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Themenschwerpunkt Praxis, Beziehung & Methoden

Wie gelingt Psychotherapie, wenn Lebenssituationen komplex sind und bewährte Vorgehensweisen an Grenzen stoßen? Die Beiträge widmen sich der therapeutischen Haltung, Beziehungsgestaltung und konkreten Interventionen für unterschiedliche Herausforderungen im Praxisalltag. Schwerpunkte finden unter anderem körperorientierte Verfahren, Akzeptanz- und Commitment-Therapie, Motivational Interviewing sowie die Arbeit mit Persönlichkeits- und dissoziativen Störungen. 

Motivational Interviewing (MI) wurde in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts von Bill Miller (USA) und Stephen Rollnick (GB) entwickelt als Gesprächsführungskonzept, das insbesondere in Situationen zum Einsatz kommt, in denen Menschen ambivalent sind. Das theoretische Konzept integriert Erkenntnisse aus den Lerntheorien, aus der humanistischen Psychotherapie, aus systemischen Theorien und aus der kommunikationspsychologischen Wissenschaft. Zunächst in der Suchtkrankenbehandlung verankert, etablierte sich MI sehr schnell in allen anderen psychiatrischen Behandlungsfeldern. Zahlreiche Metaanalysen belegen die gute Evidenz des Ansatzes. MI eignet sich in hervorragender Weise für alle Gesprächskontakte in psychiatrischen Settings. MI klärt und stärkt Veränderungsmotivation, MI fördert persönliches Wachstum, MI stärkt Autonomie und Empowerment. MI kann als add-on zu etablierten Behandlungsansätzen in der Psychiatrie/Psychotherapie eingesetzt werden.

Im Workshop wird zunächst ein Überblick über MI gegeben. Herkunft und Geschichte sowie der Aufbau des Konzepts werden dargestellt. Die essentielle Bedeutung des Menschenbildes und der systemisch-humanistischen Grundhaltung werden erläutert und diskutiert. Kennenlernen und praktisches n der fünf Basismethoden (Offene Fragen, Aktives Zuhören, Wertschätzung und Würdigung, Informieren und Rat anbieten sowie Zusammenfassungen) und der drei Methodengruppen, die spezifische Kompetenzen beinhalten (Geschmeidiger Umgang mit Widerstand, Change Talk und Confidence Talk), strukturieren den Workshop.

Der Workshop richtet sich an alle in der Psychiatrie tätigen Berufsgruppen.

Körperorientierte Methoden bieten eine lebendige Erweiterung des eigenen therapeutischen Methodenkoffers: Sie machen psychische Prozesse unmittelbar erlebbar und aktivieren Ressourcen dort, wo rein kognitive Interventionen oft an Grenzen stoßen. Dieser Workshop vermittelt Ihnen fundierte Strategien, um körperorientierte Interventionen gezielt und kreativ in Ihren Praxisalltag zu integrieren. Im Fokus steht die praktische Anwendung niederschwelliger Tools: Das Spektrum reicht von Interventionen im Raum und kreativen Achtsamkeitsübungen über Elemente aus Tanz und Improvisation bis hin zur gezielten Arbeit mit Materialien, wie Seilen, Tüchern oder Papier.
Im Mittelpunkt steht das Ausprobieren konkreter Techniken, die sich nahtlos in bestehende Settings einbetten lassen. Parallel dazu reflektieren wir den professionellen Rahmen: Wie gelingt eine motivierende Psychoedukation zum Thema Embodiment? Welche Indikationen leiten den Prozess? Zudem thematisieren wir den ethisch sensiblen Umgang mit Grenzen und Berührung. Ziel ist ein direkt anwendbarer Werkzeugkasten, der flexibel einsetzbar ist und auch ohne spezielles Equipment oder groß Räumlichkeiten die nächste Therapiestunde bereichert.

Unter Authentizität verstehen wir in der Regel ein Leben in reinstimmung mit unserem wahren Selbst. Aber was ist denn mit diesem „Selbst“, an dem sich die Authentizität bemisst, genau gemeint?

In der Akzeptanz- und Commitment-Therapie steht die Frage nach dem Selbst absolut im Zentrum, und zwar einerseits als bewusste (Selbst-)Wahrnehmung des Individuums im Daseinsvollzug (Achtsamkeit), andererseits als fortlaufender autopoietischer Prozess kommunikativer Selbstbeziehung: Indem wir uns bewusst zu uns selbst verhalten, erschaffen wir uns immer wieder neu und gewinnen zunehmend Klarheit darﲾr, wer wir sind und was uns wichtig ist. Es ist ein Weg zur inneren Freiheit!

