Positive Psychologie und Psychotherapie

DATUM: Sonntag, 04. März 2018
ZEIT: 10:30 – 12:30 Uhr
RAUM: HS 1b
PLANUNG UND MODERATION: Anton-Rupert Laireiter (Wien/Österreich), Ulrike Willutzki (Witten)

Download Referat Linda Maria Furchtlehner, Anton-Rupert Laireiter (PDF)

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Die Positive Psychologie hat seit Ende der 1990er Jahre einen breiten Aufschwung in vielen Bereichen der Psychologie genommen, u. a. auch in der klinischen Psychologie. Diese Entwicklung nimmt jetzt auch in den deutschsprachigen Ländern vermehrt Fahrt auf. Es gibt erste Programme zur Behandlung psychischer Störungen mittels Methoden der Positiven Psychologie und es werden aktuell auch diverse Studien dazu durchgeführt. In dem Symposium werden derartige Ansätze in den verschiedenen Bereichen der Klinischen Psychologie und Psychotherapie vorgestellt und Ergebnisse zu deren Wirksamkeit berichtet und diskutiert. Inhalte sind u. a. das Therapiekonzept der „Positiven Psychologie“ von Seligman und Rashid und eine randomisierte kontrollierte Studie zum Vergleich mit der Kognitiven Verhaltenstherapie, Humorinterventionen und Trainings bei verschiedenen Gruppen von Menschen mit psychischen Störungen,
ressourcenorientierte Gruppenbehandlungen, Ressourcenaktivierung in der Therapie etc.

REFERATE:

Linda Maria Furchtlehner (Linz/Österreich), Anton-Rupert Laireiter (Wien/Österreich)

Die Wirksamkeit der Positiven Psychotherapie nach Rashid im Vergleich zur Kognitiven Verhaltenstherapie. Eine randomisierte kontrollierte Studie

Die Positive Psychotherapie (PPT) basiert auf der Annahme, dass emotionale Störungen, wie die Depression, auch durch die Entwicklung von Positivität (positive Emotionen, Charakterstärken, Ressourcen, positiven Beziehungen etc.) behandelt werden können. 92 PatientInnen mit einer diagnostizierten depressiven Störung (DSM-IV-TR) wurden per Zufall einer manualisierten PPT- oder einer
KVT-Gruppen-Behandlung mit jeweils 14 Sitzungen zugeteilt. Die Ergebnisse wurden auf Basis einer Completer- (CP) und einer Intention-to-treat (ITT)-Analyse ausgewertet. Im Vergleich zur KVT zeigte die PPT-Gruppe konsistent hohe bis sehr hohe Effektstärken und übertraf diese in allen Bereichen statistisch signifikant. Die ITT-Analyse resultierte in niedrigeren Effektstärken, erbrachte aber keine grundsätzlich anderen Ergebnisse. Erst im Follow-up holte die KVT auf. Die PPT erwies sich somit als wirkungsvolles und vielversprechendes Verfahren zur Behandlung der Depression.

Nektaria Tagalidou (Salzburg/Österreich), Anton-Rupert Laireiter (Wien/Österreich)

Humortrainings für subklinische und klinische Beschwerden

Es wird präsentiert, inwieweit Humortrainings für verschiedene Beschwerdebereiche einsetzbar sind (subklinisch und klinisch). Die erste Studie (subklinische Stichprobe ohne Kontrollgruppe) zeigt durchwegs mittlere bis starke Effekte des Trainings auf fast allen Outcomes. Die zweite Studie (klinische Stichprobe - RCT-Design) zeigt ebenfalls positive Effekte des Trainings, allerdings nur in der Wartelisten-Kontrollgruppe (die das Training zeitverzögert erhalten hat). Die Experimentalgruppe weist deutlich kleinere Effekte auf. Mögliche Erklärungen für diese Ergebnisse werden diskutiert und eine abschließende Zusammenfassung
über Humortrainings in der klinischen Psychologie dargestellt.

