Ausbildung in Verhaltenstherapie – next generation

DATUM: Samstag, 03. März 2018
ZEIT: 10:30 – 12:30 Uhr
RAUM: L 115
PLANUNG UND MODERATION: Anton-Rupert Laireiter (Wien/Österreich)

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Download Referat Karina Würth, Anton-Rupert Laireiter (PDF)

Download Referat Dirk Zimmermann, Wolfgang Lutz, Viola Müller, Julian A. Rubel, Anne-Katharina Deisenhofer (PDF)

Die Ausbildung in Verhaltenstherapie wird durch die geplante Gesetzgebung wiederum neu aufgesetzt und reformiert werden. Innerhalb dieses Rahmens wird die Ausbildung jedoch weiterhin durch fachspezifische und VT-interne Überlegungen bestimmt sein, z. B. hinsichtlich Inhalte, Methodik, Struktur etc. In dem Symposium sollen Beiträge zusammengefasst und diskutiert werden, die sich mit der Frage einer inhaltlichen Weiterentwicklung der Ausbildung in Verhaltenstherapie beschäftigen. So sind z. B. Beiträge erwünscht, die neue methodische Ansätze, neue Inhalte und Themen, neue Konzepte von Selbsterfahrung, Supervision etc. vorstellen, entwickelt haben oder bereits erprobt und erste Erfahrungen damit gesammelt haben. Es sind auch Studien zur Evaluation bisheriger Ausbildungen/Ausbildungselemente willkommen, aus denen Schlüsse für mögliche zukünftige Ausbildungen abgeleitet werden können.

REFERATE:

Anton-Rupert Laireiter (Wien/Österreich)

Aktuelle Ergebnisse der Psychotherapieforschung: Konsequenzen für die Ausbildung

Die Psychotherapieforschung hat in den letzten Jahren sehr deutlich gezeigt, dass das Schulenkonzept der Psychotherapie keine für die Wirksamkeit von Psychotherapie sinnvolle Größe darstellt, wie überhaupt auch angewandte schulenspezifische Methoden in der Behandlung von Patienten mit psychischen  Störungen nur einen eher geringen Anteil an der Ergebnisvarianz erbringen. Hingegen zeigte sich, dass die so genannten „common factors“, aber auch Patienten-, Therapeuten- und Beziehungsfaktoren am Zustandekommen des Therapieerfolgs sehr viel wesentlicher beteiligt sind. Die Ausbildungsforschung hat gezeigt, dass Selbsterfahrung, persönliche Therapie und Supervision die Effektivität von Therapeuten ebenfalls nur begrenzt zu fördern imstande sind. In dem Vortrag wird auf diese Ergebnisse eingegangen und es werden Überlegungen zu einer möglichen Weiterentwicklung der Ausbildung in  Psychotherapie/Verhaltenstherapie angestellt. Dabei wird auch die Gestaltung von Ausbildungselementen fokussiert.

Karina Würth (Salzburg/Österreich), Anton-Rupert Laireiter (Wien/Österreich)

Die Entwicklung psychotherapeutischer Kompetenzen in der Ausbildung in Verhaltenstherapie

Die bisherige Psychotherapie-Ausbildungsforschung hat sich primär mit den Effekten verschiedener Ausbildungselemente auf die Entwicklung und die Effekte von Psychotherapeuten in Ausbildung beschäftigt. Wenig bis gar nicht wurde untersucht, ob und in welchem Ausmaß Ausbildung in Psychotherapie zur Entwicklung psychotherapeutischer Kompetenzen beiträgt. Die bisherige Ausbildungsforschung konnte nämlich zeigen, dass psychotherapeutische Kompetenzen in einem mittleren Ausmaß mit dem Erfolg von Psychotherapie assoziiert sind. Entsprechend läge es nahe zu untersuchen, wie Ausbildung zur Entwicklung solcher beiträgt und auf diese Weise indirekt zur Verbesserung therapeutischer Wirksamkeit beiträgt. Der Beitrag stellt eine längsschnittliche Studie vor, die zur Entwicklung psychotherapeutischer Kompetenzen konzipiert und entwickelt wurde. Präsentiert werden das Konzept und das Design und Ergebnisse der ersten Welle dieser Studie zu Beginn der Ausbildung. Gegenwärtig laufen die Erhebungen zu weiteren Wellen. Die Bedeutung derartiger Studien für die
Evaluation von Ausbildungen wird abschließend diskutiert.

Franziska Kühne, Florian Weck, Jana Maas, Sophia Wiesenthal (Potsdam)

Klinische Supervision und Evidenzbasierung – ein Spannungsfeld?: Ergebnisse einer systematischen Übersichtsarbeit

Supervision wird in der Psychotherapieausbildung und der klinischen Tätigkeit eine zentrale Rolle zum Erwerb und zur Reflexion psychotherapeutischer Fertigkeiten, zum Schutz von Patienten und zur Qualitätssicherung zugeschrieben. Aktuell ist es eine Herausforderung, aus der Vielzahl von Publikationen zu klinischer Supervision diejenigen herauszufiltern, die empirisch fundierte Aussagen zulassen. Daher stellt der Vortrag die Ergebnisse eines systematischen Reviews über international publizierte Studien zu klinischer Supervision in den Mittelpunkt. Die Übersichtsarbeit wurde gemäß eines im International Prospective Register of Systematic Reviews (PROSPERO, CRD42017072606) registrierten Protokolls, das u. a. die Suchstrategie, die Ein- und Ausschlusskriterien sowie Datenextraktion und -bewertung beschreibt, durchgeführt. Im Rahmen des Vortrags werden die Ergebnisse zu zentralen Supervisionsaspekten (wie therapeutischer Ausrichtung, Setting oder Frequenz) und den Effekten klinischer Supervision beleuchtet und anschaulich präsentiert.

Dirk Zimmermann, Wolfgang Lutz, Viola Müller, Julian A. Rubel, Anne-Katharina Deisenhofer (Trier)

Nutzung von psychometrischem Feedback in Ausbildung und Supervision

Die Zahl der Patienten, die nicht auf eine Psychotherapie ansprechen oder sich sogar verschlechtern, wird auf etwa ein Drittel geschätzt. Da Therapeuten negative Entwicklungen schlechter entdecken, brauchen sie Unterstützung in Form kontinuierlicher Rückmeldungen. Wenig ist bisher bekannt, wie Therapeuten dieses Feedback nutzen. In der Studie wurden 72 Psychotherapeuten in Ausbildung für 648 ihrer Patienten nach der Therapie dazu befragt. Therapeuten verwendeten für einen Großteil ihrer Patienten das Feedback. In etwa einem Drittel der Fälle gab es den Therapeuten den Anstoß Supervision zu beanspruchen. Für über die Hälfte der Patienten wurde das Feedback genutzt um therapeutische Interventionen anzupassen. Ob und in welcher Form es genutzt wurde, hing jedoch stark von dem Therapeuten ab. Je nach Verwendungsart konntenTherapeutenunterschiede zwischen 27% und 52% der Feedbacknutzung erklären. Möglichkeiten einer breiteren Disseminierung und Nutzung im Rahmen der Supervision werden diskutiert und vorgestellt.