In der ACT haben wir eine ganze Reihe von Methoden und Interventionen, um diesen Selbst-Prozess zu befördern. Im Workshop mཬhte ich zeigen, wie das spielerisch und mit leichter Hand gelingt. Dazu gibt es ein bisschen Theorie und viel Raum zum Ausprobieren und Selbst-Erleben. ACT-Kenntnisse sind für die Teilnahme weder notwendig noch hinderlich.

Dissociative Identity Disorder is a complex and highly disabling disorder. Patients typically report severe early childhood trauma, multiple identities, switching between identities, and dissociative symptoms such as depersonalization, derealization, and amnesia for experiences associated with other identities. Experimental research, however, suggests that memory and identity functioning in DID may be less compartmentalized than previously assumed. This raises the possibility that Schema Therapy (ST) may be an effective treatment for DID. ST is effective for other trauma-related disorders, such as borderline personality disorder, and explicitly recognizes patients’ subjective experience of different modes and switching between them. Based on these principles, an adapted form of ST specifically for DID has been developed, which is currently being evaluated in a multiple-baseline case series study (Huntjens et al., 2019). The workshop will introduce the rationale and key modifications of this approach, and central topics will be explained and practiced, such as translating identities into modes, developing a crisis (prevention) plan, managing dissociation and avoidance, using metaphors, breaking imagery rescripting into manageable steps, fighting the punitive critic, working with aggressive parts, stimulating autonomy, and evaluating treatment successes.

Stalking – oder auch Nachstellung – ist mehr als ein Straftatbestand oder ein Medienereignis. Es ist vor allem eine beraterische Herausforderung und ein bislang wenig erforschtes Verhalten. Das Symposium vereint vier verschiedene Forschungs-Perspektiven und Betrachtungsmöglichkeiten.
Ein erster Beitrag gibt einen Überblick über Kenntnisstand und Forschungsansätze zu den als "Stalking" gelabelten Verhaltensweisen. Der Verbreitungsgrad ist so hoch, dass viele im persönlichen Umfeld damit bereits Erfahrungen gesammelt haben. Daten der Dunkelfeldstudie LeSuBia von 2026 werden in ihrer Relevanz für das Themenfeld betrachtet. 
Der zweite Beitrag untersucht die mediale Berichterstattung oftmals "spektakulärer Fälle". Für viele Personen prägen genau diese Darstellungen auch die inneren Bilder, wenn von Stalking die Rede ist. Aus kommunikationswissenschaftlicher Perspektive werden vier Printmedien (von taz bis BILD) untersucht: Welches redaktionelle Konzept, welcher journalistische „Ethos“ und welcher Fokus prägt die Berichterstattung über Stalking?
Der dritte Beitrag präsentiert die Methodik und erste Ergebnisse einer Wirksamkeitsstudie bei Stop-Stalking, die in Kooperation mit zwei Hochschulen über drei Jahre durchgeführt wurde. Ziel war dabei die subjektiv erlebte Veränderung von Stalking ausübenden Personen durch den Beratungsprozess zu erfassen und die Beratungsziele im Hinblick auf ihre Erreichung zu überprüfen.

Referate

Titel: Stalking 2.027

LeSuBia – Lebenssituation, Sicherhalt und Belastung im Alltag ist der nicht ganz so griffige Titel der wichtigsten Dunkelfeldstudie zu Gewalterfahrungen innerhalb und außerhalb von Beziehungen, die im April 2026 erschienen ist und die Daten der Befragungen von mehr als 15.000 Personen der Öffentlichkeit vorstellt. 
Die Ergebnisse hinsichtlich Prävalenz, Inzidenz, Schwere und Geschlechterunterschiede bei Stalking werfen ein neues Licht auf bisherige Annahmen und werden in Kombination mit den Erhebungen zu digitaler Gewalt und Cyberstalking vorgestellt. Welche Rückschlüsse im Sinn einer Bedarfsanalyse sind möglich und welche Auswirkungen hat das auf die Zielvorgaben der Istanbul-Konvention? 

