Symposien

Planung und Moderation:Wolf Ortiz-Müller
Datum:Freitag, 05.03.2021
Zeit:10:15 - 12:30 Uhr

Niedrigschwellige psychosoziale und psychotherapeutische Beratung von Täter*innen und Betroffenen von Gewalt bleibt eine Herausforderung, die neue Ideen und mutige Ansätze erfordert. Wie können die hohen Hürden zur Hilfesuche für Ratsuchende gesunken werden? Was brauchen die Täter*innen, um gewaltfrei leben zu lernen? Was hilft den Betroffenen, ihre psychische Belastung zu reduzieren und sich als wirksam in ihrer Abgrenzung zu erleben? Wie befreien sich beide Seiten aus der Kollusion, in der sie sich befinden?

Die beiden 2020 im Land Berlin neu eingerichteten Servicestellen für proaktive Kontaktaufnahme zu den Beschuldigten (Inna Friedland, Ursel Groos) und zu den Opfern von Straftaten (Magdalena Ortner, Eva Schumann) berichten über ihre ersten Arbeitserfahrungen und über die Anfangsschritte in der Entwicklung von Evaluationskonzepten.

Die Beratungsstelle "Stop-Stalking" (Wolf Ortiz-Müller, Olga Siepelmeyer) blickt auf zwölfjährige Erfahrungen zurück und stellt die Evaluationen von Täter*innen- und Opferberatung bei Stalking vor. Die Opferhilfe Hamburg (Kristina Lühr) stellt den Interessierten ihre Überlegungen zur Anwendung schematherapeutischer Methoden (nach J. Young) in der Arbeit mit Betroffenen vor. Das Projekt "Jetzt Mal Anders" (Marcel Kruse, Caritasverband Berlin) erzählt über den innovativen Ansatz für die Beratung von Paaren, die beidseitige situative Gewalt erleben.   


Referate


Nicht unerreichbar, nur unerreicht: Die Zielgruppen Betroffener und Beschuldigter
Inna Friedland, Ursula Groos, Magdalena Ortner, Eva Schumann
Die seit 2012 geltende Opferschutzrichtlinie der EU und sieht vor, „sicherzustellen, dass Opfer von Straftaten angemessene Informationen, angemessene Unterstützung und angemessenen Schutz erhalten“ (Artikel 1). Die im Jahr 2017 von der Bundesrepublik Deutschland ratifizierte Istanbul-Konvention verpflichtet dazu „Programme einzurichten oder zu unterstützen, die darauf abzielen, Täter und Täterinnen häuslicher bzw. sexualisierter Gewalt zu lehren, in zwischenmenschlichen Beziehungen ein gewaltfreies Verhalten anzunehmen“ (Artikel 16).

Dennoch bestehen nach wie vor Lücken in der psychosozialen Versorgung von Betroffenen sowie Täter:innen, die dazu führen, dass viele Menschen keine oder nur sehr verspätet Informationen über vorhandene Hilfsangebote erhalten, sollten diese überhaupt verfügbar sein. Ein großer Anteil von Betroffenen, insbesondere interpersoneller Gewalt, entwickelt in der Folge psychische Erkrankungen. Auch Beschuldigte von Straftaten haben es bereits im Vorlauf oder auch im Nachgang eines Tatvorwurfs meistens mit verschiedensten psychosozialen Belastungen zu tun.

Im Land Berlin wurden im Jahr 2020, um diesen Missständen beizukommen, zwei Projekte ins Leben gerufen: die proaktiv – Servicestelle für Betroffene von Straftaten, sowie die Servicestelle Wegweiser für Beschuldigte von Straftaten. Ziel der Projekte ist es, in Kooperation mit der Polizei Berlin Betroffene und Beschuldigte von Straftaten nach Anzeigeerstellung proaktiv zu kontaktieren und an passende Hilfsangebote zu vermitteln.

Für Betroffene von Straftaten kann durch dieses frühzeitige Unterstützungsangebot psychische Belastung reduziert und das Selbstwirksamkeitsempfinden gestärkt werden. Langfristig kann dadurch auch der Entwicklung von psychischen Erkrankungen vorgebeugt werden.

Die im Land Berlin vorhandenen Hilfsangebote für Beschuldigte von Straftaten erreichten bisher lediglich 10% ihrer Zielgruppe. Die proaktive Kontaktaufnahme soll dabei helfen, die in diesem Bereich besonders hohen Hürden zur Hilfesuche – fehlende Information, Scham, Verleugnungstendenzen – zu überwinden und somit ebenfalls zur langfristigen Stabilisierung der Klientel beitragen.

Der Kongressbeitrag gibt einen Überblick über den aktuellen Stand der Projekte und deren Umsetzung und liefert statistische Daten zu Straftaten, Betroffenen und Beschuldigten.

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Evaluation der Beratungsansätze für Betroffene und Täter*innen bei „Stop-Stalking“, Berlin
Wolf Ortiz-Müller, Bernadette Herbrich
Die Beratungssstelle Stop-Stalking bietet sowohl den Stalking-Täter*innen als auch den Stalking-Betroffenen primär- und sekundärpräventive psychosoziale und psychotherapeutische Beratung an, um der Manifestierung psychischer Störungen vorzubeugen. Es wird in der Beratung eine Synergie der Methoden unterschiedlicher Beratungs- und Therapieschulen angestrebt. In der Arbeit mit den Täter*innen wie auch mit den Betroffenen orientieren sich die Berater*innen an den von ihnen ausgearbeiteten Manualen. Die Wirkung des Beratungsangebots für Betroffene wurde vom April 2016 bis August 2017 evaluiert (T1/T2: N=109/24). Evaluation der Wirkung der Beratung für Täter*innen in Bezug auf Rückfälligkeit wurde 2018 durchgeführt (N=31). Für beide Stichproben erwies die Beratung bei Stop-Stalking positive Wirkung.

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Beidseitige Paargewalt - Mit Leichtigkeit der Schwere begegnen
Marcel Kruse

Wenn es um häusliche Gewalt geht, sind vielmals Männer Täter und Frauen Opfer. Doch nicht alle Paare, die von Gewalt betroffen sind, können sich im Bild von Opfer und Täter wiederfinden. Eine relevante Gruppe von Paaren erlebt beidseitige Gewalt. Wiederkehrende Eskalationen wecken in vielen von ihnen den Wunsch, den Gewaltkreislauf zu beenden. Dieser Vortrag stellt einen bewährten Ansatz vor, Betroffenen den eigenen Weg in ein gewaltfreies Miteinander aufzuzeigen. Das Vorgehen gründet auf den neurowissenschaftlichen Erkenntnissen der PSI-Theorie nach Julius Kuhl und dem rund zehnjährigen Erfahrungsschatz des Angebotes "Jetzt mal anders - Ohne Gewalt".

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Psychotherapeutische und schematherapeutische Ansätze in der Arbeit mit Betroffenen
Kristina Lühr, Wolf Ortiz-Müller
Beziehungsgewalt und Stalking, welches häufig durch Ex-Partner*innen ausgeübt wird, stellen für die Betroffenen eine hohe psychosoziale Belastung und ein Traumatisierungsrisiko dar. Für betroffene Personen, insbesondere bei längerfristiger, komplexer Gewalterfahrung oder Vor-Traumatisierung, ist ein psychotherapeutisches Angebot sinnvoll. Im Vortrag wird eine Auswahl psychotherapeutischer Unterstützungsmöglichkeiten für Betroffene benannt, z.B. zur Symptomreduktion wie auch Stärkung der Ressourcen im Umgang mit der Gefährdungssituation. Ein Schwerpunkt liegt auf den Möglichkeiten der Anwendung schematherapeutischer Aspekte (Schematherapie nach J.Young) in der Beratung und Behandlung von Betroffenen von Stalking.

Planung und Moderation:Michael Borg-Laufs
Datum:Freitag, 05.03.2021
Zeit:14:30 - 16:45 Uhr

in diesem Symposium soll vor dem Hintergrund alltäglicher Nutzung digitaler Angebote durch Jugendliche ein Überblick und Ausblick gegeben werden, welche
digitalen Tools bereits heute in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie
relevant sind und welche weiteren Entwicklungen zu erwarten sind.


Referate


Ergebnisse einer Online-Befragung (angehender) Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen zu psychotherapeutischen Hausaufgaben und deren digitaler Vermittlung

Felix Comouth

Die bisherige Empirie zu psychotherapeutischen Hausaufgaben in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie ist gering. Ergebnisse aus dem Erwachsenenbereich deuten auf eine niedrige Adhärenz zur Durchführung psychotherapeutischer Hausaufgaben hin, sollten jedoch nicht pauschal auf den Bereich der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie übertragen werden. Im Rahmen einer größeren Befragung der Hochschule Niederrhein wurden Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen zum Status quo psychotherapeutischer Hausaufgaben in der therapeutischen Praxis befragt und deren Einstellung gegenüber einer Digitalisierung psychotherapeutischer Hausaufgaben ermittelt. Die Ergebnisse der Befragung werden, eingebettet in weiterführende Überlegungen zur Digitalisierung psychotherapeutischer Hausaufgaben, präsentiert.

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Transformation in der Psychotherapie: Internetbasierte Behandlung bei Kindern und Jugendlichen mit Zwangsstörungen

Karsten Hollmann

Die Nutzung von Apps, Smartphones und dem Internet ist im Alltag von Jugendlichen und vieler Kinder fest verankert. Auch vor der Psychotherapie macht die Digitalisierung nicht halt. Das sogenannte Fernbehandlungsverbot wurde sowohl für Psychotherapeuten als auch Ärzte gelockert, bzw. aufgehoben. Im Rahmen des Vortrags wird ein kurzer Überblick der verschiedenen internetbasierten Behandlungsansätze für Kinder und Jugendliche geben. Anhand eines Modellprojekts zur Therapie bei Zwangsstörungen wird beispielhaft dargestellt, wie die Transformation der face-to-face Therapie in eine digitale Psychotherapie konkret aussehen kann. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen u. a., dass ein solcher Ansatz gut von den Familien angenommen wird und eine therapeutische Beziehung aufgebaut werden kann. Von allen Beteiligten wurde es zudem als besonders hilfreich erlebt, dass regelmäßig therapeutenbegleitete Expositionsübungen im häuslichen Umfeld stattfinden konnten.

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Digitales Leben als selbstverständlicher Teil der KJP

Christina Kurzweil

Jugendliche sind in digitalen Welten zuhause und das auch während der Psychotherapie. Wie kann es uns gelingen, die digitale Welt in den Therapieprozess zu integrieren? Anhand von Beispielen aus der Praxis zeigt die Referentin auf, wie unterschiedliche Medien in der Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen verwendet und mit verhaltenstherapeutischen Variablen verknüpft werden können. Der Vortrag soll dazu anregen, Mediennutzung junger Patient/innen als Ressource zu nutzen.

