Poster-Session

DATUM:;Freitag, 26.02.2016
ZEIT:;13:00 – 14:30 Uhr
RAUM:;Foyer 1. OG
MODERATION:;Saskia Scholten, Philipp Victor

Die PosterautorInnen stehen in dieser Zeit für Fragen und Diskussionen zur Verfügung. Es werden zwei Poster-Preise verliehen: Die KongressteilnehmerInnen können das ihrer Meinung nach beste Poster zur Prämierung vorschlagen, daneben wählt die Inhaltliche Kongressplanungsgruppe ein Poster aus. Stimmzettel für die Poster-Prämierung erhalten Sie mit Ihren Kongressunterlagen vor Ort im Kongressbüro. Bitte werfen Sie diesen – spätestens während der Präsentation – in die dafür vorgesehene Box.

Die Poster sind während des gesamten Kongresses ausgehängt. Die jeweiligen ReferentInnen können allerdings nur am Freitag, 26. Februar 2016 von 13:00 – 14:30 Uhr im Rahmen der Poster-Session zu den Postern befragt werden.

Jannika De Rubeis, Fabrizio De Rubeis (Münster)

PO 01 - Understanding crises: Psychological Inflexibility – a transdiagnostic process?

Personal crises often form the starting point of psychological disorders. Identifying transdiagnostic models has received growing attention in clinical psychology. Motivated by Levin and colleagues’ (2014), we investigated psychological inflexibility (PI) as a transdiagnostic process relevant to depressive, anxiety and eating disorders with and without comorbid personality disorders (PD) in psychiatric inpatients. This preliminary sample consists of 287 inpatients (70,7% female, mean age: 36, SD: 13.7). All patients completed self-report measures of general distress, PI and structured diagnostic interviews. PI was significantly higher in patients with PD compared to depression and anxiety disorders. There was no difference in PI between eating disorders and PD. These results remain even after controlling for global symptom severity. Data were analyzed for each diagnostic subgroup separately, with and without comorbid PD. The results are discussed in terms of the merit of understanding psychological inflexibility as a transdiagnostic process and its impact in understanding personal crises.

Florian Dobmeier (Erlangen)

PO 02 - Im Psychotherapieprozess versuchen zu zeigen, was sich nicht zeigen lässt: Methodologische Bemerkungen zur Abduktion aus logischer und kognitiver Sicht

Psychotherapeut/inn/en haben in ihrer fallartigen Arbeitsweise mit der Sinnerschließung fremder konstruierter Lebenswelten zu tun. Es ist jedoch – sowohl für sie als auch ihre Klient/inn/en – alles andere als einfach, jenen Sinn subjektiv so zu erschließen, dass gleichzeitig auch klar wird, was eigentlich der Fall ist. An dieser erkenntnistheoretisch neuralgischen Stelle setzt der vorliegende Beitrag an. Es soll gezeigt werden, welche methodologischen Schritte notwendig sind, um zu einer Lösung gelangen zu können. Gleichzeitig wird aber auch klar werden, dass die hierfür erforderlichen Schritte zum Teil jenseits der Grenzen des Planbaren liegen. Aufbauend auf den Arbeiten von J. Reichertz zum Abduktionsbegriff C. S. Peirce‘, erweitert der Beitrag diese um logische und kognitive Überlegungen. Die Schlussformen der Deduktion, (qualitativen und quantitativen) Induktion und Abduktion werden schematisch prägnant aufgearbeitet und jeweils an konkreten Beispielen und typischen Fehlern veranschaulicht. Abschließend werden noch Implikationen für die Arbeitsbedingungen von Psychotherapeut/inn/en diskutiert.

Sibylle Friedrich (Quickborn)

PO 03 - Sekundäre Traumatisierung bei Lehrkräften und SchulsozialpädagogInnen in der Betreuung von Flüchtlingskindern

Sekundäre Traumatisierung meint die Traumatisierung allein durch die Berichte über traumatische Erlebnisse. Überall dort, wo professionelle HelferInnen es mit der Betreuung von traumatisierten Menschen zu tun haben, sind sie in Gefahr, selber Schaden zu nehmen und die gleiche Symptomatik zu entwickeln wie bei einer Posttraumatischen Belastungsstörung. Eine aktuelle Studie befragt zur Zeit Lehrkräfte und SchulsozialpädagogInnen aus Schleswig-Holstein (N = ca. 150), die in den sogenannten DAZ-Klassen (Deutsch als Zweitsprache) mit Flüchtlingskindern arbeiten, mit dem Fragebogen zur Sekundären Traumatisierung (FST; Daniels 2006). Hier sollen nun die Ergebnisse, insbesondere zur Prävalenz, vorgestellt und um die bisherigen Erkenntnisse zur Symptomatik, Ätiologie und Prävention der Sekundären Traumatisierung ergänzt werden.

