Hauptvorträge

Referent:Stefan G. Hofmann
Datum:Donnerstag, 04.03.2021
Zeit:17:00 - 18:00 Uhr

Seit Jahrzehnten war evidenzbasierte Therapie durch wissenschaftlich validierte Therapieprotokolle mit einem Fokus auf psychiatrische Syndrome definiert. Viele Therapien, inklusive der kognitiven Verhaltenstherapie (kVT), folgten in ihrer Historie diesem Ansatz, aber dies verändert sich rapide. Bei mehreren Methoden innerhalb der Familie der kVT entsteht nun ein Fokus auf den Prozess, während die Ära der “Protokolle für Syndrome” vergeht. Wir nennen diesen neuen Ansatz Prozessbasierte Therapie (PBT). Die PBT ist kein Satz an neuen Strategien. Vielmehr geht es um ein neues Modell evidenzbasierter Therapie, welches die Art verändert, wie wir über alle existierenden Formen evidenzbasierter Interventionen denken und wie wir Strategien wirksam implementieren. Es würdigt die verschiedenen behavioralen, kognitiven und akzeptanz- und achtsamkeitsorientierten Flügel der kVT, während es evidenzbasierte Interventionen gleichzeitig für jede andere Tradition öffnet, welche Schlüsseltherapieprozesse erzeugen kann. Dieser Ansatz bietet grundlegend neue theoretische, methodisch und klinische Perspektiven auf Psychopathologie und Behandlung.


Referent:Michael Hengartner
Datum:Freitag, 05.03.2021
Zeit:09:00 - 10:00 Uhr

Es wird weithin postuliert, Depressionen würden immer häufiger auftreten und hätten epidemische Ausmasse angenommen. Dies scheint auch, zu einem gewissen Grad die stetig wachsenden Verschreibungsraten für Antidepressiva zu rechtfertigen. Doch ist diese Annahme korrekt? Und sind alle diagnostizierten Depressionen auch wirklich klinisch relevant und benötigen eine medikamentöse Behandlung? In diesem Vortrag wird dieser Frage nachgegangen. Auch werden zentrale Aspekte zu Wirkungen und Wirksamkeit von Antidepressiva bei Depressionen diskutiert. Hierbei wird auch auf unerwünschte Wirkungen und Risiken kritisch eingegangen sowie die Perspektive und subjektive Einschätzung der Konsumenten berücksichtigt.


Referent:Andreas Zick
Datum:Freitag, 05.03.2021
Zeit:13:30 - 14:30 Uhr

Eine Pandemie ist eine Zeit hoher Belastungen von Menschen. Sie erzeugt Stress und verlangt Vertrauen in Mitmischen wie Institutionen. Die psychologischen Folgen sind schwerwiegend, auch wenn sie in den öffentlichen Debatten von Politik, Medien und medizinischer wie gesundheitswissenschaftlicher Fachwelt eher nur am Rande angesprochen werden. Pandemiezeiten sind auch ein Stresstest für Gesellschaften, zumal wenn die Grenzen zugehen und die Nationalstaaten sich mehr mit sich selbst beschäftigen müssen. Es war vor der Corona-Pandemie damit zu rechnen, dass die Gesellschaften eben auch Deutschland in einen schweren Konflikt geraten wird, weil Pandemien nicht nur Verteilungskonflikte erhöhen, sondern auch begleitet werden von Identitätskonflikten zwischen gesellschaftlichen Gruppen. Sie äußern sich in Feindbilder, der Radikalisierung von Gruppen und der Entwicklung neuer politischer Ideologien, die Menschen in radikale Gemeinschaften einbinden. Das Erstarken des Rechtsextremismus und -populismus, die menschenfeindlichen neuen Verschwörungsgruppen, Hasswellen im Netz und viele andere Hinweise auf innergesellschaftliche Zerreißproben waren angesichts dessen, was Forschungssergebnisse schon vor der Pandemie zeigten, wenig verwunderlich. Hier knüpft der sozialpsychologische Blick auf die gesellschaftlichen Konfliktlagen an. Er fragt aus einer sozialpsychologischen Perspektive, in welchem Zustand sich das Land befindet und schaut dabei vor allem auf antidemokratische Orientierungen, Feindbilder und Missachtungen von Gruppen. Dazu werden Befunde aus der Langzeitstudie, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und aktuelle Studien während der Corona-Pandemie herangezogen. Zudem soll die Frage gestellt werden, welche gesellschaftlichen  Strukturen und Orientierungen wir eigentlich benötigen, um eine Gesellschaft so entwickeln, dass sie weniger in Spaltungen und Polarisierungen verfällt als vielmehr in einer Zivilgesellschaft mündet, die sich psychologisch angemessen verhält und verhalten kann.