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Die Videosprechstunde während der Corona-Pandemie: Empirische Befunde zur Umsetzung bei niedergelassenen Psychologischen Psychotherapeut*innen

Michael Spaeth

Mittels eines Fragebogens wurden über 500 niedergelassene Psychologische Psychotherapeut*innen aus den OPK-Ländern (Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern) zur Anwendung der Videosprechstunde seit Oktober 2019 bzw. seit Beginn der Pandemie-Situation befragt. Von Interesse waren Erfahrungen, Umstände und Hindernisse beim praktischen Einsatz der Videosprechstunde insbesondere während der Corona-Pandemie. Dabei wurden vielfältige Informationen sowohl von Nutzer*innen als auch nicht-Nutzer*innen der Videosprechstunde gewonnen, wie z.B. Beweggründe für oder gegen die Verwendung, Nutzungszahlen, Einschätzungen zur Machbarkeit und Wirksamkeit, Indikations- und Kontraindikationsgebiete sowie Einstellungen und Intentionen zur zukünftigen Verwendung. Mit Hilfe der Befragung sollten Möglichkeiten und Grenzen der Videosprechstunde in der derzeitigen Situation näher betrachtet werden. Erste Ergebnisse zeigen, dass die Pandemie bei den meisten Psychologischen Psychotherapeut*innen zu einer stark erhöhten Nutzungsbereitschaft der Videosprechstunde geführt hat, dass darüber hinaus die allgemeine Technik- und Medienaffinität mit der Nutzungsbereitschaft korreliert sowie sehr klare Vorstellungen über die mögliche Wirksamkeit und das Einsatzspektrum der Videosprechstunde existieren, was z.B. behandelbare Störungsbilder betrifft.

Planung und Moderation:Nina Romanczuk-Seiferth;
Ronald Burian
Datum:Samstag, 06.03.2021
Zeit:14:30 - 16:45 Uhr

Die Akzeptanz- und Commitment- Therapie (ACT) zählt zu den modernen evidenzbasierten Verfahren der Verhaltenstherapie. Als ein störungsübergreifendes und prozessorientiertes Psychotherapiekonzept hält die ACT zunehmend Einzug in die Behandlungsangebote von Kliniken und Tageskliniken. Zentral ist in der ACT, dass in der gemeinsamen therapeutischen Arbeit grundlegende Fertigkeiten vermittelt werden, die einer Person ein hohes Maß an psychischer Flexibilität ermöglichen. Psychische Flexibilität ist ein wichtiger Faktor für psychische Gesundheit und menschliches Wohlbefinden und erlaubt es Menschen, sich an unterschiedlichste Situationen anzupassen und ein erfülltes, werteorientiertes Leben für sich und nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten. Das Symposium wird unterschiedliche Beiträge zur Anwendung der ACT in Kliniken und Tageskliniken zusammenführen, aus Perspektive verschiedener Professionen, aus der Forschung und mit Blick auf besondere Zielgruppen.


Referate

 

Einleitung – Die Akzeptanz- und Commitment- Therapie als ein transdiagnostisches, prozessorientiertes Psychotherapiekonzept in Kliniken und Tageskliniken
Ronald Burian/ oder Nina Romanczuk-Seiferth

Wie gut lässt sich ACT als Therapieform auf einer Station, einer Tagesstation oder in einem ambulanten Team implementieren? Wie ist der Stand der aktuellen empirischen Forschung dazu? Welche Vorteile hat es, wenn ein ganzes Team mit ACT arbeitet und wo sind die Knackpunkte und Fußangeln) Unser Einführungsbeitrag gibt einen kurzen Überblick über die aktuelle Literatur und vermittelt eigenen Erfahrungen aus dem Alltag einer Versorgungsklinik.
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Die Wirksamkeit der ACT im stationären multiprofessionellen Setting
Mareike Samaan

Metaanalysen zeigen, dass die Akzeptanz- und Commitment- Therapie (ACT) eine wirksame Behandlung für ein breites Spektrum von psychischen Störungen darstellt. Allerdings haben nur wenige Studien die Wirksamkeit von ACT im naturalistischen stationären Setting und im direkten Vergleich zur etablierten Kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) untersucht. Ziel dieser Studie war es, die Wirksamkeit sowie angenommene Wirkfaktoren von ACT und KVT für Patient*innen in akuten Krisen mit depressiven und gemischten Störungsbildern zu untersuchen.

Es wurden insgesamt 177 Patient*innen auf einer psychiatrischen Station in die Studie eingeschlossen und entweder der ACT- oder der KVT-Gruppenintervention zugewiesen. Alle Patient*innen wurden mit dem SKID-I-Interview und störungsspezifischen Fragebögen sowie mit ACT-spezifischen Fragebögen untersucht. Zur Sicherstellung der Behandlungsintegrität wurden ACT- und KVT-spezifische Adhärenzskalen entwickelt. Alle Gruppentherapien wurden audioaufgezeichnet und durch zwei externe Rater*innen mit Hilfe der Adhärenzskalen bewertet. Im Anschluss wurden die Güterkriterien der Skalen überprüft.

Für beide Adhärenzskalen konnten hohe Interraterübereinstimmungen und interne Konsistenzen festgestellt werden, was für eine ausreichende Güte der Skalen spricht. Sowohl ACT als auch KVT führten zu signifikanten und über sechs Monate hinweg stabilen Symptomverbesserungen sowie zu einem kleinen Effekt in Bezug auf die Steigerung der Lebenszufriedenheit.

ACT und KVT sind nach den Befunden dieser Studie bei der Behandlung von stationären Patient*innen mit depressiven und anderen psychischen Störungen unter Routinebedingungen gleich wirksam. Mit Hilfe der Erfassung der Behandlungsintegrität konnte gezeigt werden, dass auch im naturalistischen Setting eine ausreichende methodische Qualität sichergestellt werden kann.
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Prozess-Outcome Assoziationen einer ACT-basierten multiprofessionellen Behandlung in einer psychiatrischen Tagesklinik
Ludwig Ohse

Die Wirksamkeit der Akzeptanz- und Commitment- Therapie (ACT) bei chronischen Schmerzen ist durch zahlreiche Studien belegt, jedoch ist wenig über die zugrundeliegenden Wirkmechanismen bekannt. Dies gilt insbesondere für Patient*innen mit komplexer psychischer Komorbidität. Im Vortrag werden die Ergebnisse einer naturalistischen Psychotherapiestudie vorgestellt, bei der 109 Patient*innen im Rahmen eines ACT-basierten interdisziplinären Behandlungsprogrammes für chronische Schmerzen und komorbide psychische Störungen in einer psychosomatischen Tagesklinik behandelt wurden. Dabei wurden Veränderungen in ACT-spezifischen Prozessen (Schmerzakzeptanz, Achtsamkeit, Psychische Flexibilität) mit Veränderungen in klinischen Outcomes (Schmerzintensität, somatische Symptome, allgemeine körperliche und psychische Gesundheit, Depression, Angst) assoziiert. Korrelations- und multiple Regressionsanalysen legen nahe, dass es mittlere bis große Zusammenhänge zwischen Veränderungen in ACT-spezifischen Prozessen und Veränderungen in klinischen Outcomes gibt. Die Ergebnisse werden u. a. vor dem Hintergrund der untersuchten Stichprobe (Patient*innen mit chronischen Schmerzen und komplexer psychischer Komorbidität) und des naturalistischen Forschungsdesigns diskutiert.
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Supervisionen von klinischen Teams nach der ACT
Nina Romanczuk-Seiferth

Eine wichtige Haltung in der Arbeit nach der Akzeptanz- und Commitment- Therapie (ACT) ist es, dass wir Menschen uns nicht wesentlich in den Grundprinzipien unseres Denkens, Fühlens und Handelns unterscheiden. Menschen können grundsätzlich an ähnlichen Punkten „steckenbleiben“ – unabhängig davon, ob sie an einer psychischen Erkrankung leiden oder nicht. Die ACT basiert also ganz wesentlich auf einem Prinzip der Therapie auf Augenhöhe (vgl. die so genannte „Kletterfelsen“- Metapher). Dies bedeutet beispielsweise, dass die Therapeutin oder der Therapeut sich selber gezielt in Übungen einbezieht oder eigene Erfahrungen mit auftauchenden Hindernissen teilen kann. Dieses Prinzip erhält in stationären oder teilstationären Behandlungen umso mehr Bedeutung, als dass hier Patientinnen und Patienten und das therapeutische Team einen gewissen Alltag miteinander teilen. Alle Beteiligten folgen also gemeinsam den Grundprinzipien der ACT, z. B. das Streben nach psychischer Flexibilität, um sich möglichst gut an unterschiedlichste Situationen anpassen zu können, oder die Orientierung an persönlichen Werten in der Navigation durch das eigene Leben. Der Vortrag geht auf die Bedeutung fachlicher Supervision für die Entwicklung und Umsetzung einer gemeinsamen Haltung in der Behandlung der Patientinnen und Patienten für klinische Teams ein und zeigt beispielhaft die konkrete Umsetzung von Supervisionen nach kontextuell-behavioralen Prinzipien bzw. im Sinne der ACT auf, wie etwa den Kontakt zu den gemeinsamen Werten und Zielen im Team herzustellen und auch im Handeln spürbar zu machen.

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Achtsamkeitsbasierte Ansätze bei psychotischen Störungen
Kerem Böge

In den letzten Jahren wurde eine wachsende Anzahl von achtsamkeitsbasierten Interventionen, einschließlich der achtsamkeitsbasierten kognitiven Therapie, personenzentrierten Therapie sowie der Akzeptanz- und Commitment- Therapie (ACT) in der Behandlung von Personen mit psychotischen Störungen eingesetzt. Eine Anzahl randomisierter kontrollierter Studien (RCT), die hauptsächlich in englischsprachigen Ländern wie Großbritannien, den USA und Australien durchgeführt wurden, haben die Wirksamkeit von achtsamkeitsbasierten Interventionen in Bezug auf die Positiv- und Negativsymptomatik, depressive und Angstsymptome, sowie auf die Rehospitalisierungsraten und die allgemeine Lebensqualität gezeigt.

Im Gegensatz zu den englischsprechenden Ländern wurden in Deutschland bisher keine empirischen Studien zur Wirkung von achtsamkeitsbasierten Interventionen bei psychotischen Störungen durchgeführt. Der vorliegende Vortrag stellt den Forschungsprozess der letzten zwei Jahre vor, in deren Zusammenhang eine erstmalige achtsamkeitsbasierte Gruppentherapie (MBGT) für stationäre und ambulante Patienten mit psychotischen Störungen in Deutschland entwickelt wurde.

Als Ergebnis wird aktuell ein größer angelegter RCT (SENSE-Studie) durchgeführt: In der SENSE-Studie erhalten stationäre Patient*innen für vier Wochen entweder eine manualisierte vierwöchige achtsamkeitsbasierte Gruppentherapie (MBGT) zusätzlich zum stationären Behandlungsangebot (TAU) (MBGT + TAU) oder das differenzierte multiprofessionale stationäre Behandlungsangebot (TAU). Im Rahmen des Vortrages wird die Implementierung von MBGT in das stationäre Setting skizziert, welches primär durch einen mixed-method Ansatz und partizipativ mit den Patient*innen entwickelt wurde. Weiterhin werden die Pilot-Ergebnisse der RCT hinsichtlich Machbarkeit, Akzeptanz, klinischen Parametern sowie Herausforderungen und Grenzen im Rahmen der universitären psychiatrischen Versorgung dargestellt und im Hinblick auf zukünftige Forschungsfragen und eine Skalierbarkeit diskutiert.

Planung und Moderation:FG Frauen in der psychosozialen Versorgung: Irmgard Vogt, Ute Sonntag, Monika Bormann
Datum:Samstag, 06.03.2021
Zeit:10:15 - 12:30 Uhr

Im englischen Sprachraum wird seit rund 20 Jahren intensiv über die Hintergründe von häuslicher Gewalt (und Gewalt im sozialen Nahraum) diskutiert und geforscht. Mittlerweile liegen unzählige Studien vor, die sich zum einen mit den gesellschaftlichen Machtverhältnissen auseinandersetzen, die häusliche Gewalt begünstigen, und zum andern mit den konkreten Umständen, in denen häusliche Gewalt stattfindet. Die Folgen von Gewalt haben in vielfacher Weise Eingang gefunden in die Prävention, in das Strafrecht, in die Diagnostik und schließlich in die Behandlung psychischer Störungen, insbesondere bei Posttraumatischen Belastungsstörungen von Gewaltopfern. Bislang sind diese Entwicklungen nur partiell in Deutschland aufgegriffen worden. Dieser Block soll dazu beitragen, die Diskussion um häusliche Gewalt und deren Folgen für Opfer und Täter stärker in den Fokus von Psychologie, psychosozialer Beratung und Psychotherapie zu bringen.