Christine Hofheinz (Hildesheim)

PO 04 - Mediatoren des Therapieerfolges – Ein Vergleich von kognitiver Therapie und achtsamkeitsbasierter kognitiver Therapie

Zur Behandlung von Depressionen wurden verschiedene psychotherapeutische Ansätze entwickelt, die ihre Wirksamkeit in zahlreichen randomisiert kontrollierten Studien nachweisen konnten. Die Frage, wie genau diese psychotherapeutischen Verfahren wirken, konnte hingegen bislang nur teilweise beantwortet werden. In der vorliegenden Studie werden zwei gut etablierte Therapieverfahren – die kognitive Therapie und die achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie – hinsichtlich der Mediatoren, die den Therapieerfolg vermitteln, verglichen. Dazu wurden Probanden, die unter einer depressiven Episode litten, einer der beiden Behandlungsgruppen zugewiesen und bekamen eine entsprechende Kurzintervention. Begleitend wurden mögliche Mediatoren des Therapieerfolgs mittels eines multimethodalen Zugangs (Fragebögen, Experience-Sampling, Messung von Annäherungs- und Vermeidungstendenzen) erfasst. Das Poster stellt erste Ergebnisse bezüglich der Mediatoren vor und diskutiert Implikationen für das theoretische Verständnis der jeweiligen Therapieformen.

Heiko Hölzel, Ursula Thielen (Bitburg)

PO 05 - Einstellungen von approbierten Psychotherapeuten und Psychotherapeuten in Ausbildung zur anstehenden Ausbildungsreform

Mittels einer Onlineumfrage wurden approbierte Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten sowie Psychologische Psychotherapeuten in Ausbildung und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten in Ausbildung zu ihren Einstellungen bezüglich der anstehenden Ausbildungsreform hin zu einer Direktausbildung befragt. Dabei wurde sowohl die Informiertheit der Befragten über die anstehende Reform erfasst, als auch die von ihnen erwarteten Vor- und Nachteile.

Benedikt Kuhlmann, Jürgen Margraf (Bochum)

PO 06 - Soziale Kompetenzen und paranoides Denken

Es ist bereits bekannt, dass viele psychische Störungen (wie z. B. die Schizophrenie) mit Defiziten bei der visuellen emotionalen Gesichtswahrnehmung, welches ein wichtiges Maß kognitiver Aspekte sozialer Kompetenzen darstellt, einhergehen. Weniger untersucht ist jedoch, ob auch subklinische psychische Symptome mit Einbußen in der Leistung bei der Erkennung von Emotionen zusammenhängen.
Die aktuelle Studie hat sich unter Verwendung von zwei verschiedenen Messzeitpunkten somit zum Ziel gesetzt, diesen Zusammenhang in der Normalbevölkerung zu untersuchen. Es hat sich herausgestellt, dass paranoides Denken in der Normalbevölkerung mit Einbußen bei der Emotionserkennung einhergeht und, dass eine Zunahme im Ausmaß des akuten paranoiden Denkens mit einer Abnahme in der Leistung bei der Emotionserkennung zusammenhängt.

Beate Muschalla (Berlin-Dahlem), Doris Fay, Anne Seeman (Potsdam)

PO 07 - Recht einfordern oder selbst aktiv werden? Eine experimentelle Untersuchung zur Akzeptanz von Persönlichkeitsstörungen am Arbeitsplatz bei Wiedereingliederung

