Psycho-Somatik – Sind wir bereit für Veränderungen?

DATUM: Donnerstag, 01. März 2018
ZEIT: 14:00 – 16:00 Uhr
RAUM: HS 2
PLANUNG UND MODERATION: Thorsten Kreikenbohm (Siegen), Ellen Schenk zu Schweinsberg (Jena)

Download Referat Urs Münch (PDF)

Download Referat Romina Gawlytta, Jenny Rosendahl (PDF)

Download Referat Sarah Weber (PDF)

Im diesjährigen Symposium möchten wir erneut gemeinsam mit ReferentInnen aus verschiedenen klinisch-psychologischen Tätigkeitsbereichen Einblicke in den breiten Versorgungsbereich der Arbeit mit körperlich erkrankten Patienten ermöglichen.
Der umfangreiche klinisch-psychologische Wissenszuwachs in den unterschiedlichen Sektoren des Gesundheitswesens sowie die zunehmenden (Qualitäts-) Anforderungen sind Realitäten, an denen sich praktisch Tätige stetig orientieren und anpassen müssen.
Die Versorgungsbereiche Palliativpsychologie, Spezielle Schmerzpsychotherapie, Folgen intensivmedizinischer Behandlung und der Bereich Psychodiabetologie sowie deren spezifische Inhalte werden vorgestellt und aktuelle Entwicklungen und zukünftige Anforderungen erläutert.

REFERATE:

Andrea Benecke (Mainz)

Psychotherapie bei Diabetes

Bei der Therapie des Diabetes Mellitus kommt dem Patienten die entscheidende Rolle zu, da dieser die wesentlichen Therapiemaßnahmen des Diabetes in seinem persönlichen Alltag dauerhaft und eigenverantwortlich umsetzen muss. Die Prognose der somatischen Erkrankung Diabetes mellitus und die Prävention von gravierenden Folgeerkrankungen und -schäden (Amputationen, Erblindung, Dialyse) hängen daher zu einem großen Teil davon ab, inwieweit der Betroffene in seinem sozialen, kulturellen, familiären und beruflichen Umfeld lernt diese Therapienotwendigkeiten tagtäglich umzusetzen. Für die Therapie und die langfristige Prognose des Diabetes mellitus sind somatische und psychosoziale Faktoren gleichermaßen von großer Wichtigkeit. Die aktuelle Leitlinie „Psychosoziales und Diabetes“ zeigt, dass die psychische Komorbidität bei Diabetikern deutlich erhöht ist (z. B. affektive Störungen, Angststörungen oder Essstörungen), bzw. dass das Diabetes-Selbstmanagement durch psychische Beeinträchtigungen (z. B. subklinische Essstörungen) deutlich eingeschränkt sein kann. Anhand ausgewählter Fallvignetten werden die Behandlung einer Depression und einer Essstörung bei einem Diabetespatienten dargestellt. Der Fall einer mit der somatischen Grunderkrankung assoziierten psychischen Störung einer Unterzuckerungsangst wird dargestellt.
In der psychotherapeutischen Behandlung müssen die somato-psychischen Wechselwirkungen somit als zentraler Faktor mit bedacht und behandelt werden. Anhand der Fallvignetten soll verdeutlicht werden wann es einer Behandlung durch einen Psychologischen Psychotherapeuten mit spezifischer  Weiterbildung bedarf und wann nicht.

Urs Münch (Berlin)

Braucht es kurz vor dem Sterben Psychologen?