Referate

 

Zum Stand der Forschung zu häuslicher Gewalt und Hilfen für Opfer und Täter*innen

Irmgard Vogt

Wie mittlerweile gut belegt ist (z.B. Büttner, 2020), sind die Kontexte, in denen es zu „häuslicher Gewalt“ kommen kann, vielfältig. Agency kann bei Männer aber auch bei Frauen liegen; Betroffene können Menschen aller Altersstufen sein, jedoch sind Kinder und Frauen aller Altersstufen häufiger Opfer von körperlicher und vor allem von sexueller Gewalt als Männer. Eine Vielzahl von Studien belegt heute, dass die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Gewalttätigkeiten in Familien und im sozialen Nahraum kommt, dann erheblich zunimmt, wenn eine Person (oder mehrere Personen) unter dem Einfluss von Alkohol, Anregungsmitteln und anderen psychoaktiven Substanzen steht (z.B. Vogt, 2021). Gewalterfahrungen beeinträchtigen die physische und psychische Gesundheit nachhaltig. Opfer von häuslicher Gewalt brauchen einschlägige ärztliche und psychotherapeutische Hilfen. Ebenso wichtig ist jedoch die Arbeit mit den Tätern und Täterinnen, um Gewaltkreisläufe erfolgreich zu durchbrechen.

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Häusliche Gewalt – die übersehene Ursache von psychischem Leid

Monika Bormann, psych. Psychotherapeutin, Leiterin der Fachberatungsstelle „Neue Wege“ gegen Misshandlung, Vernachlässigung und sexuellen Missbrauch von Kindern

Eines der unverändert wirksamen Tabus, die Gewalt vom Mann gegen die Frau, noch wirksamer von der Frau gegen den Mann. Wie kann das sein in unserer aufgeklärten Zeit, dass Beziehungen über Jahre und Jahrzehnte stabil zusammen bleiben, obwohl es immer wieder zur Gewalt zwischen den Eheleuten kommt? Es gibt Frauenhäuser und das Gewaltschutzgesetz, und doch gehen Frauen immer wieder zu ihren Peinigern zurück. Das ist peinlich. Die Männer wissen, dass es heute nicht mehr als männlich gilt, seine Frau zu schlagen. Die Frauen schämen sich, weil sie nicht gehen oder wieder zurück gehen. Sie wissen, dass von der Frau erwartet wird, die Gewalt durch die Trennung zu beenden. In der deutlich selteneren Form, dass die Frau dem Mann Gewalt antut, ist es für beide noch peinlicher.

Wir funktioniert eine Beziehung unter ständiger Gewaltdrohung und gleichzeitig massiver Scham? Was hält sie aufrecht? Und was verhindert, dass sowohl die beiden Beteiligten als auch die Gesellschaft das Drama ernst nehmen, dass sich unter unseren Augen, häufiger unter unseren Ohren abspielt. Die meisten Morde an der Ehefrau geschehen übrigens, wenn diese versucht, sich aus der Gewaltbeziehung zu befreien. Und warum sehen wir die Kinder nicht? Häufig leben Kinder aller Altersgruppen in diesen Familien.

Dieser Vortrag soll das Basiswissen liefern, das wir für die psychotherapeutische Arbeit mit den Frauen und Kindern brauchen. Und er wird deutlich machen, dass die Verantwortung für die Gewalt immer der Gewalttätige hat und somit Täterarbeit ein eigenes Kapitel ist.

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Häusliche Gewalt im Leben alter Frauen und Anforderungen an Beratung und Begleitung

 Martina Böhmert ist u.a. Fachberaterin für Psychotraumatologie und Geschäftsführerin der Beratungsstelle „Paula e.V.“ in Köln

 Häuslich Gewalt gegen Frauen und Kinder und deren Folgen ist ein mittlerweile in vielen Unterstützungskontexten und auch in der breiten Öffentlichkeit ein viel beachtetes Thema.

Es ist allerdings für viele Menschen - auch Berater*innen und Therapeut*innen - schwer, sich vorzustellen, dass auch alte bis hochaltrige und gar pflegebedürftige Frauen sowohl früher als auch aktuell von häuslicher Gewalt bzw. deren Folgen betroffen sein können. Daher werden ältere und insbesondere hochaltrige Frauen in ihren Symptomen und Verhaltensweisen aufgrund von Gewalterlebnissen häufig fehlinterpretiert. Es wird in der Regel nicht an Traumafolgen, sondern eher an Alterserkrankungen und möglicherweise an Symptome einer Demenzerkrankung gedacht. So bekommen von Häuslicher Gewalt betroffene alte Frauen häufig nicht die notwendige Unterstützung. Im Gegenteil kommt es so häufig vor, dass sie durch Fehlbehandlungen und -bewertungen erneuter Gewalt ausgesetzt werden.

Um die betroffenen Frauen verstehen, sie angemessen und traumasensibel unterstützen zu können, wird Ziel und Inhalt des Vortrages sein, deutlich zu machen, wie häusliche Gewalt bei alten Frauen erkannt werden kann. Anhand von Praxisbeispielen wird ein angemessener Umgang mit ihnen in Begleitung und Beratung vorgestellt und gefordert.

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Aktueller politischer Kontext und Folgerungen für die Aus- und Weiterbildung in Psychotherapie und psychosoziale Beratung

Marion Steffens, GESINE Intervention; Dr. Ute Sonntag, Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e. V.

Am 1. Februar 2018 trat das Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt für Deutschland, auch bekannt als Istanbul-Konvention, in Kraft. Es schafft europaweit verbindliche Rechtsnormen gegen Gewalt an Frauen. Mit Inkrafttreten des Übereinkommens verpflichtet sich Deutschland auf allen staatlichen Ebenen, alles dafür zu tun, um Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen, Betroffenen Schutz und Unterstützung zu bieten und Gewalt zu verhindern. Artikel 15 benennt ausdrücklichen Handlungsbedarf für die Ausbildung und Qualifizierung von Fachkräften unterschiedlichster Disziplinen.

Vordiesem Hintergrund ist zu fragen, wie eine angemessene Aus- und Weiterbildung von Psychotherapeut*innen und Berater*innen aussehen sollte und was zu einem kompetenten Umgang mit häuslicher Gewalt in Psychotherapie und psychosozialer Beratung gehören sollte.

Planung und Moderation:Theresa Koch, Angelika Geiling, Britta Dumser, Gabriela Werner
Datum:Freitag, 05.03.2021
Zeit:10:15 - 12:30 Uhr

In der psychotherapeutischen Versorgung von traumatisierten Geflüchteten sind wir mit komplexen Symptomstrukturen wie auch zahlreichen strukturellen wie auch konzeptuellen Herausforderungen konfrontiert. Das Symposium wird deshalb sehr breit verschiedene Aspekte der psychotherapeutischen Versorgung näher beleuchten.

Einen vielversprechenden Ansatz für die Forschung und Behandlung von Geflüchteten stellt die Adressierung von transdiagnostischen Prozessen dar: Im ersten Vortrag werden Forschungsergebnisse zu dem transdiagnostischen Prozess der Emotionsregulation beleuchtet, sowie ein transdiagnostisches Behandlungsprogramm (STARK: Skills-Training zur Affektregulation – ein kultursensibler Ansatz) sowie dessen Evaluation vorgestellt. Im zweiten Vortrag wird die transdiagnostische Bedeutung von Schlafstörungen bei Geflüchteten diskutiert und ein innovatives Behandlungskonzept für Schlafstörungen präsentiert.

Anhand einer Falldarstellung setzt sich der dritte Vortrag mit einer modernen, traumafokussierten Behandlungsmethode, dem Imagery Rescripting, auseinander. Diese wird aktuell in einer multizentrischen Studie mit Geflüchteten pilotisiert und an die spezifische Zielgruppe adaptiert.

Abschließend widmet sich der vierte Vortrag den komplexen Rahmenbedingungen in der Behandlung von Geflüchteten. Hier wird eine Studie zu der psychischen Gesundheit, möglichen Resilienz- und Risikofaktoren von Dolmetschenden vorgestellt.


Referate

 

Emotionsregulation bei traumatisierten Geflüchteten:
Eine transdiagnostische Perspektive auf deren Rollen in Psychopathologie und Behandlung
Theresa Koch, Thomas Ehring, Alexandra Liedl

Ein transdiagnostischer Prozess, der zunehmend Aufmerksamkeit in der Literatur und Praxis erfährt, stellt der der Emotionsregulation dar. Im Vortrag werden verschiedene quer- und längsschnittliche Studienergebnisse unserer Arbeitsgruppe zur transdiagnostischen Rolle von Emotionsregulation in der Psychopathologie von geflüchteten Afghan*innen vorgestellt. Diese Studien unterstreichen alle die Notwendigkeit transdiagnostischer Interventionen für Geflüchtete, die auf eine Verbesserung von Emotionsregulationsfähigkeiten abzielen.

Das von Refugio München entwickelte Skills-Training zur Affektregulation- ein kultursensible Ansatz (STARK) legt einen Schwerpunkt auf die Verbesserung der emotionalen Bewusstheit sowie auf die kultursensible Vermittlung von Techniken zur Emotionsregulation. In einer randomisierten, kontrollierten Studie wurden 44 junge afghanische Geflüchtete entweder einer Interventionsgruppe oder Wartelistenkontrollgruppe (WLKG) zugewiesen. STARK stellte sich als ein vielversprechendes transdiagnostisches Therapieprogramm für Geflüchtete heraus. Im Vergleich zu den Teilnehmern der WLKG, verbesserten sich die Teilnehmer der STARK-Bedingung signifikant mit mittleren bis zu starken Effektstärken bzgl. Defiziten in der Emotionsregulation, transdiagnostischen Symptomen und PTBS Symptomen, sowohl in der Selbstauskunft als auch in der Fremdauskunft.

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Behandlung von Schlafstörungen nach Flucht und Traumatisierung – Entwicklung eines und erste Erfahrungen mit einem kultursensiblen Gruppentherapieprogramm
Britta Dumser, Gabriela Kurz, Theresa Koch

Schlafstörungen gehören zur am häufigsten berichteten Symptomatik unter traumatisierten Geflüchteten. Ihre transdiagnostische Bedeutung legt eine dringende Behandlungsbedürftigkeit nahe. Etablierte Psychotherapiekonzepte zur Behandlung von Schlafstörungen (z. B. KVT-I, IRT) greifen für die speziellen Anforderungen Geflüchteter zu kurz. In einer Pilotphase wurde die Durchführbarkeit und Akzeptanz eines neuen 10-wöchigen Gruppentherapieprogramms zur Behandlung von Schlafstörungen bei traumatisierten Geflüchteten quantitativ sowie qualitativ untersucht. Die Ergebnisse werden in Hinblick auf besondere Herausforderungen in der Durchführung des Manuals und erste Erfahrungen mit der Kultursensibilität und Akzeptanz der Inhalte diskutiert.
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Behandlung der Posttraumatischer Belastungsstörung bei geflüchteten Menschen mit Imagery Rescripting: eine Falldarstellung
Franziska Lechner-Meichsner, Thomas Ehring, Antje Krüger-Gottschalk, Nexhmedin Morina, Regina Steil

Hintergrund. Imagery Rescripting (ImRs) hat als innovative Behandlung der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) wachsendes Interesse gefunden. Bei dieser Methode wird der Inhalt belastender Erinnerungen durch eine direkte Modifikation innerer Bilder verändert. Bisher konnten vielversprechende Effekte bei Patient*innen mit PTBS-Symptomen gefunden werden, inklusive geflüchteter Patient*innen, die aufgrund von Postmigrationsfaktoren zusätzlich hoch belastet waren. Angesichts dieser Erkenntnisse und des potenziellen Vorteils gegenüber traditionellen expositionsbasierten Interventionen scheint ImRs eine vielversprechende Intervention für Geflüchtete zu sein.