Die Akzeptanz psychischer Erkrankungen am Arbeitsplatz durch Kollegen und Vorgesetzte gestaltet sich nach wie vor als schwierig. Insbesondere bei Menschen mit Persönlichkeitsstörungen, die in besonderer Weise mit Interaktionsproblemen auffallen, ist eine berufliche Wiedereingliederung nach Arbeitsunfähigkeit aufgrund vorausgegangener Konflikte am Arbeitsplatz eine Herausforderung. Therapieansätze können auf der Verhaltensebene (z.B. Soziales Kompetenztraining, interaktionelle Gruppentherapie) und/oder der Kontextebene (Arbeitsplatzanpassung entsprechend § 84 SGB 9) versucht werden. Bislang ist empirisch unklar, welche der Strategien auf größere Akzeptanz am Arbeitsplatz stößt und damit im Wiedereingliederungsprozess günstig wirken kann.
In einem experimentellen Design wurden 176 Berufstätigen randomisiert vier verschiedene Fallvignetten einer fiktiven „Problemkollegin“ mit einer zwanghaften Persönlichkeit vorgelegt. Von den berufstätigen Beurteilern wurde ihre Akzeptanz gegenüber der Kollegin erfragt.
Bei den zwei Bedingungen, in denen bei Rückkehr nach einer Arbeitsunfähigkeit eine Verhaltensänderungsbemühung der Kollegin beobachtbar wurde, konnte eine signifikant stärker ausgeprägte Akzeptanz verzeichnet werden als in den zwei Bedingungen ohne Verhaltensänderungsbemühen (in denen ggf. nur Arbeitsplatzanpassung beantragt wurde).
Bei Wiedereingliederung von Menschen mit Interaktionsproblemen sollte vermittelt werden, dass mit Eigeninitiativen Verhaltensänderungsbemühungen bessere Akzeptanz erlangt werden kann.

Helen Niemeyer (Berlin)

PO 08 - Publikationsbias in der Psychotherapieforschung zu Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) – eine Meta-Meta-Analyse

Publikationsbias bezeichnet eine selektive Veröffentlichungspraxis von Studien mit statistisch bedeutsamen Effekten zu Ungunsten von Studien ohne Effekt. Meta-Analysen könnten die Größe des Effektes psychotherapeutischer Behandlungen aufgrund des Publikationsbias überschätzen. Sämtliche Meta-Analysen (1980 bis 09/2015), die die Wirksamkeit psychotherapeutischer Verfahren bei PTBS prüfen und die statistischen Voraussetzungen einer Nachberechnung erfüllen, wurden auf einen Publikationsbias untersucht. Die Anzahl nicht publizierter Studien wurde geschätzt und Bias-bereinigte Effektstärken berechnet. Lediglich 2 % der überprüften Effektstärken sind nicht robust gegen einen Publikationsbias, sodass die Validität der Wirksamkeitsnachweise als gegeben betrachtet werden kann. Kritisch anzumerken sind die unvollständige Angabe der Statistiken in der Mehrzahl der Publikationen sowie eine uneinheitliche Zusammenfassung verschiedener Therapieverfahren zu Verfahrensgruppen. Implikationen der Ergebnisse für Forschung und Praxis werden diskutiert.

Franziska Preis (Göttingen), Ralf Bergner-Köther (Bamberg)

PO 09 - Das State-Trait-Angst-Depressions-Inventar (STADI)

Das State-Trait-Angst-Depressions-Inventar (STADI) ermöglicht im Einzel- und Gruppensetting die Erfassung von Angst und Depression sowohl als Zustand als auch als Eigenschaft. Die zwei Selbstbeurteilungsbögen (je 20 Items) enthalten für Angst die Subskalen Aufgeregtheit und Besorgnis, für Depression die Subskalen Euthymie und Dysthymie. Die interne Konsistenz beträgt für die Skalen State-Angst α = .90 und State-Depression α = .87, für Trait-Angst α = .88 und Trait-Depression α = .89. Beim Globalwert der State-Skalen liegt die interne Konsistenz bei α = .92, beim Globalwert der Trait-Skalen bei α = .93. Die faktorielle Validität wurde mit EFA und CFA nachgewiesen. Mit unterschiedlichen Testverfahren (u.a. STAI, NEO-FFI, PAF, BAI, SCL-90-R) konnten plausible konvergente und diskriminante Zusammenhänge gesichert werden. Auch in klinischen Stichproben ließ sich die Validität des STADI bestätigen. Die Normierungsstichprobe (N = 3150) beinhaltet darüber hinaus geschlechtsspezifische Daten für drei Altersklassen (16-23 Jahre, 24-67 Jahre, 68 Jahre und mehr). Das STADI stellt somit ein reliables und valides Inventar dar.