Nils F. Töpfer, Garbiele Wilz (Jena)

Ressourcenaktivierung und -realisierung bei pflegenden Angehörigen von Menschen mit Demenz

Pfl egende Angehörige von Menschen mit Demenz sind mit äußerst belastenden Anforderungen konfrontiert. Häufig mangelt es ihnen an Selbstfürsorge, ausgleichenden Aktivitäten und Unterstützung. Die manualisierte telefonische Therapie für Angehörige von Demenzerkrankten „Tele.TAnDem“, die zwölf 50-minütige Sitzungen umfasst, verfolgt das Ziel, Ressourcen für Stressbewältigung, Wohlbefinden und soziale Unterstützung zu (re-)aktivieren. In einer randomisiert kontrollierten Studie zeigte sich in der Interventionsgruppe (n=139) zum Postzeitpunkt eine signifikant höhere Realisierung von Ressourcen für Wohlbefinden und Stressbewältigung im Vergleich zur unbehandelten Kontrollgruppe (n=134). Die Verbesserung der Realisierung von Ressourcen für Wohlbefinden mediierte signifikant den Effekt der Intervention auf die psychische Lebensqualität. Die Ergebnisse bestätigen die Bedeutung von Ressourcenaktivierung als zentralen Wirkfaktor in der Behandlung von pflegenden Angehörigen von Menschen mit Demenz.

Anne Troesken, Babette Renneberg (Berlin)

Ressourcenorientierte KVT- Gruppentherapie: eine sinnvolle Ergänzung der ambulanten Einzeltherapie?

Hinweise für differentielle Indikationskriterien zu spezifischen psychotherapeutischen Verfahren sind kaum für die Behandlung chronisch-depressiver Patienten erforscht. Als insbesondere hilfreich könnten sich explizit ressourcenorientierte Strategien erweisen. Es wird ein Konzept für eine ambulante Gruppentherapie als Add-on für die kognitiv-verhaltenstherapeutische Einzeltherapie vorgestellt. In 12 Einheiten werden mit Unterstützung aktiver und kreativer Methoden Ressourcen aktiviert und Fertigkeiten zur besseren Bedürfnisbefriedigung vermittelt. Die konkreten ressourcenorientierten Interventionen adressieren die spezifischen Anforderungen chronifizierter Depressionen. Erste Ergebnisse einer Pilotstudie verweisen auf mittlere Effektstärken in der Reduktion depressiver Symptome sowie auf einen möglichen Boostereffekt für die verhaltenstherapeutische Einzeltherapie. Eine deutliche Heterogenität in der individuellen Ansprechbarkeit der PatientInnen auf das Programm wurde beobachtet und wird diskutiert.

Philipp Victor, Ulrike Willutzki (Witten), Jan Schürmann

Resilienz- oder problemorientierte Beratung für Studierende? Eine randomisierte kontrollierte Studie

Immer mehr Studierende suchen psychologische Beratung bezüglich psychischer Erkrankung oder vermehrter Stressbelastung auf. Während viele Interventionen auf die Bearbeitung von Problemen fokussieren, bietet das persönliche Resilienzmodell (PRM) nach Padesky und Mooney eine Möglichkeit, bereits vorhandene Stärken zur Bewältigung von Hindernissen zu nutzen. In einer randomisierten kontrollierten Studie mit n=57 Studierenden wurde eine problemorientierte kognitive Intervention (ABC nach Ellis) mit der positiv-psychologischen Resilienz-Intervention (PRM) in jeweils 3 Sitzungen verglichen. Bei beiden Interventionen zeigten sich signifikante Verbesserungen in Psychopathologie, Inkongruenz und Depressivität sowie Trends in Selbstwert und Resilienz im Vergleich zu einer Wartekontrollgruppe. Zwischen ABC und PRM gab es keine signifikanten Unterschiede, sodass beide Interventionen ähnlich wirksam scheinen. Damit bietet das PRM eine ökonomische und ressourcenorientierte Alternative zu problemorientierter Studienberatung.