Referent:Stephen Hinshaw
Datum:Freitag, 05.03.2021
Zeit:17:00 - 18:00 Uhr

Despite greater public knowledge of mental disorders, stigmatizing attitudes toward individuals and families confronting mental illness remain distressingly high.  In this presentation I define the core components of stigma, provide key reasons for its persistence, illustrate its devastating impact through the case example of my own family, and close with discussion of promising strategies to reduce stigma and promote humanization.



Referentin:Hanna Christiansen
Datum:Samstag, 06.03.2021
Zeit:09:00 - 10:00 Uhr

Kind psychisch erkrankter Eltern zu sein, stellt einen quantitativ und qualitativ bedeutsamen Risikofaktor dar, dem bislang zu wenig Beachtung geschenkt wurde. Zwar liegen schon einige Interventionsansätze vor, die sich in der Praxis bewährt haben oder sich als hinreichend empirisch abgesichert erweisen, dennoch ist das Wissen sowohl zur Wirksamkeit (Efficacy) als auch Effektivität (Effectiveness) noch unzureichend. Auch die vorliegenden meta-analytischen Bewertungen der bislang vorliegenden randomisiert kontrollierten Studien zeigen dies. Umfassende Programme müssen folgendes leisten:

  • Sich gezielter an störungsspezifischen bestehenden Risiko- und Schutzfaktoren orientieren.
  • Prüfen, inwieweit eine Kombination verschiedener Interventionsprogramme und -typen zur Verbesserung der Effektivität beitragen kann, da psychische Störungen selten isoliert und häufig komorbid auftreten.
  • Mehr theoriegeleitete Interventionen entwickeln.

Dafür werden im Vortrag die Programme VIA7-11 und VIA Family, COMPARE und Village vorgestellt, die genau an diesen Faktoren ansetzen.

Für die Praxis ist zudem eine Vernetzung der verschiedenen Versorgungsebenen zu fordern. Verschiedene Berufsgruppen sind mit dem Thema konfrontiert, so dass die Beteiligung der entsprechenden übergeordneten Stellen und auch Ministerien notwendig ist. Auf Bundesebene ist ein bedarfsgerechter Ausbau stationärer und teilstationärer Eltern-Kind-Behandlungsplätze erforderlich, wie auch ein bedarfsgerechter Ausbau ambulanter multimodaler Hilfen. Dafür müssen flexible Modelle entwickelt werden, die nicht nur ein „rooming-in“ ermöglichen, sondern stationär-ambulante Mischmodelle, die die Störung der Interaktion auf Eltern- und Kindebene in den Fokus nehmen, wie auch effektive Prävention ermöglichen und nicht nur Leistungen für Kinder mit bereits bestehenden Erkrankungen vorsehen.


Referentin:David Ebert
Datum:Samstag, 06.03.2021
Zeit:13:30 - 14:30 Uhr

Abstract wird nachgereicht


Referentin:Daniela Mier
Datum:Samstag, 06.03.2021
Zeit:17:00 - 18:00 Uhr

Seit den 90er Jahren steigt die Anzahl der Studien, die Defizite der sozialen Kognition bei Schizophrenie nachweisen und mit Einschränkungen des sozialen Funktionsniveaus in Zusammenhang bringen. Ein Aspekt dieser sozial-kognitiven Defizite mit zentraler Bedeutung für die Entstehung psychotischer Symptome, ist die Tendenz der Patienten neutralen Gesichtsausdrücken eine negative Bedeutung zuzuschreiben. Funktionelle Bildgebungsstudien unterstützen diesen Befund nicht nur, indem sie die neuronalen Korrelate des negativen Bias aufweisen, sondern helfen die Mechanismen zu verstehen und unsere Modelle zur Ätiologie der Schizophrenie zu erweitern.

Im ersten Teil meines Vortrags werde ich die aktuelle Studienlage zur sozialen Kognition mit Fokus auf den negativen Bias bei Schizophrenie skizzieren und darstellen, warum insbesondere funktionelle Bildgebungsstudien zentral für unser Verständnis der sozialen Wahrnehmung bei Schizophrenie sind. Im zweiten Teil gehe ich der Frage nach, wie die Erkenntnisse aus der funktionellen Bildgebung für die Psychotherapie genutzt werden können, um sowohl spezifische Interventionen zu entwickeln, als auch um die therapeutische Beziehung zu Patienten mit Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis wirkungsvoller zu gestalten.