Methode. Im Rahmen der Pilotphase einer randomisiert-kontrollierten Studie zur Behandlung geflüchteter Menschen mittels ImRs wurden Patient*innen unter engmaschiger Supervision behandelt. Vorliegen einer PTBS und Schwere der Symptomatik wurden vor und nach der Behandlung im klinischen Interview mithilfe der Clinician-Administered PTSD Scale for DSM-5 erfasst. Die Behandlung umfasste 10 100-minütige Sitzungen sowie zwei optionale Sitzungen für Dissoziations- oder Krisenmanagement.

Ergebnisse. Vorgehen und Verlauf der Behandlung wird für drei Patient*innen aus unterschiedlichen Herkunftsländern illustriert. Am Ende der Therapie zeigten alle Patient*innen eine deutliche Verbesserung der PTBS-Symptomatik, Diagnosekriterien der PTBS wurden nicht mehr erfüllt. Eine Behandlung fand dolmetschergestützt statt und konnte ebenfalls erfolgreich umgesetzt werden.

Schlussfolgerungen. ImRs wurde von allen Patient*innen gut toleriert und ließ sich in allen Fällen individuell adaptieren. Besonderheiten und Implikationen werden anhand der Fälle diskutiert.

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Ergebnisse einer bundesweiten Online-Befragung zur psychischen Belastung von Sprachmittler*innen in der Arbeit mit geflüchteten Menschen
Angelika Geiling,
Christine Knaevelsrud, Maria Böttche, Nadine Stammel

Hintergrund: Sprachmittler*innen sind zentral für die Versorgung geflüchteter Menschen. Vorwiegend qualitative Studien deuten auf eine hohe emotionale Belastung und eine komplexe Arbeitssituation der Sprachmittler*innen hin. Ziel der Online-Erhebung war es, die psychische Belastung quantitativ zu untersuchen und mögliche Schutz- und Risikofaktoren zu identifizieren. Methode: Insgesamt nahmen 102 Sprachmittler*innen an einer Online-Befragung mit zwei Messzeitpunkten im Abstand von neun Monaten teil. Hierbei wurden verschiedene Maße psychischer Belastung sowie Angaben zur Tätigkeit als Sprachmittler*in erhoben. Ergebnisse und Schlussfolgerung: Die Daten werden derzeit statistisch analysiert. Die Identifikation von Schutz- und Risikofaktoren soll zu einem besseren Verständnis der psychischen Belastung und der Entwicklung von Leitlinien für die Arbeit mit Sprachmittler*innen beitragen.
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Planung und Moderation:Länderrat
Datum:Samstag, 06.03.2021
Zeit:10:15 - 12:30 Uhr

Die neue Psychotherapieausbildung kommt mit hoher Geschwindigkeit auf uns zu. Die Qualifikation von Fachpsychotherapeut*innen besteht aus der Ausbildung (Studium mit Masterabschluss), die zur Approbation führt und der Weiterbildung in Gebieten, die sozialrechtlich zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen bzw. von Erwachsenen berechtigt. Daneben wird eine Weiterbildung im Gebiet Neuropsychologische Psychotherapie vorbereitet, über deren Etablierung der Deutsche Psychotherapeutentag noch entscheiden muss.

Die Weiterbildung erfolgt in Berufstätigkeit als „Psychotherapeut*in in Weiterbildung“ in der Versorgung. Dabei sieht die Weiterbildung auch mögliche Anwendungsfelder in der institutionellen Versorgung vor.

Mit diesem Symposium möchten wir alle Interessierten einladen, sich über den gegenwärtigen Stand der Psychotherapieaus- und -weiterbildung zu informieren. Hierzu wird Andrea Benecke die einzelnen Teile der neuen Aus- und Weiterbildung vorstellen und den aktuellen Stand der Diskussionen darstellen. Daran anknüpfend wird Wolfgang Schreck den Fokus auf den institutionellen Teil der Weiterbildung legen, denn hier ergeben sich ganz neue Möglichkeiten, sowohl bezogen auf den Kompetenzerwerb der Psychotherapeut*innen selbst, als auch bezogen auf die Schaffung neuer Stellen und dem generellen Bedarf an psychotherapeutischen Fachkräften im institutionellen Bereich.


Referate


Überblick und Einordnung der aktuellen Situation der Ausbildungsreform und der Musterweiterbildungsordnung. Darstellung der verschiedenen Teile der neuen Aus- und Weiterbildung.
Andrea Benecke
Nach einer kurzen zeitlichen Einordnung werden die beiden Elemente vorgestellt: das neue Studium und die hierfür zugrunde liegende Approbationsordnung sowie der aktuelle Stand der Musterweiterbildungsordnung, die im April 2021 vom Deutschen Psychotherapeutentag verabschiedet werden soll. Sie wird sich gliedern in einzelne Weiterbildungsgebiete (Kinder/Jugendliche und Erwachsene, ggf. auch im Gebiet der Neuropsychologischen Psychotherapie) und muss in unterschiedlichen Versorgungsbereichen (ambulant/stationär) absolviert werden. Fakultativ ist auch die Weiterbildung in der institutionellen Versorgung möglich. Weitere Rahmenbedingungen sollen vorgestellt und diskutiert werden.

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Musterweiterbildungsordnung für Psychotherapeut*innen: Neue Perspektiven durch Einbezug der institutionellen Versorgung bei der Weiterbildung.
Wolfgang Schreck
Die neue Musterweiterbildungsordnung für Psychotherapeut*innen sieht vor, dass Teile der Weiterbildung in institutionellen Versorgungsbereichen (Jugendhilfe, Suchtbehandlung, Rehabilitation, Sozialpsychiatrie) absolviert werden können. Somit werden die Qualifikationsperspektiven erweitert und gestatten Kolleg*innen einen erweiterten Kompetenzerwerb. Gleichzeitig soll darüber hinaus auch der Fachkräftebedarf in diesen Bereichen sichergestellt werden.

Planung und Moderation:Lothar Duda, Eugene Epstein, Thorsten Padberg, Manfred Wiesner
Datum:Samstag, 06.03.2021
Zeit:10:15 - 12:30 Uhr

Die (Klinische) Psychologie kann als eine der wesentlichen Influencerinnen unserer gegenwärtigen Gesellschaft gesehen werden.
Das Symposion will die impliziten Menschenbildannahmen von Psychologie und Psychotherapie mit ihren gesellschaftspolitischen Auswirkungen kritisch thematisieren. Wollen wir uns den Menschen als ein Wesen in Sprache oder ein Wesen in Zahlen vorstellen? Insbesondere die durch die wissenschaftliche Psychologie vorangetriebene Berechenbarkeit der „Psyche“ gelangt mit der Digitalisierung auf ein neues Level. Selbstmessungen der persönlichen psychischen Befindlichkeit werden so selbstverständlich wie das Messen von Körperlänge und -gewicht. Psycho-Tests nehmen mehr und mehr Raum ein. Regelmäßig skalierte Seelendaten können „endlich“ umfänglich verrechnet werden, das Selbst von morgen vorhersagen und damit wiederum zu einer beeinflussbaren und kontrollierbaren Größe machen. Ist die PsychoDigitaliserung mit ihrer Standardisierung des Menschen noch aufzuhalten? Können Sprach- und Literaturwissenschaften ein alternatives Verständnis des Menschen offerieren, das dem Individuum mehr Freiheitsgrade bietet? Wie sähe eine hieran orientierte Psychotherapie aus?
Wofür wollen wir uns entscheiden – Sprache oder Zahl?
 
Die Mitwirkenden des Symposions werden die Menschenbildfrage der Psychologie aus verschiedenen Perspektiven beleuchten. Werner Vogt und Till Jansen werden dies aus soziologischer Warte tun, die Schriftstellerin Julia von Lucadou und der Verleger und ehemalige Leiter des Robert Walser Archivs Bernhard Echte nähern sich dem Thema aus je eigener literarischer Perspektive und die Pädagogin und systemische Beraterin Usche Merk und die Psychologin Julia Manek schildern als Mitarbeiterinnen von medico international (Bereich Psychosoziales) die Menschenbild-Auswirkungen in ihrer Arbeit.


Referate

 

Die Psyche als Algorithmus im Roman „Die Hochhausspringerin“

Julia von Lucadou

Im Roman „Die Hochausspringerin“ entwerfe ich das dystopische Bild einer Leistungsgesellschaft, die von unserer Gegenwart nicht weit entfernt scheint. Mittels Digitalisierung, Datafizierung und Automatisierung wird die seelische und körperliche Gesundheit des Einzelnen permanent erfasst, analysiert, verglichen und bewertet. Der Selbstoptimierung im Dienst der Leistungssteigerung scheinen keine Grenzen gesetzt. 
In meinem Vortrag erläutere ich, wie mich Wellness-Influencer, Silicon-Valley-Gurus, chinesische Überwachungstechnologien und die Geschichte der Verwendung Künstlicher Intelligenz in der Psychotherapie vom Computerprogramm ELIZA bis zur App Replika zu meinem Roman inspirierten.
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Metrisierung des Menschen als Flucht vor dem Leben – warum Unbestimmtheit für uns konstitutiv ist und deshalb gerade in der Psychotherapie nicht getilgt werden sollte

Werner Vogd, Till Jansen

In der historischen Anthropologie galt der Mensch als ein Wesen, das durch Triebe und Instinkte nicht vollkommen bestimmt ist, also gefordert ist, sich selbst zu bestimmen. Der Mensch ist damit weder das, was zu sein er glaubt, noch der, wozu und worin andere ihn bestimmt haben. Er ist vielmehr eine kontinuierliche Transzendenz, die sich immerfort verschiebt, sobald sich seine Beziehungsqualität verändert.
Ist es damit nicht so, dass die Versuche der Metrisierung des Menschen gar nicht das leisten, was sie versprechen? Denn die hiermit einhergehenden Verfahren messen den Menschen nicht wirklich, sondern setzen ihn nur in eine neue Beziehung zu sich selbst – was nolens volens Krisen mit sich bringt (man denke an die Bedrohung durch Stereotypen oder der Erfahrung, an den hiermit einhergehenden Selbstfestlegungen zu scheitern). Dies zu verkennen, bringt gerade auch für die Psychotherapie erhebliche Probleme mit sich, wie wir Anhand von Beispielen aus dem Alltag der Psychiatrie aufzeigen können. Auch in Zukunft wird sich der Mensch wohl der Bestimmung entziehen.

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«Was kann man sein, wenn man nicht gesund ist? Das ist übrigens noch eine Frage.»
Robert Walser und das psychiatrische Denken.

