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Hauptvorträge



Eröffnungsvortrag


Referent: Arnould Arntz


Datum: Mittwoch, 03.03.2027


Uhrzeit: 18:00–19:00 Uhr


 

Recent Advancements in the Treatment of Complex Disorders

CBT originally focused mainly on less complex disorders like phobias and depression. While great progress was made in these areas, more complex disorders were often seen as too psychiatric, or their existence was just denied (e.g., personality disorders). Fortunately, this has changed the last decades. CBT therapies for complex disorders such as personality disorders, double diagnoses (e.g., substance use disorder and PTSD; psychosis and PTSD), and complex PTSD have been developed and validated in clinical trials. Reasons for this development include changes in our theoretical understanding of mental health problems, improved understanding of how to handle difficulties in the working alliance related to the patients’ psychopathology, acknowledging the role of early childhood experiences, and better understanding of and incorporation of experiential techniques in CBT. These advancements and possible directions for further advancements will be discussed.
 

Hauptvorträge


Referentinnen: Rafaele Huntjens/Marleen Rijkeboer


Datum: Donnerstag, 05.03.2027


Uhrzeit: 09:00–10:00 Uhr


 

Beyond Fragmentation: New Perspectives on Dissociation and Its Treatment

Patients with Dissociative Identity Disorder (DID) report experiencing multiple identity states, along with associated phenomena such as amnesic “barriers” between identity states, depersonalization, and derealization. The disorder and its treatment have been the subject of considerable debate and controversy. At present, the evidence-base for treatment approaches for complex dissociative disorders is limited and existing approaches are often lengthy and, in part, based on assumptions that have not been sufficiently supported by empirical research.

This presentation will examine common misconceptions about memory and identity functioning in DID in light of findings from empirical research. These findings challenge several longstanding theoretical assumptions and point towards a paradigm shift in how complex dissociative disorders are conceptualized and treated. They also call for new therapeutic approaches that are more closely aligned with current scientific evidence. A Mode Model for Dissociative Disorders will be introduced and its implications for treatment will be discussed. Specific attention will be given to an adapted form of Schema  Therapy for complex dissociative disorders, which has been developed in accordance with the DD Mode Model.


Referentin: Meltem Avci-Werning


Datum: Donnerstag, 04.03.2027


Uhrzeit: 13:15–14:15 Uhr


Schulpsychologische Beratung im interkulturellen Kontext

Schule ist ein zentraler Ort gesellschaftlicher Vielfalt, an dem unterschiedliche kulturelle, sprachliche und soziale Lebenswelten aufeinandertreffen. Schulpsychologische Beratung eröffnet vielfältige Möglichkeiten, psychologische Unterstützung kultursensibel, ressourcenorientiert und zielgruppengerecht zu gestalten. Der Vortrag beleuchtet zentrale Formate schulpsychologischer Arbeit im interkulturellen Kontext wie z. B. Einzel- und Gruppenberatung, Supervision, Fortbildung von Lehrkräften sowie Krisenintervention und psychologische Notfallhilfe. Im Fokus steht die Frage, wie psychologische Expertise im schulischen Raum dazu beitragen kann, vielfältige Perspektiven einzubeziehen, psychische Gesundheit zu fördern und Bedingungen zu schaffen, die Lernen, Entwicklung und soziale Teilhabe unterstützen. Besonderes Augenmerk liegt auf zentralen Kompetenzen kultursensibler Beratung, darunter Perspektivübernahme und Gesprächsführung, Selbstreflexion sowie die Fähigkeit, unterschiedliche Erwartungen und Perspektiven im schulischen Kontext zu vermitteln und zu integrieren. Ressourcenorientierung wird als zentrale Beratungshaltung verstanden, die individuelle, familiäre, soziale und schulische Ressourcen sichtbar und für Veränderungsprozesse nutzbar macht.

Der Vortrag versteht interkulturelle Kompetenz als kontinuierlichen reflexiven Prozess und lädt dazu ein, Vielfalt nicht primär als Herausforderung, sondern als Ressource für Kooperation, Perspektivwechsel und psychologische Unterstützung zu begreifen.