Psychologisches Arbeiten in der Palliativversorgung gestaltet sich vielschichtig. Neben der Arbeit mit Patienten und den Nahestehenden ist auch die Arbeit im Team und mit dem Team ein wesentlicher Bestandteil der Aufgabe. Herausforderungen für die psychologische Arbeit stellen die immer wiederkehrende Konfrontation mit existenziellen Fragestellungen dar, der ständige Umgang mit Tod, Sterben, Leid und Trauer, sowie die Ungewissheit, wieviel Zeit und Möglichkeiten vorhanden sind, um insbesondere Patienten psychologisch zu unterstützen. Psychologen sind dabei sehr selten in der Rolle eines klassischen Psychotherapeuten, obschon sie immer wieder psychotherapeutische Interventionen einsetzen. Das Referat beleuchtet die Besonderheiten der Arbeit in der Palliativversorgung, geht dabei darauf ein, welche Qualifikationen/welches Wissen wichtig ist, was für Aufgaben und Ziele möglich sind und wie das Rollenverständnis für Psychologen in diesem Bereich ist. Darüber hinaus werden zentrale inhaltliche Konzepte wie u. a. Krankheitsverarbeitung, Lebenssinn, Würde und Sexualität erläutert und ihre Bedeutung anhand praktischer Beispiele verdeutlicht. Die aktuellen Rahmenbedingungen  palliativpsychologischen Arbeitens werden ebenfalls Raum bekommen.

Romina Gawlytta, Jenny Rosendahl (Jena)

Posttraumatische Belastungsstörung als Folge intensivmedizinischer Behandlung: Häufigkeit, Risikofaktoren, Behandlungsansätze

Dieser Beitrag gibt einen Überblick über aktuelle Forschungsergebnisse zu Häufigkeit, Risikofaktoren und Behandlungsansätzen der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) infolge schwerwiegender körperlicher Erkrankungen, die eine intensivmedizinische Behandlung erfordern. Die PTBS gilt als eine häufige Folge einer intensivmedizinischen Behandlung, etwa jeder fünfte Patient bildet im ersten Jahr nach Entlassung von der Intensivstation (ITS) Symptome einer PTBS aus. Die PTBS-Symptomatik eines Patienten geht dabei oft mit einer entsprechenden Belastung des Lebenspartners einher. Zu den Risikofaktoren zählen u. a. das Vorhandensein komorbider Störungen, die Gabe von Benzodiazepinen während des ITS-Aufenthaltes sowie Erinnerungen an erschreckende bzw. beängstigende Erfahrungen auf der Intensivstation.
Zur Therapie der PTBS nach intensivmedizinischer Behandlung existieren bislang nur wenige spezifische Behandlungsansätze. Die Wirksamkeit des Intensivtagebuches wurde bereits in einigen Studien untersucht, konnte allerdings nicht eindeutig belegt werden.
Die internetbasierte Schreibtherapie stellt einen weiteren, innovativen Behandlungsansatz dar.
Im Rahmen einer aktuellen Studie (www.zweileben.net) wird bei dieser Form der kognitiven Verhaltenstherapie auch der Partner in die Therapie einbezogen.

Sarah Weber (Berlin)

Schmerz – ohne Ende?

Wie kann eine Versorgung von PatientInnen mit chronischen Schmerzen im ambulanten psychotherapeutischen Setting gelingen? Schätzungsweise 3-4 Millionen Menschen in Deutschland leiden an chronischen Schmerzen mit funktionalen, sozialen oder seelischen Einschränkungen. Plätze in geeigneten multimodalen oder interdisziplinären ambulanten Strukturen gibt es aktuell nur für ca. 10% der Betroffenen. Niedergelassene PsychotherapeutInnen empfinden die Behandlung von Schmerzpatienten oft als wenig Erfolg verheißend, anstrengend und kräftezehrend. Am Beispiel des MVZ Schmerztherapie des Vivantes Klinikums im Friedrichshain sollen die Rahmenbedingungen der ambulanten
interdisziplinären Arbeit dargestellt werden, die für eine erfolgreiche Behandlung der oft komplexen Krankheitsbilder nötig sind. Dabei greifen im Idealfall (schmerz-)medizinische,  (schmerz-)psychotherapeutische, physiotherapeutische und ggf. pfl egerisch-algesiologische, sozio- & ergotherapeutische Interventionen ineinander. Welche Möglichkeiten ambulante PsychotherapeutInnen haben, um diese Elemente in ihre Arbeit einzubringen, soll erörtert und anschließend diskutiert werden.