Bernhard Echte

Der Schweizer Schriftsteller Robert Walser (1878-1956) geriet als 50-jähriger in die Psychiatrie und blieb dort bis zu seinem Lebensende. Die Diagnose «Schizophrenie» stand für keinen seiner Ärzte in Frage. Walser selbst hielt dazu Distanz, da ihm die Antinomie von Gesundheit und Krankheit seit je als kurzsichtig erschienen war. Im Lauf der Wiederentdeckung seines Werks in den 1970er Jahren hat man vieles neu zu sehen gelernt, was den Ärzten seinerzeit als eindeutiges Symptom erschien – Walsers angebliche Stimmen, seine mikrographische Schrift und die Eigenart seiner Texte. Ein Musterfall dafür, dass manches anders ist, als der diagnostische Blick es vermeint.

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Die Vermessung der Menschlichkeit - für das Recht auf (mentale) Gesundheit angesichts der Standardisierung von „Hilfe“ in einer postkolonialen Welt

Usche Merk, Julia Manek

Das Paradigma der Vermessung der menschlichen Psyche ist keinesfalls neu. Als Teil der Unterwerfung der Kolonialisierten – inmitten der europäischen Moderne – wurden diese immer schon vermessen, dienten normative Psychologien immer schon als Legitimation zur Entmenschlichung.

Ein solcher normativer Blick auf die Gesellschaften des Globalen Südens hält an: In der Entwicklungszusammenarbeit werden Hilfsprogramme auf der Basis der Vermessungen von "Vulnerabilität" generiert: nur noch einem sehr kleinen, ausgewählten Teil der Bedürftigen Hilfe zukommen zu lassen – die anderen sind sich selbst und ihrer "Resilienz" überlassen.
Angesichts solcher Entwicklungen möchten wir Partnerorganisationen aus dem Globalen Süden und der Flüchtlingsarbeit zu Wort kommen lassen. Dem Paradigma der Vermessung und Verhaltensstandardisierung stellen wir ein gemeinsames Plädoyer für die Verteidigung des Lebendigen gegenüber – für das Recht auf (mentale) Gesundheit in einer globalen Gesellschaft, die darum kämpft, ihre (post-)kolonialen Menschenbilder abzulegen.

https://www.medico.de/psychosoziales

Planung und Moderation:Christina Hunger-Schoppe (SG); Michael Odenwald (BIP); Günter Ruggaber (DGVT)
Datum:Freitag, 05.03.2021
Zeit:10:15 - 12:30 Uhr

Durch das Psychotherapieausbildungsreformgesetz wird die psychotherapeutische Qualifizierung grundlegend neu geregelt. Nach einem Psychotherapiestudium und der damit erworbenen Approbation steht nun eine mehrjährige Weiterbildung, mit der psychotherapeutische Behandlungskompetenz -die Fachkunde- aufgebaut werden soll. In der Weiterbildung sollen alle relevanten Versorgungsbereiche kennengelernt werden. Insbesondere für die stationäre Versorgung sind mit dieser Neuregelung viele fachliche Hoffnungen verknüpft – deren Stellenwert und Ausformung in der bisherigen Psychotherapieausbildung wurde vielfach kritisiert.

Aber wie kann das zukünftig besser werden? Welche Ideen gibt es dazu, welche positiven Beispiele aus der Facharztweiterbildung oder der postgradualen Psychotherapieausbildung können uns hierzu Hinweise geben? Welche Bedingungen sind hierfür notwendig? Worauf ist jetzt bei der Entwicklung der Weiterbildungsordnung zu achten um diesen Weiterbildungsbereich wirklich fachlich zu verbessern? Wir wollen in diesem Symposium Erfahrungen aus der heutigen klinisch-psychiatrischen Aus- und Weiterbildungspraxis mit verantwortlichen Chefärzten erörtern und damit den notwendigen interdisziplinären Austausch zu diesem Thema fördern. In einer abschließenden Diskussionsrunde soll ausführlich Raum für Beiträge aus dem Publikum gegeben werden.


Referate

 

Teil 1: Inputvorträge (jeweils ca. 15 min)

Entwicklungsprozess der Musterweiterbildungsordnung: Stand der Dinge unter besonderer Berücksichtigung des stationären Weiterbildungssektors
Andrea Benecke 
Vizepräsidentin Bundespsychotherapeutenkammer


-> PDF Abstract
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Notwendigkeiten der neuen MWBO - Mikado in der Kinder- und Jugendlichensychotherapie?!
Veit Rössner
Direktor Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie Dresden

-> PDF Abstract
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Kompetenzorientierte Weiterbildungsmodelle und Kooperation der Weiterbildungseinrichtungen
Martin Driessen
Chefarzt Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Bielefeld; Vorstandsmitglied DGPPN

-> PDF Abstract
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Teil 2: Diskussionsrunde mit Einbezug des Publikums
Andrea Benecke (Vizepräsidentin Bundespsychotherapeutenkammer); Uwe Herwig; Veit Rössner; Martin Driessen

Planung und Moderation:Stefanie M. Jungmann
Datum:Samstag, 06.03.2021
Zeit:10:15 - 12:30 Uhr

Seit ca. einem Jahr beherrscht uns nun die COVID-19 Pandemie. Die Pandemie führt weltweit nicht nur zu einer deutlich erhöhten Morbidität und Mortalität, sondern ist auch mit bedeutsamen psychischen Belastungen und psychischen Symptomen verbunden. Im Symposium werden psychologische Auswirkungen der Pandemie sowohl in der Allgemeinbevölkerung als auch in spezifischen Stichproben (Kinder, Eltern, Psychotherapeut_Innen in Ausbildung) beleuchtet. Zudem wird ein Projekt zur professionellen psychologischen Ersthilfe während der Pandemie vorgestellt.


Referate

 

Psychologische Auswirkungen von physischer Distanzierung und Quarantäne

Anne-Kathrin Bräscher, Stefanie M. Jungmann, Sylvan Germer, Michael Witthöft

In einer Online-Umfrage (N = 4268) bezüglich früher psychologischer Auswirkungen von Quarantäne und Kontaktbeschränkungsmaßnahmen berichtete ein Großteil der Befragten zahlreiche Stressoren infolge der Maßnahmen zu erleben. Im Vergleich zu gesunden Personen zeigten sich insbesondere Personen mit psychischer Störung psychopathologisch stärker belastet (z.B. PHQ), allerdings gab es generell nur geringe Hinweise für einen verstärkenden Einfluss der Dauer der Kontaktbeschränkungsmaßnahmen. Verhaltensmaßnahmen zur Pandemieeindämmung können negative psychologische Auswirkungen haben und entgegensteuernde Maßnahmen sind insbesondere für Risikogruppen sinnvoll.

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Psychopathologische Belastung von Eltern und deren Kindern während der COVID-19 Pandemie

Stefanie M. Jungmann und Laura Dietl

Eine Online-Studie mit N = 670 Eltern und deren Kindern (M = 6.7, SD = 4.6 Jahre) zeigte, dass während der COVID-19 Pandemie bei den Eltern depressive Symptome und Symptome einer Posttraumatischen Belastungsstörung und bei den Kindern verschiedene Bereiche der Psychopathologie (emotionale Probleme, Verhaltensprobleme, Hyperaktivität/Unaufmerksamkeit und soziale Probleme) signifikant zunahmen. Die elterliche Psychopathologie während der Pandemie wurde signifikant durch die psychopathologische Belastung vor der Pandemie sowie die Anzahl an verschiedenen Belastungsfaktoren vorhergesagt (z. B. Beruf, Homeschooling).

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Schnelle und professionelle Hilfe während der Corona-Pandemie: Implementierung und Evaluation einer Hotline zur psychologischen Ersthilfe in Baden-Württemberg.

Ruben Vonderlin, Miriam Biermann, Michael Konrad, Martin Klett, Stefanie Lis, Josef Bailer, Martin Bohus

Die Corona Pandemie stellt für viele Menschen eine deutliche psychische Belastung dar, für deren Bewältigung, gerade zu Beginn der Pandemie, die Ansprechpartner fehlten. Vor diesem Hintergrund wurde in Baden-Württemberg eine Telefonhotline zur professionellen, psychologischen Ersthilfe sowie eine begleitende Webseite mit Selbsthilfetools implementiert. N = 753 Beraterinnen (v.a. Psychologische, ärztliche sowie Kinder & Jugendlichen Psychotherapeutinnen [in Ausbildung]) nahmen zwischen März und Juli 2020 insgesamt K = 8565 Anrufe entgegen. k = 1292 Beratungsgespräche wurden dokumentiert und somit Angaben zu Anrufgründen, Belastungssymptomen, durchgeführte Interventionen sowie die Erfahrungen der Beraterinnen bei den Beratungsgesprächen erhoben. Insgesamt leistete das Hotlineprojekt, v.a. durch die ehrenamtliche Mithilfe vieler Beraterinnen, einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der psychischen Gesundheit während der Corona Pandemie.

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Psychologische Auswirkungen der COVID-19 Pandemie auf Psychotherapeut_Innen in Ausbildung (PACO-T)

Stefan M. Schulz, Severin Hennemann, Anne-Kathrin Bräscher, Michael Witthöft, Paul Pauli

Schulz und Kolleg_Innen untersuchten an zwei Ausbildungsinstituten das Erleben und Verhalten von Psychotherapeut_Innen in Ausbildung während der ersten Pandemiewelle und fanden protektive Effekte von Resilienz und hohen Coping- bzw. Selbstmanagementfähigkeiten. Belastend erlebt wurden vor allem Auswirkungen des Lockdowns sowie COVID-19 bedingte Veränderungen im therapeutischen Setting; für Videotherapie wurden bereichernde und hinderliche Aspekte genannt.

Planung und Moderation:Silke Birgitta Gahleitner
Datum:Freitag, 05.03.2021
Zeit:14:30 - 16:45 Uhr

Psychosoziale Fachkräfte aus dem Bereich der Sozialen Arbeit und (Heil-)Pädagogik gestalten einen großen Anteil der Traumaversorgung. Sie arbeiten niedrigschwellig und beziehungsorientiert mit Menschen auf der Flucht, Klient*innen aus Gewaltverhältnissen, Straßenkindern, Straffälligen. Der Traumabereich ist daher ein besonders gutes und anschauliches Beispiel für psychosoziale Vermittlungsarbeit, ihre Schnittstellen und interdisziplinären Herausforderungen. In den letzten Jahren werden die verschiedenen Angebote zunehmend beforscht. Zielsetzung ist die Verbesserung der Situation der lebensgeschichtlich belasteten Menschen als auch der sie begleitenden Fachkräfte. Im Rahmen dieses Symposiums werden aktuelle Forschungsergebnisse zur Notwendigkeit und Wirkung psychosozialer und traumapädagogischer Konzepte vorgestellt, die allesamt Mut machen, diesen Weg konsequent weiter zu verfolgen.


Referate

 

Entwicklungsprozesse traumatisch belasteter junger Menschen in therapeutischen Jugendwohngruppen - Ergebnisse der BEGEVAL-Studie

Sandra Wesenberg, Miriam Weber

Im Forschungsprojekt »Begleitevaluation der Therapeutischen Jugendwohngruppen in Berlin« (BEGEVAL; gefördert vom DPW) wurden Wirkungen und Gelingensbedingungen der Unterstützungsprozesse in therapeutischen Jugendwohngruppen in Berlin im Rahmen einer mixed-method-Studie systematisch erhoben. Angesichts der multiplen Problemlagen, in denen die Adressat*innen aufgewachsen sind, sowie ihrer vielfältigen traumatischen Erfahrungen erscheinen die Gewährleistung einer sicheren, entwicklungsförderlichen Umgebung und gezielte traumapädagogische und -therapeutische Angebote von besonderer Bedeutung. Im Vortrag werden die Studienergebnisse zu den Wirkungen der Hilfeprozesse auf die Jugendlichen sowie Einflussfaktoren für nachhaltig wirksame Betreuung und Behandlung in der stationären Jugendhilfe vorgestellt.
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Psychosoziale traumasensible Arbeit mit jungen Menschen mit Fluchthintergrund

Lisa Große, Adrian Golatka



Junge Menschen mit Fluchthintergrund stellen eine besonders vulnerable Gruppe dar: Die Kumulation von Verletzungen im Herkunftsland, auf dem Fluchtweg, psychosoziale Belastungen im Ankunftsland und entwicklungsspezifische Anforderungen bedingen die Notwendigkeit traumasensibler Arbeit mit dieser Zielgruppe. Im Vortrag werden anhand qualitativer adressat*innenorientierter Ergebnisse Herausforderungen (Sprache, Misstrauen, Gesundheitskonzept) vorgestellt und diskutiert, wie ein traumasensibles Vorgehen gelingen kann. 

