emotionalen Beeinträchtigungen, emotionalen Gewalt im Grundschulalter, und sozialen Abwertungserfahrungen im Erwachsenenalter. Basierend auf den Vorträgen soll diskutiert werden, wie weniger sichtbare Formen von Gewalt wahrgenommen werden und sich auswirken können.

Emotionen gelten als zentrale Wirkfaktoren therapeutischer Veränderung. Das Symposium beleuchtet in vier Impulsvorträgen die Bedeutung der Emotionsfokussierten Therapie (EFT) aus der Perspektive der Grundlagenforschung, klinischer Praxis und Prävention. Zunächst wird der Einfluss einer frühen Konzeption der EFT auf Grawes Allgemeine Psychotherapie, vor allem den Wirkfaktor der motivationalen Klärung sowie Grawes Schemabegriff herausgearbeitet. Danach wird die EFT als neohumanistischer, transdiagnostischer und personzentriert-experienzieller Ansatz in Grundzügen vorgestellt. Ein weiterer Beitrag widmet sich der EFT-Paartherapie und ihrem Potenzial, dysfunktionale Beziehungsmuster zu überwinden und eine sichere Bindung wiederherstellen zu können. Abschließend wird das Emotionsfokussierte Skills Training (EFST) für Eltern vorgestellt, um Eltern in ihrer emotionalen Kompetenz zu stärken und psychischen Störungen im Kinder- und Jugendbereich präventiv und kurativ zu begegnen. Eine moderierte Diskussion rundet das Symposium ab.

Gefühle werden als zentraler Kompass für die Therapie entdeckt. Neu ist, dass es vor allem durch schulﲾrgreifende neurowissenschaftliche Erkenntnisse zunehmend klarer wird, wie genau sie als entscheidende Signalgeber für die Wahl einer evidenzbasierten Intervention dienen können. 
Gerade die Arbeit mit den primären Affekten wird als der „Schlüssel zum Unbewussten“, zu den bislang unverarbeiteten Gefühlen und Erinnerungen verstanden, die Ursache für Affektregulationsstörungen sind, was den meisten psychischen Störungen zugrunde liegt. Affekte und körperliche Impulse gehen erlernten Emotionsschemata und bewussten Gefühlen voraus. Die Kunstfertigkeit, eine emotional nahe und intime Therapieallianz zu co-kreieren wird vermittelt im Spannungsfeld affektiv mobilisierender und Angst regulierender Methoden. Anhand konkreter Videobeispiele und kurzen ෋ungssequenzen wird nicht nur Wissen, sondern auch eine Haltung vermittelt, um Patienten empathisch und auch konfrontativ von Moment zu Moment zu begleiten.

Bildkarten eröffnen einen kreativen und niedrigschwelligen Zugang zu Ressourcen, positiven Erfahrungen und persönlichen Werten. In dieser praxisorientierten Skills Class lernen die Teilnehmenden, Bildkarten gezielt zur Ressourcenaktivierung und Wertearbeit einzusetzen. Kurze Übungen und eine Live-Demonstration zeigen, wie aus spontanen Bildassoziationen therapeutisch relevante Bedeutungen entstehen. Dabei werden persönliche Ressourcen sichtbar und direkt erlebbar gemacht. Werte werden "fühlbar" als wichtige Voraussetzung, um kokrete Ziele und Handlungschritte ableiten zu könnnen und diese als stimmig zu erleben. Die vorgestellten Techniken lassen sich unmittelbar in den verhaltenstherapeutischen Prozess integrieren. Die Teilnehmenden erproben die Interventionen selbst und entwickeln daraus Anwendungsmöglichkeiten für ihre eigene Praxis.

Essstörungen im Kindes- und Jugendalter nehmen kontinuierlich zu, während etablierte Therapieansätze in der Versorgung zunehmend an ihre Grenzen stoßen. Es besteht daher dringender Bedarf an innovativen, zugänglichen und wirksamen Behandlungskonzepten. Das Symposium präsentiert neuartige Ansätze für diese vulnerable Altersgruppe: die Partizipation ehemals Betroffener in einer Studie zu videogestützter Psychotherapie bei Essanfällen sowie dialektisch- behaviorale Therapie (DBT), den Einsatz Virtueller Realität (VR) und familienzentriertes Hometreatment bei adoleszenter Anorexie. Die Beiträge liefern wertvolle Impulse zur Weiterentwicklung der Versorgung und zeigen Wege auf, bestehende Behandlungslücken durch moderne Formate zu schließen.

Psychischen Problemen liegen unabhängig vom Störungsbild in der Regel Schwierigkeiten in der emotionalen Verarbeitung zugrunde. Patient:innen fühlen zu viel, zu wenig, versinken immer wieder in schmerzhaften Gefühlen oder vermeiden ihre Gefühle. Die Emotionsfokussierte Therapie (EFT) ist ein wissenschaftlich fundiertes, transdiagnostisches, personzentriert-experienzielles Therapieverfahren, das unmittelbar an diesen emotionalen Verarbeitungsschwierigkeiten ansetzt. Sie gibt Therapeut:innen Methoden an die Hand, um dysfunktionales Erleben zu verändern und eröffnet so neue Möglichkeiten, systematisch, prozessorientiert und effektiv mit dem emotionalen Erleben von Patient:innen zu arbeiten. Im Workshop werden die Grundlagen der EFT kompakt vermittelt. Die Anwendung in der Praxis wird mit Videobeispielen anschaulich dargestellt.
Zielgruppe: Approbierte oder in Ausbildung befindliche Ärztliche und Psychologische Psychotherapeut:innen (auch KJP)

Gesellschaftliche Polarisierung und die Abwertung anderer Gruppen werfen die Frage auf, welche Rolle Empathie für gesellschaftlichen Zusammenhalt spielen kann. Zugleich begegnen uns in der Psychotherapie intrapsychische Prozesse der Abwertung, Vermeidung und Abspaltung eigenen emotionalen Erlebens. Der Round Table diskutiert affektive Empathie deshalb aus intra- und interpersoneller sowie gesellschaftlicher Perspektive. Konzepte der Selbstempathie und Impathie erweitern dabei den Blick auf die empathische Beziehung zum eigenen Erleben. Diskutiert werden die Bedingungen und Grenzen zwischenmenschlicher Empathie sowie Möglichkeiten ihrer gezielten Förderung. Aus sozialpsychologischer und konfliktwissenschaftlicher Perspektive wird schließlich gefragt, welche Bedeutung Empathie für Vorurteile, Polarisierung und gesellschaftliche Spaltungsprozesse besitzt. Im Zentrum steht die Frage, ob und unter welchen Bedingungen Empathie zu psychischer und gesellschaftlicher Integration beitragen kann.