Franziska Preis (Göttingen), Sefik Tagay (Essen)

PO 10 - Das Essener Trauma-Inventar (ETI) – Abschließende Betrachtung der Validierung und Normierung

Das Essener Trauma-Inventar (ETI) wurde zur Identifikation von traumatischen Ereignissen und Traumafolgestörungen bei Erwachsenen entwickelt und an N = 952 Personen validiert. Die Verfahrensfamilie beinhaltet ein Selbsteinschätzungsfragebogen, ein strukturiertes Interview (jeweils 46 Items) sowie zwei Kurzversionen (18 und 23 Items). Mithilfe dieser können gesicherte Diagnosen für ABR und PTBS gestellt werden. Die innere Konsistenz der Skalen variiert zwischen .82 ≥ α ≤ .87 und beträgt für die Gesamtskalen jeweils α = .95. Hinsichtlich der Änderungssensitivität finden sich große Effektstärken (1.2 - 4.3). Eine sehr gute Konstruktvalidität zeigte sich durch signifikante Korrelationen des ETI mit anderen Traumaskalen (PTSS–10, PDEQ –10) und Maßen der psychischen Befindlichkeit (SCL–90-R, SF–36). Neben Vergleichswerten für 13 klinische und nicht-klinische Normgruppen (z.B. Iranische Migranten, Bundeswehrsoldaten) stehen Übersetzungen in 14 Sprachen zur Verfügung. Das ETI stellt somit ein reliables und valides Instrument zur Identifikation von traumatischen Ereignissen und Traumafolgestörungen bei Erwachsenen dar.

Susana Ruiz Fernández (Tübingen)

PO 11 - Handling with mood regulation: Hand proximity enhances the effect of positive pictures on mood recovery

The regulation of dysphorical mood states plays an important role in the onset and maintenance of depression. Depressed individuals show mood-congruent memory, interpretation and attention biases. Studies show, however, that focusing attention to positive information helps to regulate dysphorical mood. Consequently, methods that help to focus and maintain attention towards positive information could contribute to regulate mood. Recent findings from cognitive psychology show that stimuli presented in hand proximity (near hand) receive more attention than those presented in distal places (far hand). The present study examined participant’s mood recovery after the presentation of positive images near or far from hands. According to our results, participants in the near hand condition showed a better mood recovery than participants in the far hand condition. The implication of these results for the understanding and treatment of mood disorders and for the treatment of patients with language impairments are discussed.

Julia Gebrande (Esslingen), Anna Julia Wittmann (Hildesheim)

PO 12 - Forschungsprojekt KiMsta

Auf den Postern werden die zentralen Fragestellungen und Ergebnisse des Forschungsprojekts „KiMsta“ (Kinder mit Missbrauchserfahrungen stabilisieren) dargestellt, das von 2010 bis 2014 an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) in Hildesheim durchgeführt wurde. Die drei aufeinander aufbauenden Studien gingen zum einen der Frage nach, welche Handlungskompetenzen pädagogische Fachkräfte benötigen, um Kinder mit sexualisierten Gewalterfahrungen hilfreiche bei der Bewältigung des Erlebten zu unterstützen. Zum anderen wurde erfasst, wie sich diese Kompetenzen in der Aus- und Weiterbildung didaktisch am besten vermitteln lassen.

Michaela Imhof, Rita Rosner (Eichstätt)

PO 13 - Arbeit mit Familien mit Migrationshintergrund nach Kindesmisshandlung, Missbrauch und Vernachlässigung - Erfahrungen und Einschätzungen von Case-Managern

Hintergrund: Eine Möglichkeit die Hilfeprozesskoordination für Kinder und Jugendliche nach Missbrauch, Misshandlung und Vernachlässigung zu verbessern, bietet das Konzept des Case Managements. Der dabei eingesetzte Case-Manager soll die Anbindung an eine evidenzbasierte Therapie beschleunigen und erleichtern.

Fragestellung: In einem Teilprojekt der multizentrischen Projektstudie CANMANAGE wird mithilfe von Case-Manager Berichten überprüft, ob sich die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund  in der Case Management Betreuung unterscheidet.

Methode: Die Stichprobe besteht aus 374 Kinder und Jugendlichen, die Missbrauch, Misshandlung und/oder Vernachlässigung erlebten. Bei 223 lag kein Migrationshintergrund, bei 100 ein Migrationshintergrund vor, bei 51 gibt es diesbezüglich keine Angaben. Innerhalb dieser Arbeit wurden mithilfe einer Online-Umfrage alle Case-Manager (z.B. Pädagogen und Sozialarbeiter; N=168) gebeten, Erfahrungen und Einschätzung zur Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu berichten.

Ergebnis: Die Case-Manager berichten Unterschiede und Schwierigkeiten in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Es zeigt sich ein Bedarf an (inter-) kulturellen Weiterbildungen und Arbeitsmaterialien. Außerdem erschweren behördliche Barrieren und ein Mangel an Dolmetschern die psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung dieser Klienten-Gruppe.
 