Wolf Ortiz-Müller

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Titel: Stalking bis in den Tod? Eine qualitative Framing-Analyse deutscher Printberichterstattung über Stalking und Cyberstalkin

Die mediale Berichterstattung kann das Bewusstsein für Stalking stärken, aber zugleich, durch den Fokus auf besonders schweren Fällen, verzerrte Vorstellungen fördern. Die vorliegende Mixed-Methods-Studie untersucht die Darstellung von (Cyber-)Stalking in nationalen Tageszeitungen sowie die Faktoren, die diese prägen. Die Ergebnisse zeigen, dass Stalking meist anhand von Einzelfällen beschrieben wird; insbesondere Cyberstalking wird als individuelles Problem eingeordnet. Täter werden überwiegend als männlich, Opfer als weiblich dargestellt. Interviews mit Journalist*innen zeigen zudem Schwierigkeiten bei der Definition von Stalking und einen Fokus auf spektakuläre Fälle. Daraus ergeben sich Herausforderungen für Prävention, Hilfesuche und gesellschaftliche Sensibilisierung. 

Sophie Lexhaller & Magdalena Obermaier

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Titel: „… aber auch manchmal sehr harte aber extrem wichtige Worte“ – Wirksamkeit und Wirkfaktoren von Beratungsprozessen aus Sicht von Menschen, die stalken

Auch wenn Stalking in den letzten Jahren sowohl im Fachdiskurs wie auch in der öffentlichen Wahrnehmung und Diskussion deutlich an Bedeutung gewonnen hat, fehlen bislang empirische Daten zur Wirksamkeit und den Wirkfaktoren von Beratung für Stalking-Betroffene wie auch insbesondere für stalkende Menschen. Menschen, die Stalking-Verhalten zeigen, gelten als schwer erreichbar (hard-to-reach) sowohl für Beratungspraxis als auch für Beratungsforschung. Im Beitrag wird eine Studie vorgestellt, in der Menschen, die aufgrund eigenen Stalking-Verhaltens die Beratung von Stop-Stalking in Anspruch genommen haben, rückblickend am Ende des Beratungsprozesses befragt wurden. Untersucht wurde, inwiefern die Ziele aus Sicht der Klient*innen erreicht wurden, wie sich das eigene Erleben und Befinden verändert hat und welche Faktoren im Beratungsprozess als förderlich oder hinderlich erlebt wurden. 

Sandra Wesenberg, Tabea Kraus & Christian Paulick

„Außergewöhnliche Erfahrungen“ (AgE), gemeinhin als „übernatürlich“, „übersinnlich“ oder „spirituell“ bezeichnet, sind weit verbreitet. Repräsentative Umfragen zeigen, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung mindestens einmal im Leben eine solche Erfahrung macht. AgE treten häufig im Zusammenhang mit kritischen Lebensereignissen, sozialen Konflikten und gesundheitlichen Problemen sowie vor dem Hintergrund belastender Biografien auf. Bei der Bewältigung von Krisen können sie eine wichtige Rolle gewinnen, aber auch Ängste auslösen und zusätzlich stark belastend sein. Solche Betroffenen finden in der Regelversorgung bislang kaum angemessene Hilfe. AgE werden häufig entweder marginalisiert oder vorschnell mit psychischen Störungen gleichgesetzt. Dabei bleiben ihre spezifische Phänomenologie, motivationale und biografische Zusammenhänge sowie ihre Funktionen in der Selbstregulation unber࿌ksichtigt. Hintergrund des Workshops sind Erkenntnisse aus der psychologischen Beratung, die das IGPP seit Jahrzehnten für Menschen mit AgE anbietet, sowie aus der damit verbundenen kontinuierlichen Forschung. Ich stelle typische AgE-Formenkreise vor und erläutere anhand von Fällen aus der Praxis geeignete Beratungsstrategien. Mögliche rschneidungen und Abgrenzungen zwischen AgE und psychischen Störungen werden thematisiert. Die Teilnehmenden haben Gelegenheit, eigene Fälle aus ihrer Praxis einzubringen und zu diskutieren.

Ein Angebot des Ethikbeirats der DGVT.

Ein offener Austausch darüber, was hilft und was schadet. Und darüber, was geht und was gar nicht geht.

Soll es eine körperpsychotherapeutische 4. Welle geben? 
Wie können wir körpertherapeutische Interventionen in unsere Behandlungen integrieren?

Bringt gern konkrete Fallvignetten und Fragen mit.