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Psychosoziale Bedarfe junger begleiteter Geflüchteter

Jelena Seeberg, Hannah von Grönheim

 

Die Bedarfe begleiteter junger Geflüchteter sind in der Forschung noch immer unterrepräsentiert. Im Rahmen des Projektes ‚JuFlu‘ wurde jedoch deutlich, dass insbesondere für begleitete Jugendliche maßgebliche Hürden im Zugang zu psychosozialer Unterstützung bestehen: Umfassende Bedarfe (Bewältigung traumatischer Ereignisse der Flucht sowie entwicklungsspezifische Übergänge) treffen auf Prozesse der Verantwortungsübernahme für ihre Eltern. Es werden daraus entstehende Spannungsfelder und Bewältigungsstrategien der Jugendlichen beleuchtet.
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Frauen aus Gewaltverhältnissen nachhaltig unterstützen

Silke Birgitta Gahleitner, Marilena de Andrade


Menschenhandel mit dem Zweck sexueller Ausbeutung ist ein weltweites Phänomen, welchem trotz zahlreicher Rechtskonventionen nach wie vor nicht angemessen begegnet werden kann. Eine qualitative adressat*innenorientierte Studie hat betroffene Frauen befragt, wie Unterstützung in diesen klandestinen Tatstrukturen aussehen kann und wie Ausstiegsprozesse von Frauen aus der organisierten Gewaltkriminalität nachhaltig gelingen können. Die Ergebnisse zeigen die Notwendigkeit eines trauma-, bindungs- und vertrauenssensiblen Vorgehens der Fachkräfte auf.

Planung und Moderation:Gisela Wolf, Mari Günther, Dr. Kirsten Teren
Datum:Samstag, 06.03.2021
Zeit:14:30 - 16:45 Uhr
Die aktuellen und bevorstehenden Änderungen der Behandlungsempfehlungen und der diagnostischen Einordnung trans*geschlechtlicher Identitäten erfordern das Überdenken bisheriger therapeutischer Ansätze und Haltungen. In den Referaten zum Symposium wollen wir zentrale Bausteine einer modernen Trans*gesundheitsversorgung vorstellen und zu einer fruchtbaren Auseinandersetzung einladen.

   


Referate

 

Zwischen ICD-11, S3-Leitlinie und MDK-Begutachtungsanleitung - zur therapeutischen Haltung in der Versorgung von trans* Personen

Mari Günther
Die psycho-medizinische Sicht auf Trans*geschlechtlichkeit befindet sich im Umbruch, da sich in den letzten Jahren die psychologischen Verstehensversuche trans*geschlechtlichen Lebens weiterentwickelt haben. In dieser Umbruchphase prägen nun drei diagnostische Beschreibungen den Umgang mit behandlungssuchenden trans* Personen. Deren unterschiedliche Hermeneutiken fordern nicht nur das Fallverstehen auf Seiten der Psychotherapeut_innen, sondern auch die Sicht auf sich selbst als Behandler_in und das Verständnis von trans* Personen von sich selbst. Neben einer Einführung in diese Gemengelage soll der Vortrag Anregung geben für einen gemeinsamen Diskurs zwischen Therapeut_in und Klient*in innerhalb und jenseits einer psychotherapeutischen Sicht auf trans*geschlechtliches Leben.

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Psychotherapeutische Umgangsmöglichkeiten mit transnegativer Diskriminierung
Gisela Wolf

Viele trans* Personen verfügen über direkte Erfahrungen mit transfeindlicher Diskriminierung und Gewalt. Zudem erleben sie auch mit, wenn befreundete trans* Personen angegriffen werden und sind in der Regel die Ersten, die unterstützen. Direkt an der eigenen Person, aber auch das Miterleben von gegen nahestehende Personen gerichtete Diskriminierungen stellen ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar. In dem Vortrag werden Daten zur Prävalenz transfeindlicher Diskriminierungen in unterschiedlichen Kontexten referiert sowie Entstehungs- und Kontextbedingungen und Folgen transfeindlicher Diskriminierungen dargestellt. Der Schwerpunkt des Vortrags liegt auf der Frage, wie Therapie im Kontext struktureller Diskriminierungen so gestaltet werden kann, dass trans* Klient_innen ihre Erfahrungen mit Diskriminierungen und Gewalt ansprechen und im therapeutischen Setting Unterstützung erfahren können. Ich möchte abschließend Möglichkeiten zur Diskussion vorschlagen, wie wir in der therapeutischen Rolle in der Arbeit mit trans* Klient_innen eine transparente Position zu unserem fachlichen Umgang mit Diskriminierungserfahrungen entwickeln und achtsam und kompetent mit den typischen Gegenübertragungsreaktionen bei der Konfrontation mit transfeindlicher Diskriminierung umgehen können.

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Prä-, peri- und postoperative Begleitung von trans* Personen in der Psychotherapie

Dr. Kirsten Teren
Im Rahmen einer begleitenden Psychotherapie geht es in der Unterstützung und Beratung im Transitionsprozess auch um Themen und Fragen, die mit körpermodifizierenden Maßnahmen (z.B. Operationen) verbundenen sind. Infolge der zunehmenden Entpsychopthologisierung und Selbstbestimmung von behandlungssuchenden trans* Personen ist im Rahmen der Therapie eine ergebnisoffene Reflexion und Klärung über gewünschte und benötigte geschlechtsangleichende Operationen zur Reduktion der Geschlechtsdysphorie möglich. Es werden Aspekte der Vorbereitung zur Entscheidungsfindung, Besonderheiten und Strategien bezüglich körperlicher Untersuchungen und Klinikaufenthalte vor dem Hintergrund von Diskriminierung und traumatischer Erfahrungen sowie postoperative Anliegen thematisiert und Unterstützungsmöglichkeiten dargestellt. Zudem werden Anregungen zur therapeutischen Selbstreflexion in der Konfrontation mit Bedürfnissen nach körperlichen Veränderungen vermittelt.

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Aspekte und Chancen der stimmtherapeutischen Arbeit mit trans*Personen

Marian Hudek

Die Identitätsfindung wird sowohl durch Hormone und angleichende OPs gesteuert, als auch durch den Austausch im gesellschaftlichen Kontext, durch Begegnungen und vor allem durch das gewünschte wahr-genommen-werden in vertrauter oder auch nichtvertrauter Umgebung.

Die Stimme ist hier neben allen anderen körperlichen Angleichungsmaßnahmen ein vordergründiges Persönlichkeitsmerkmal der Transitionierenden. Sie vermittelt unserem Gegenüber sehr feinsinnig unseren körperlichen/geistigen/seelischen Ist-Zustand und natürlich auch unser Geschlecht. Atmung, Bewegung, Rhythmus, Kommunikation, Sprechweisen, Artikulation, Modulation, Körpersprache, Ausdruck etc. werden in der Stimmtherapie reflektiert, erfahren und erlebbar gemacht.

Beleuchtet werden sowohl technische als auch körper- und stimmtherapeutische Möglichkeiten zur angleichenden Ergänzung in der Stimmveränderung.

Doch wann ist eine Stimmtherapie erfolgreich und wann nicht? Wo beginnt der Frust und wo die Freude? Die Antworten fallen individuell aus und können sich mit jede*r Klient*in innerhalb des Prozesses ändern. Thematisiert wird ein internalisiertes Störungsbewusstsein als Baustein möglicher Blockaden, die sich hinderlich auf den Erfolg der Stimmveränderung auswirken können.

Weitere Themen, die ich anspreche sind u.a.:

- Passing - für wen?

- Grenzen der Stimmtherapie,

- die Bedeutung der stimmlichen Authentizität.
Planung und Moderation:Monika Basqué
Datum:Freitag, 05.03.2021
Zeit:14:30 - 16:45 Uhr (startet voraussichtlich 5-10 Minuten später)

In dem Symposium werden wir uns mit individuellen und gesellschaftlichen Ursachen für die zunehmende Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit bzw. den zunehmenden Rechtspopulismus und -extremismus in Deutschland und seine unterschiedlichen (Ausdrucks-)Formen (von AFD bis Identitäre Bewegung, sog. „Einzeltäter“) beschäftigen. Neben Erklärungsmodellen für diese Entwicklungen werden Ansätze bzw. Projekte vorgestellt, die präventiv in gesellschaftlichen Feldern ansetzen bzw. rechtsextreme Jugendliche und Erwachsene, auch Täter*innen beim Ausstieg aus Extremismus und Gewalt begleiten.

Können Psychotherapeut*innen hierbei eine Rolle spielen? Wie können Ausstiegsprozesse psychotherapeutisch begleitet werden? Und wie können Kooperationen zwischen Präventionsarbeit und psychotherapeutischer Praxis aussehen?


Referate

 

Rechtsextremismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit - (psychotherapeutische) Einflußmöglichkeiten

Alexander Ritzmann

Verschwörungsdenken, rechtspopulistische oder rechtsextreme Einstellungen sind nicht erst seit der COVID-19 Pandemie bei Teilen der Bevölkerung in Deutschland verbreitet. Auch in der therpeutischen Arbeit kommt es deshalb immer wieder zu Situationen, in denen Therapeut:innen mit Aussagen und Einstellungen konfrontiert werden, die als gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit eingeordnet werden können. Was steckt hinter diesen Erzählungen und Haltungen und wie kann man damit umgehen? Im Referat werden zunächst einige potentiell gefährliche Verschwörungsmythen und Narrative vorgestellt. Anschließend werden deren psychologische Funktionen für die Client:innen aufgezeigt und „Alarmsignale“ und Handlungsempfehlungen für die therapeutische Arbeit diskutiert.

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Zum Verhältnis von therapeutischer Praxis und Ausstiegs- und Distanzierungsarbeit – Schnittstellen und Verweisstruktren

Sally Hohnstein, Carmen Figlestahler

Rechtsextreme Affinisierungs- und Radikalisierungsprozesse sind weder zwangsläufige, noch unumkehrbare biografisch-sozialisatorische Prozesse. Hier setzt Distanzierungs- und Ausstiegsarbeit an: Ihr Ziel ist, bei ihren Adressat*innen, Prozesse der Abkehr von extremistischen Haltungen und Szenen anzustoßen und sie beratend-unterstützend zu begleiten. Neben sozialintegrativen und auf die ideologische Distanzierung von extremistischen Weltsichten bezogenen Aktivitäten sind hierbei auch Unterstützungsangebote von Bedeutung, die im Umgang mit biografischen Krisen und beim Abbau distanzierungshinderlicher persönlicher Belastungen helfen sollen. Diese Arbeitsinhalte markieren Schnittstellen zur therapeutischen Praxis. Im Vortrag wird zunächst das Handlungsfeld der Distanzierungs- und Ausstiegsarbeit im Bereich Rechsextremismus vorgestellt. Anschließend werden Bezugspunkte für wechselseitige Verweis- und Kooperationsstrukturen zwischen beiden Handlungsfeldern aufgezeigt.