Diskussion: Aktuell verändert sich der Anteil von Migranten in Deutschland stark. Insbesondere deshalb stellt eine genauere Beschreibung der migrationsbezogenen Schwierigkeiten bei der Vermittlung evidenzbasierter Therapien einen ersten Schritt in der Verbesserung der Versorgung dar.

Jennifer Mumm, Lena Pyrkosch, Jens Plag, Thomas Fydrich, Lydia Fehm, Andreas Ströhle (Berlin)

PO 14 - Herzfrequenz und Herzratenvariabilität von Patienten mit Agoraphobie während in-vivo Expositionen

Theoretischer Hintergrund: In der Studie wurde überprüft, ob sich die Herzfrequenz und die Herzratenvariabilität (HRV) von Patienten mit Agoraphobie im Verlauf von in-vivo Expositionen verändern. Die high frequency HRV (HF HRV) und der RMSSD (Root Mean Square oft the Successive Differences) sind Parameter für das parasympathische Nervensystem. Es wird davon ausgegangen, dass die Herzfrequenz zum Zeitpunkt der Maximalangst größer ist als am Ende der Exposition und die HRV hingegen zunimmt.
Methode: Um dies zu überprüfen erhielten 73 Patienten mit Agoraphobie eine kognitive Verhaltenstherapie mit 3 Expositionen in-vivo. Während der Expositionen wurden die Herzfrequenz, die HRV und Bewegung mit der Pulsuhr RS800CX von Polar aufgezeichnet. Für die Auswertung wurden nur bewegungsfreie 5-Minuten Intervalle verwendet.

Ergebnisse: Bezüglich der Zeitbasierten Auswertungsverfahren zeigt sich im Verlauf der Exposition bei allen drei Durchgängen eine Verringerung der Herzfrequenz (Exposition 1: z=-4.08, p<.01, Effektstärke r=.55, Exposition 2: z=-2.53, p<.05, r=.35, Exposition 3: z=-3.78, p<.01, r=.51) und ein Anstieg der RMSSD HRV (Exposition 1: t(26)=-2.42, p<.05, r=.43, Exposition 2: t(25)=-2.22, p<.05, r=.41 , Exposition 3: z=-2.05, p<.05, r=.27). Die frequenzbasierte Auswertung liefert für die HF HRV nur bei der ersten Exposition einen signifikanten Anstieg (z=-2.40, p<.05, r=.33).
Diskussion: Es zeigt sich, dass die Herzfrequenz im Verlauf einer Exposition signifikant abnimmt und die HRV zunimmt. Dies scheint ein Zeichen dafür sein, dass das parasympathische Nervensystem im Verlauf einer Exposition stärker wird und somit die Adaptationsfähigkeit von Patienten ansteigen könnte.

Kathrin Simshäuser, Stefan Schmidt (Freiburg), Ronja Pohl, Peter Behrens, Claudia Schultz

PO 15 - Achtsamkeitsbasierte Kognitive Therapie (MBCT) zur Migräneprophylaxe - eine randomisierte kontrollierte Studie

In unserer Pilotstudie evaluierten wir die Mindfulness-Based Stress Reduction(MBSR) in einer Stichprobe von 62 MigränepatientInnen mit guten Effekten auf Variablen der Migräneerkrankung und des Wohlbefindens. In unserer aktuellen Studie evaluierten wir eine migränespezifische Adaption der Mindfulness-Based Cognitive Therapy (MBCT) an N = 52 Migränikern in einem randomisierten wait-list- kontrollierten Trial. Erhoben wurden genuine Migräneparameter sowie Variablen der psychischen Befindlichkeit. Ergebnisse: Die migränespezifische MBCT stellte sich als eine gut durchführbare und in Bezug auf die psychische Befindlichkeit wirksame Intervention im Vergleich zur nicht behandelten KG heraus. Jedoch scheint sie im Vergleich zur unspezifischen MBSR keinen Benefit hinsichtlich der prophylaktischen Effekte zu erbringen: Bezüglich der genuinen Migräneparameter konnten keine signifikanten Verbesserungen innerhalb der MBCT-Bedingung festgestellt werden. Mögliche Gründe werden diskutiert auch vor dem Hintergrund einer in der Literatur propagierten Maßschneiderung von Interventionen auf spezifische Krankheitsbilder.