Die Änderung der Psychotherapie-Richtlinie für die Behandlung von Substanzkonsumstörungen im Jahr 2011 und zuletzt 2025 stellt einen erheblichen Fortschritt dar. Der Workshop bietet einen Überblick zur Praxistauglichkeit der Änderungen der Psychotherapierichtlinie bei Substanzkonsumstörungen. Anhand von praxisnahen Beispielen soll verdeutlicht werden, in welchen Fällen ambulante Psychotherapie möglich ist, wie diese in der Versorgung von Patient*innen mit Substanzkonsumstörungen eine sinnvolle, größere Rolle spielen kann und welchen Herausforderungen man sich als ambulant tätige/r Psychotherapeut*in stellt. Zudem werden spezifische Therapiebausteine (Motivierende Gesprächsführung, Vorbereitung des Konsumstopps, Kognitive Therapie, Rückfallprophylaxe, Umgang mit Verlangen, etc.) kurz im Überblick dargestellt. 
Was muss ich als ambulant tätige Psychotherapeut*in beachten? Funktioniert das überhaupt, ambulant zu entziehen? Was mache ich bei Rückfällen? Was mache ich, wenn sich im Verlauf der Behandlung bei Patient*innen eine Substanzkonsumstörung entwickelt?
Ziel: Die Teilnehmer*innen werden für die ambulante Psychotherapie mit Substanzkonsumstörungs-Patient*innen sensibilisiert. 
Zielgruppe: Psychologische Psychotherapeut*innen (PP & KJP), Ärzt*innen und Berater*innen, Psychotherapie-Ausbildungskandidat*innen

Persönlichkeitsstörungen sind in der ambulanten und stationären Psychotherapie häufig vorkommende Störungen. Therapeut*innen werden daher oftmals mit entsprechenden Klient*innen konfrontiert. Klient*innen mit einer Persönlichkeitsstörung gelten jedoch als hochgradig interaktionsschwierig. Sie führen Therapeut*innen oftmals an ihre Grenzen und verlangen von ihnen eine hohe therapeutische Expertise, damit eine Intervention erfolgreich verlaufen kann. 
Diese praxisorientierte Expertise soll in diesem Seminar bereitgestellt werden. Zunächst wird die genaue Diagnostik auch auf dem Hintergrund der neuen Diagnostik in der ICD-11 vorgestellt. Nachdem die Persönlichkeitsstörung dann ätiologisch vorrangig als biografisch entwickelte Störung der Beziehungsgestaltung dargestellt wird, wird ein psychologisch begründetes Funktionsmodell von Persönlichkeitsstörungen erläutert und die typische Beziehungsgestaltung von Klient*innen mit Persönlichkeitsstörung anhand dieses Modells erklärt. Die aus dem Modell abgeleiteten Interventionen sollen dann anhand einer Videodemonstration dargestellt werden.

Die psychotherapeutische Sprechstunde ermöglicht einen relativ niedrigschwelligen Zugang der Patient:innen und ihrer Bezugspersonen zur ambulanten KJP Versorgung. Mit der orientierenden Diagnostik und Beratung über die reine Indikationsstellung für eine Richtlinienpsychotherapie hinaus, nehmen Therapeut:innen hier eine entscheidende Lotsenfunktion ein. Häufig zeigen sich Versorgungsbedarfe, die über andere Versorgungsangebote z.B. SPV Praxen, SPZ, Kliniken oder aber auch aus dem Jugendhilfesystem oder schulische Angebote aufgefangen werden können. Dieser Workshop vermittelt einen kompakten, praxisorientierten Überblick über die rechtlichen und organisatorischen Versorgungsangebote der verschiedenen Leistungsträger sowie Wege für ein zeiteffizientes Schnittstellenmanagement. Es werden Ideen für Psychoedukationen, Kurzinterventionen und strukturierte Selbsthilfe für die Wartezeit aufgezeigt die Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen vorbereiten.

Beziehungsthemen gehören zu den häufigsten Anliegen in der Psychotherapie. Gleichzeitig werden Beziehungsrealitäten vielfältiger und stellen Therapeut:innen oft vor Fragen zu Normen, Eifersucht, Bindung, Autonomie und emotionaler Flexibilität. Der Workshop beschäftigt sich mit verbreiteten Beziehungsmythen und deren Einfluss auf therapeutisches Denken und Handeln. ACT-basierte Perspektiven werden genutzt, um einen flexibleren und weniger pathologisierenden Umgang mit Beziehungsthemen zu fördern. Ziel ist es, mehr Sicherheit im Umgang mit vielfältigen Beziehungskonstellationen zu entwickeln und konkrete therapeutische Handlungsmöglichkeiten für die Praxis zu erarbeiten. Didaktisch verbindet der Workshop kurze theoretische Impulse mit Fallbeispielen, Kleingruppenaustausch und gemeinsamer Diskussion.