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Psychotherapeutische Konsiliar- und Liaisonarbeit im Kontext der Deradikalisierung

Kerstin Sischka

Im Vortrag wird die Fachstelle Extremismus und Psychologie und ihre Beteiligung an zwei Projekten zur Deradikalisierung vorgestellt: NEXUS – Psychologisch-Therapeutisches Netzwerk Justiz und Extremismus sowie TRIAS – Neue Wege der Kooperation. An beiden Projekten sind psychologische PsychotherapeutInnen im Rahmen eines Konsiliar- und Liaisonmodells beteiligt. Vor allem soll auf die Frage eingegangen werden, was „Deradikalisierung“ aus psychotherapeutischer Sicht bedeutet und welche psychologischen Herausforderungen dies für KlientInnen (aus dem Bereich des Rechtsextremismus wie auch des radikalen Islamismus) mit sich bringt.

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Multiprofessionalität in der Beratungspraxis am Beispiel der Ausstiegsarbeit

Ole Völkel, Tobias Lehmeier

Ausstiegs- und Distanzierungsarbeit aus extrem rechten Zusammenhängen erfordert ein hohes Maß an Multiprofessionalität: Ausstiegsberater*innen stehen vor der Herausforderung ihre Kompetenzen sowohl in der Beratungspraxis (u.a. um Ansätze der systemischen Beratung) als auch im Feld extrem rechter Strukturen stetig weiterzuentwickeln. Zudem ist die Vernetzung mit Akteur*innen angrenzender Professionen elementar. Wenn menschenverachtende Aussagen den Erfolg einer Psychotherapie hemmen oder den Beziehungsaufbau zwischen Klient*innen und Psychotherapeut*innen erschweren, können zivilgesellschaftliche Ausstiegs- und Distanzierungs-beratungen, die richtigen Ansprechpartner*innen sein.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft „Ausstieg zum Einstieg“ e.V. ist der bundesweite Dachverband zivilgesellschaftlicher Akteure der Ausstiegs- und Distanzierungshilfe aus extrem rechten Zusammenhängen. Sie hat die Förderung zivilgesellschaftlicher Strukturen im Themenfeld zum Ziel und setzt sich parteiunabhängig für eine fachliche Arbeit ein.

(Die Referenten zeichnen in ihrem Panel nach, welchen Stellenwert Multiprofessionalität in der Ausstiegsarbeit einnimmt, was Dachverbandsarbeit hier leisten kann und welche Schnittmengen es zur psychotherapeutischen Praxis gibt.)

Planung und Moderation:Franz Caspar
Datum:Freitag, 05.03.2021
Zeit:14:30 - 16:45 Uhr

«Responsiveness» ist ein Begriff, der sich auch in der deutschsprachigen Psychotherapieforschung eingebürgert hat als Begriff für die Anpassung des therapeutischen Angebots an den/die einzelne(n) PatientIn und die konkrete Situation. Das ist ein Ansatz, der in Bern in der Tradition von Klaus Grawe seit jeher verfolgt und in verschiedener Weise weiterentwickelt wurde. Die Welle der Standardisierung und Manualisierung hat er unbeschadet überstanden und blieb der Überzeugung verbunden, dass der aussichtsreichste Weg zur Optimierung der Wirkung von Psychotherapie ein besseres Maßschneidern des therapeutischen Angebotes in allen relevanten Aspekten ist.

Franz Caspar wird den Begriff weiter differenzieren und Möglichkeiten eines solchen Maßschneiderns, zu denen maßgeblich auch die Motivorientierte Beziehungsgestaltung gehört darstellen und mit Beispielen illustrieren. Ein weiteres Thema sind Schwierigkeiten und Möglichkeiten der Beforschung von Responsiveness.

Ueli Kramer wird ebenfalls zur Differenzierung des Begriffs beitragen, vor allem aber den Stand der empirischen Forschung berichten. Einzelne besonders wichtige Studien ebenso wie Messmittel wird er genauer darstellen und ebenfalls Fallbeispiele einschliessen.

Martina Belz wird der Frage nachgehen, wie weit die Verhaltenstherapie bereits der Forderung nach Responsiveness entspricht bzw. Möglichkeiten dazu bietet und mit Responsiveness vereinbar ist. Auch sie wird ihre Darstellung mit konkreten Beispielen illustrieren.


Referate

folgen

Planung und Moderation:Ulrike Willutzki
Datum:Samstag, 06.03.2021
Zeit:14:30 - 16:45 Uhr

Ressourcen und Resilienz sind inzwischen seit einiger Zeit klassische, gleichwohl recht wenig ausdifferenzierte Konzepte im Kontext kognitiv-verhaltenstherapeutischer sowie auch anderer therapietheoretischer Ansätze. In diesem Kontext werden exemplarisch Konzepte und deren Umsetzung aus dem Kinder- und Erwachsenenbereich vorgestellt.
•    Klaus Fröhlich-Gildhoff und Maike Rönnau-Böse berichten zusammenfassend über ihre langjährige Arbeit zur Resilienzförderung in Kita und Grundschule. Sie arbeiten die besondere Bedeutung einer ressourcenorientierten Grundhaltung sowie der strukturellen Voraussetzungen heraus.
•    Jan Schürmann-Vengels, Tobias Teismann und Ulrike Willutzki stellen einen multidimensionalen Fragebogen zur Erfassung von Ressourcen in der Psychotherapie vor und gehen den Fragen nach, inwieweit Ressourcen von Patient*innen zu Therapiebeginn prädiktiv für den Therapieerfolg sind bzw. im Therapieverlauf zunehmen.
•    Christoph Flückiger berichtet aus einer randomisierten klinischen Studie für Patient*innen mit generalisierter Angststörung über die Wirkung einer expliziten Orientierung von Psychotherapeut*innen auf die Ressourcen ihrer Patient*innen.
•    Im Beitrag von Leonie Trimpop und Ulrike Willutzki wird ein begleitetes Online-Programms zur Resilienzförderung vorgestellt und die ersten Evaluationsergebnisse diskutiert.


Referate

 

Resilienzförderung in den Settings Kita und Grundschule – Faktoren gelingender Implementation

Klaus Fröhlich-Gildhoff, Maike Rönnau-Böse

In dem Beitrag werden Konzept, Ergebnisse und Erfahrungen aus 15 Jahren wissenschaftlich fundierter und evaluierter Resilienzförderung im Setting-Ansatz in Kitas und  Grundschulen vorgestellt. Grundsatz dieses Konzepts ist die Entwicklung der jeweiligen Organisation zu einer resilienzförderlichen Einrichtung. Dabei ist die Entwicklung der Fachkräfteteams zu einer ressourcen- und stärkenorientierten Haltung qichtiger als die Umsetzung eines – jeweils eingesetzten –  „Förderprogramms“. Nach Darstellung des Konzepts werden aus der Prozessevaluation extrahierte Faktoren für eine gelingende Implementierung vorgestellt.
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Aktuelle Befunde zur Relevanz subjektiver Ressourcen für das Ergebnis ambulanter Psychotherapien

Jan Schürmann-Vengels, Tobias Teismann

Patient*innen sind mehr als ihre Probleme – dennoch werden funktionale und positive Aspekte, die Ressourcen von Patient*innen, in der psychotherapeutischen Forschung und Praxis kaum systematisch erfasst. In diesem Beitrag soll daher ein multidimensionales Konzept zur Erfassung von Ressourcen dargestellt werden, welches explizit zur Nutzung in klinischen Populationen entwickelt wurde. Darüber hinaus werden Ergebnisse einer longitudinalen Untersuchung im Rahmen von kognitiv-verhaltenstherapeutischen Behandlungen vorgestellt. Hierbei zeigte sich, dass subjektive Ressourcen im Therapieverlauf anstiegen und einen prädiktiven Einfluss auf das Therapieergebnis aufwiesen, selbst wenn dieser Effekt für problembezogene Maße kontrolliert wurden. Abschließend werden die praktischen Implikationen dieser Ergebnisse für Diagnostik und Aktivierung von Ressourcen in Psychotherapien diskutiert.
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Umgang mit subtilen Veränderungen - Resultate einer randomisiert kontrollierten Wirksamkeitsvergleichstudie bei generalisierter Angststörung

Christoph Flückiger

Zielsetzung: Es besteht bisher erstaunlich wenig evidenzbasiertes Wissen darüber, wie Psychotherapeut*innen sowohl mit plötzlichen Verbesserungen als auch mit subtilen Veränderungen während der Therapie umgehen sollen. Methoden: Mittels eines ABAB-randomisiert kontrollieren Wirksamkeitsvergleichs (N = 80 Patienten und 20 Therapeuten) kontrastieren wir eine "Prolonged Focus on Change" (PFC, N = 40) Implementierung mit einer "State of the Art" (SOTA, N = 40) Implementierung. Beide Implementierungen basierten auf dem international besten bekannten kognitiven verhaltenstherapeutischen Ansatz sensu Barlow, Craske  und Zinbarg für generalisierte Angststörung mit dem einzigen Unterschied, dass bei der PFC-Implementierung die Therapeuten angewiesen wurden, mögliche Veränderungen zu Beginn der Therapiesitzungen systematisch zu erfragen. Ergebnisse: Die Patient*innen in der PFC-Implementierung zeigen im Vergleich zur SOTA-Implementierung eine schnellere Symptomreduktion im Verlauf der Therapie. In den 12-Monate Follow-ups sind beide Implementierungen vergleichbar wirksam. Schlussfolgerung: Die Befunde liefern klinisch nützliche Informationen über mögliche kurzfristige und langfristige Auswirkungen ressourcenorientierter Interventionen im Umgang mit subtilen Veränderungen.

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Res-Up! - Resilienzförderung im Online-Setting

Leonie Franziska Trimpop, Ulrike Willutzki

Internetbasierte Therapie- und Beratungsprogramme haben sich besonders in Zeiten der Pandemie als wichtige Ergänzung von Psychotherapien verschiedenster Störungen herausgestellt. Über verschiedenste Störungsbilder hinweg können Online-Interventionen so Menschen in ihrem Heilungsprozess erfolgreich unterstützen. Auch bei der Förderung von Resilienz und dem Aufbau von Ressourcen kann die digitale Unterstützung durch internetbasierte Programme ein wichtiger und einflussreicher Faktor in der Behandlung von psychischen Störungen sein. Im begleiteten Online-Programms Res-Up! erarbeiten Teilnehmende ihr eigenes Resilienzrepertoire und lernen mit dessen Hilfe hinderliche Situationen zu überwinden. Erste Evaluationsergebnisse der Intervention Res-Up! werden vorgestellt und diskutiert.
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Planung und Moderation:Jeannette Bischkopf, Marianne Tatschner und Andreas Knuf
Datum:Samstag, 06.03.2021
Zeit:14:30 - 16:45 Uhr

Das Stigma psychischer Krankheit wird auch als „zweite Krankheit“ betrachtet, die bei den Betroffenen und ihren Familien eine zerstörerische Abwärtsspirale von negativer Selbstbewertung, negativen Erwartungen, Ausgrenzung und Verheimlichen in Gang setzt. Von professioneller Seite wird häufig versucht, mit Anti-Stigma-Kampagnen und Psychoedukation – und damit sachlich rational – Aufklärung und Abhilfe zu schaffen, die Auswirkungen der Stigmatisierung auf das eigene Selbst sind weniger im Fokus. Im Symposium werden verschiedene Wege aus der Selbst-Stigmatisierung diskutiert, die in Beratung und Therapie eine Rolle spielen, und mit praktischen Übungen illustriert. Ein besonderer Fokus wird auf die Emotion Scham gelegt.