Mareike Pleger, Karolin Treppner (Berlin), A. Die-fenbach, C. Schade, C. Dambacher, T. Fydrich

PO 16 - ACT vs. KVT - Eine Pilotstudie zum Behandlungserfolg und möglichen Prädiktoren im stationären Setting

Hintergrund: Die Akzeptanz- und Commitment Therapie (ACT) findet sowohl in der Praxis als auch in der Forschung immer mehr Verbreitung. Inwiefern ACT mit etablierten Verfahren vergleichbar ist, scheint dabei noch nicht erschöpfend geklärt. In unserer Pilotstudie untersuchten wir die Wirksamkeit sowie mögliche Einflussfaktoren auf den Behandlungserfolg von ACT vs. der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) in Kombination mit der Interpersonellen Psychotherapie (IPT)  bei stationären Patienten in einem naturalistischen Studiendesign. Methode: 67 Patienten nahmen an der ACT bzw. KVT/IPT-Gruppe teil und wurden mit störungs- sowie ACT-spezifischen Fragebögen untersucht.

Ergebnisse: Beide Gruppen verbesserten sich signifikant von Prä zu Post. Zwischen den Gruppen konnten keine signifikanten Unterschiede gefunden werden. Schlussfolgerung: ACT scheint eine vergleichbare Alternative zur KVT in Kombination mit IPT zur sein. Mögliche Einflussfaktoren werden diskutiert.

Olga Siepelmeyer, Wolf Ortiz-Müller, Helene Hille, Jochen Gladow, Marcin Jankowski (Berlin)

PO 17 - Wissenschaftliches Poster - Manual der Täterarbeit mit StalkerInnen

Stalking beschreibt das vorsätzliche und beharrliche Nachstellen und Belästigen einer anderen Person – ein Problemverhalten, das zu gravierenden psychischen Folgen sowohl für Betroffene, als auch für die Täter selbst führen kann. Die Beratungsstelle Stop-Stalking berät sowohl Betroffene von Stalking als auch Menschen, die stalken. Das Poster bietet eine Übersicht über den innovativen Stalking-Täter-Beratungsansatz der Beratungsstelle, welcher auf einem integrativen Konzept basiert. Auf eine Einführung in die Zielgruppe, die allgemeine Zielsetzung, die Treatment-Targets, zugrundeliegende therapeutische Konzepte und das Setting der Beratung folgt eine kurze Beschreibung der 15 einzelnen Beratungsmodule, welche in ihrer Reihenfolge variierbar sind und als Leitfaden der Beratung dienen.

Dietmar Theiss (Kaiserslautern)

PO 18 - The dark side of life: Umgang mit Suizidgefährdeten im Setting der Telefonberatung

Krisen gehören zum Leben – der Tod ebenso, heißt es.
Doch beim Thema Suizid bzw. Suizidgefährdung wird es für Berater in der konkreten Beratungssituation nicht selten eng im Spannungsfeld zwischen gesetzlich festgeschriebener Verpflichtung zur Hilfe (§ 323c StGB) und oft erlebter Hilflosigkeit: Diese Situation macht Angst, initiiert Helfen-Wollen-Impulse, setzt unter Druck, eingreifen zu wollen oder zu müssen….
Statt einer – oft naheliegend oder sogar notwendig erscheinenden - kontrollierenden Krisenintervention kann eine beratende Krisenintervention unerahnte Spielräume eröffnen durch:

  • Beziehung schaffen und Vertrauen aufbauen
  • Einengung erweitern
  • Ressourcenorientierung und Einbeziehung von Hilfesystemen
  • Zeit gewinnen und Entscheidungsmöglichkeiten offen halten
  • Selbstverantwortung stärken

Pia Thiemann (Cambridge/UK), Stephen Barclay, John Benson, James Brimicombe, Diana Wood, Thelma Quince

PO 19 - Death anxiety among medical students - a multicentre study

Exposure to dying and death is assumed to trigger death anxiety (DA) which may affect attitudes and behaviours of those caring for dying patients. This UK multicenter cross-sectional online study examined medical students’ DA. Fifteen UK medical schools (1911 medical students) participated. DA was measured with the revised Collett Lester Fear of Death Scale. Personal confidence in dealing with the distress of others was assessed with the Interpersonal Reactivity Index Personal Distress Scale. DA was moderate among medical students. Final year students’ DA was lower than that of first year students. Women recorded higher levels of DA than men. Negative associations between DA and confidence in dealing with distressing situations suggest DA should be addressed during medical education.