Referentin: Ann-Christin Haag


Datum: Freitag, 05.03.2027


Uhrzeit: 09:00–10.00 Uhr


Teens on Screens: Vulnerabilitäten, psychische Gesundheit und Prävention in einer digitalen Welt

Always online, always available: Aufwachsen zwischen Social Media, parasozialer KI und sexualisierter digitaler Gewalt
Digitale Medien, von sozialen Netzwerken über generative KI bis hin zu neuerdings KI-Companions, prägen den Alltag von Jugendlichen. Hier verschmelzen Plattformen und Funktionen zusehends, der endlose Feed neben dem KI-Freund, und werden somit immer weniger trennscharf voneinander. Was beide, die Heranwachsenden und die digitale Medien, vereint: always online, always available. Der Vortrag stellt zunächst die aktuellen Prävalenzdaten und den Forschungsstand zu Nutzung und Auswirkungen digitaler Medien auf die psychische Gesundheit von Jugendlichen vor. Dabei werden sowohl protektive als auch belastende Befunde betrachtet und die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen klassischen und neuen digitalen Medien herausgearbeitet. Ein besonderer Fokus liegt auf vulnerablen Jugendlichen mit belastenden Kindheitserfahrungen und der Frage, ob und wie sich deren Online-Verhalten von dem nicht-vulnerabler Jugendlicher unterscheidet, unter anderem im Kontext sexualisierter digitaler Gewalt. Daran anschließend werden aktuelle politische Forderungen und regulatorische Entwicklungen auf nationaler und europäischer Ebene sowie Handlungsansätze für klinische Akteure diskutiert. Ziel ist es, ein differenziertes, empirisch fundiertes Bild der Chancen und Risiken digitaler Medien für die junge Generation zu zeichnen und die sich daraus ableitenden Implikationen für Politik und Psychotherapie aufzuzeigen.


Referentin: Birgit Wagner


Datum: Freitag, 05.03.2027


Uhrzeit: 13:15–14:15 Uhr


 

Angehörige im Kontext eines assistierten Suizides

Trotz der zunehmenden Anzahl assistierter Suizide in Deutschland finden Angehörige in öffentlichen Debatten und der Forschung bislang nur wenig Beachtung. Angehörige sind häufig bereits vor dem assistierten Suizid eng in organisatorische und emotionale Prozesse eingebunden und erleben dabei antizipatorische Trauer, moralische Konflikte sowie Belastungen im Zusammenhang mit der Planung und Durchführung des assistierten Suizids. Der vorliegende Beitrag beleuchtet spezifische Belastungsfaktoren sowie die Besonderheiten der Verlustverarbeitung von Angehörigen im Kontext des assistierten Suizids, auch im Vergleich zu Hinterbliebenen nach einem Suizid. Weiterhin werden bestehende Forschungslücken sowie Implikationen für psychosoziale Unterstützungsangebote für Angehörige vor und nach einem assistierten Suizid diskutiert.


Referentin: Natascha Strobl


Datum: Samstag, 06.03.2027


Uhrzeit: 09:00–10:00 Uhr


 

Erziehung zur Mitleidslosigkeit.
Die politische Psychologie des Faschismus

Faschismus ist nicht nur eine politische Herrschaftsform, sondern auch eine Art das eigene Leben zu gestalten. Zu dieser zählen Abhärtung, Verrohung und entgrenzte Gewalt. Zurück bleiben zerrüttete Individuen, die so erst die perfekten Akteure des Faschismus werden.


Referentin: Isabel Dziobek


Datum: Samstag, 06.03.2027


Uhrzeit: 16:00–17.00 Uhr


Zwischen Übersehen und Überpathologisieren: Autismus im Erwachsenenalter als unterversorgte Diagnostik- und Therapieherausforderung

Autismus ist im Erwachsenenalter in der Mitte der Gesellschaft angekommen, die Versorgung der Betroffenen bleibt jedoch weit hinter dem Bedarf zurück. Die stark gestiegene Nachfrage nach Diagnostik trifft auf wenige spezialisierte Angebote, lange Wartezeiten und Behandlern, die sich für Autismus häufig nicht ausreichend qualifiziert fühlen. Daraus ergeben sich zwei gegenläufige Risiken: Autismus wird übersehen, vor allem bei Frauen und bei Menschen, die ihre Besonderheiten über Jahre kompensiert haben. Oder er wird vorschnell diagnostiziert, wo andere Ursachen im Vordergrund stehen. Die Keynote spannt den Bogen von der Diagnostik bis zur Therapie. Sie zeigt, wie sich Autismus im Erwachsenenalter mit einem gestuften, leitliniengerechten Vorgehen differenziert abklären lässt, auch bei Komorbiditäten und schwierigen Differenzialdiagnosen. Sie stellt den aktuellen Stand der Behandlung vor: von der Einzeltherapie über Gruppenprogramme bis zu digitalen Interventionen, die zunehmend auch künstliche Intelligenz nutzen. Im Zentrum stehen Ergebnisse des kürzlich beendeten größten internationalen Psychotherapietrials zu autistischen Kernsymptomen, die u.a. an der Humboldt-Universität zu Berlin durchgeführt wurde, auf Verhaltensebene ebenso wie im begleitenden Imaging-Genetics-Trial. Ein Ausblick beleuchtet die Chancen von Patient and Public Involvement (PPI) in Forschung und Klinik.