Referate


Achtsamkeit und Selbstmitgefühl als Wege aus der Selbst-Stigmatisierung. Anregungen für einen alternativen Umgang mit negativen Selbst-Zuschreibungen
Marianne Tatschner
Achtsamkeit und Selbstmitgefühl haben in den letzten Jahren in Praxis und Forschung erheblich an Bedeutung gewonnen. Gerade im Umgang mit negativen Selbst-Zuschreibungen bieten sie beachtenswerte neue Möglichkeiten und eröffnen Wege aus der Selbst-Stigmatisierung. Nicht die Veränderung von Gedankeninhalten steht dabei im Vordergrund sondern eine neue Art der Zuwendung zu den Gedanken und zu der Person, die diese Gedanken hat. Neben theoretischen Impulsen wird es im Rahmen dieses Vortrags die Möglichkeit geben, das Dargestellte anhand kurzer praktischer Übungen auszuprobieren.
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Scham und die Auswirkungen von (Selbst-)Stigmatisierung erkennen, verstehen und überwinden
Jeannette Bischkopf
(Selbst-)Stigmatisierung hat vielfältige Auswirkungen, die sich z.B. als Gefühle von Scham, Minderwertigkeit, Ohnmacht, besonderer Verletzlichkeit und Hoffnungslosigkeit zeigen können. Im Vortrag werden vor allem Prozesse von Scham fokussiert und wie diese erkannt, verstanden und überwunden werden können. Es wird Bezug genommen auf die Emotionsfokussierte Therapie nach Greenberg u.a. und die Broaden- und Build-Theorie positiver Emotionen nach Fredrickson und untersucht, welche Prozesse zur Überwindung von Scham und (Selbst-)stigmatisierung beitragen und in Beratung und Therapie genutzt werden können.
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Die Rolle von Gefühlen für den Recoveryprozess am Beispiel von Trauer und Scham
Andreas Knuf
Damit Recovery gelingen kann, ist die Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen und deren Verarbeitung von zentraler Bedeutung. Gefühle sind aus verschiedenen Gründen für den Recoveryprozess sehr bedeutsam: Wie wir mit unseren Gefühlen umgehen, entscheidet darüber, ob es zu erneuten Krisen kommt. Betroffene sind auf ihrem Genesungsweg mit zahlreichen Gefühlen konfrontiert, wovon viele sehr unangenehm sind. Beispielhaft anhand der Gefühle Trauer und Scham wird aufgezeigt, welche Bedeutung Gefühle für den Genesungsprozess spielen und warum ein Genesungsprozess ohne die Verarbeitung der Gefühle nicht gelingen kann.

Planung und Moderation:Thorsten Padberg, Lothar Duda, Dr. Eugene Epstein, Manfred Wiesner
Datum:Freitag, 05.03.2021
Zeit:14:30 - 16:45 Uhr

Es gibt viele Disziplinen, die sich zu Fragen der individuellen Psyche äußern, u.a. die Psychiatrie, die Neurobiologie, die Anthropologie, die Kognitionswissenschaften und die Soziologie. Da muss sich eine Wissenschaft, die die ‚Lehre von der Seele‘ im Namen trägt, etwas einfallen lassen, um ihre Erkenntnisse als besonders wertvoll auszuzeichnen. Die Psychologie tut dies, indem sie ihre Erkenntnisse besonders streng prüft. Das hat die Statistik zu einer der meistgenutzten Nachbardisziplinen gemacht. Die Wahrheit über die Seele denkt man sich nicht aus, sie zeigt sich in den Zahlen. 

Epidemiologische Daten sind aber möglicherweise selbst von der Sprache, in die sie gefasst wird, abhängig. Welche Symptome werden z.B. in welchen Störungskategorien zusammengefasst? Außerdem beeinflusst die Beschreibung psychischer Kategorien auch diejenigen, die von psychischen Problemen betroffen sind. Mental Health Literacy, das Wissen um Symptome psychischer Krankheiten und ihrer Behandlung, bewirkt mehr als eine Einordnung psychischer Beschwerden. Sie beeinflusst evtl. auch die Art und Weise, wie Menschen sich beschreiben und wie sie mit sich umgehen. 

Im Symposium wird Julia Thom über die neuesten Zahlen zur Verbreitung psychischer Störungen sprechen und Erklärungsansätze für die aktuelle Entwicklung vorstellen. Volker Aderholt wird die Frage nach einer „Psychiatrisierung“ der Bevölkerung stellen. Josua Handerer wird soziologische Erklärungsansätze zur aktuellen Entwicklung nachzeichnen. Kenneth Gergen wird darstellen, wie psychische Kategorien in kommunikativen Prozessen ausgehandelt werden. 


Referate


Prävalenzen psychischer Störungen sinken trotz eines Ausbaus von Versorgungsangeboten nicht ab – Erklärungsansätze und Implikationen für eine nationale Mental Health Surveillance (gem. AutorenschaG von: Thom J, Kersjes C, Peitz D, Nübel J, Mauz E)
Julia Thom
Robert-Koch-Institut | RKI · Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring

Die Datenlage zur psychischen Gesundheit der Bevölkerung und der Versorgung psychischer Störungen ist heterogen. Die verfügbaren Kennwerte weisen auf ein versorgungsepidemiologisches Paradox hin: Trotz wachsender Versorgungskapazitäten und steigender Inanspruchnahme sinkt die Häufigkeit psychischer Störungen in der Bevölkerung nicht. Der Beitrag diskutiert drei Hypothesen zur Erklärung dieses Phänomens. Neben (1) potenziell mangelnder Effektivität von Prävention und Versorgung sowie (2) einem möglichen Morbiditätszuwachs wird zudem in Betracht gezogen, dass (3) auch eine Zunahme von Akzeptanz und Wissen über psychische Störungen (Mental Heath Literacy) Auswirkungen auf die Bevölkerungsgesundheit haben könnte. Implikationen für die Entwicklung von Kernindikatoren eines Mental Health Surveillance-Systems werden diskutiert.
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Metrisierung, Psychiatrisierung und die Aufrechterhaltung sozialer Exklusion
Volkmar Aderhold, Hamburg
Dr. med., Arzt für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychotherapeutische Medizin, Lehrender für Systemische Therapie und Beratung (DGSF)

Die Metrisierung des Psychischen ist zur wichtigsten Goldmine von digitalen Konzernen, subversiven Datenanalyse-Unternehmen und Diktaturen zur Prädiktion von Verhalten und zur sozialen Kontrolle geworden.
Im Rahmen klinischer Psychologie und Psychiatrie diente sie der Konstruktion von syndromalen Clustern, die als ursachenunabhängige Kategorien der Biologisierung psychiatrischer Problemlagen Vorschub leisteten.
Die Zunahme psychische Erkrankungen lässt sich in diversen epidemiologischen Studien nicht nachweisen – dennoch wurden psychiatrische Diagnosesysteme auf weitere menschliche Problemlagen ausgeweitet, damit verbunden ist eine Psychiatrisierung gesellschaftlicher Phänomene zu beobachten.
Belege und Begründungen für diese Thesen werden dargelegt und Vorschläge für eine Neugestaltung des Versorgungssystems vorgestellt.
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Worauf verweisen psychische Störungen?
Dipl. Psych. Josua Handerer
Psychologischer Psychotherapeut (VT),
Systemischer Berater und Familientherapeut (DGSF, SG), Therapeut an der Oberbergklinik Berlin Brandenburg, Schwerpunktleitung Systemische Therapie an der Psychologischen Hochschule Berlin
Sind psychische Störungen Zeichen? Und wenn ja, was bedeuten sie? Davon ausgehend, dass die Bedeutung einer psychischen Störung ihr Gebrauch in der Sprache ist, soll in meinem Beitrag herausgearbeitet werden, wie und zu welchem Zweck in unterschiedlichen Sprachspielen über psychische Störungen gesprochen wird und welche Missverständnisse sich aus den unterschiedlichen Gebräuchen ergeben können. Im Fokus werden neben dem klinischen der gesellschaftspolitische und soziologische Diskurs stehen.
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Das sprachliche Miteinander im Umgang mit psychischen Störungen
Kenneth Gergen
Professor für Sozialpsychologie, Swarthmore College (Emeritus); (angefragt; alternativ als Lesung durch den Übersetzer)

„Ich habe eine Nachbarin, die glaubt, eine unsichtbare Macht dominiere die Welt um sie herum. Es sei eine Macht, erzählt sie mir, die die Wirtschaft und die Umwelt zerstöre. Sie macht sich zusätzlich Sorgen, weil sie keine Freunde hat. Um ihre Ängste vor dieser Bedrohung zu verringern, wird sie sediert (letztendlich wird sie wie ein Fall von Schizophrenie behandelt).
Und ich frage mich: Wie wäre es, wenn sie verstehen lernen könnte, dass andere durch ihre Wahrnehmungen verunsichert werden und ihr deshalb aus dem Weg gehen? Die Fähigkeit, den öffentlichen Ausdruck der eigenen Welt zu kontrollieren, ist grundlegend für tragfähige Beziehungen. Es ist eine Fähigkeit, die nicht schwer zu erlernen sein sollte, und als Ergebnis hätte sie viel bessere Beziehungen. Wie viele von uns haben gelernt, ihre Selbstgespräche zu unterdrücken?“
Der Sozialpsychologe Kenneth Gergen legt auf kluge, fundierte und unterhaltsame Weise ein neues soziales Fundament für die Wissenschaft von der Seele. Er liest aus seinem soeben auf Deutsch erschienenen Buch
Die Psychologie des Zusammenseins.

Planung und Moderation:Sandra Wesenberg
Datum:Freitag, 05.03.2021
Zeit:10:15 - 12:30 Uhr

 


 

Referate


Hundegestützte Psychotherapie - Einblicke in ein verfahrensübergreifendes Praxiskonzept

Gerd Ganser

Im Vortrag wird ein verfahrensübergreifendes Konzept zur Integration eines Hundes in die Psychotherapie vorgestellt und anhand verschiedener videografierter Beispiele aus der therapeutischen Arbeit des Referenten verdeutlicht. Das Konzept basiert u.a. darauf, die Interaktionen zwischen Patient*in, Therapeut*in und Hund als bedeutsame Szene zu verstehen und mentalisierend zu versprachlichen. Darüber zeigen sich inter- und intrapsychische Beziehungs-, Handlungs- und Erlebensmuster der Patientinnen, die therapeutisch hoch relevant sind. Mit Hilfe von prozess- und inhaltsorientierten sowie ggf. weiterführenden Experimenten können die Themen der Patient*innen sowohl verstehend als auch praktisch handelnd bearbeitet werden.
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Hundegestützte Interventionen in Therapeutischen Jugendwohngruppen - Konzeption, Durchführung und Wirkungen des Programms "Berliner Schnauzen"

Joana Lanwehr, Conny Bredereck, Annett Eckloff

Das Forschungsprojekt "Tiergestützte Interventionen in Therapeutischen Jugendwohngruppen" (Kooperationsprojekt von HWR Berlin, ASH Berlin, AK-TWG und Leben mit Tieren e.V.; Laufzeit: 04/2019–09/2021; Förderung durch das Institut für angewandte Forschung Berlin) untersucht die Effekte und Wirkungen hundegestützter Interventionen in der Arbeit mit psychosozial hoch belasteten Jugendlichen. Ziele des Projekts sind die Konzeption eines spezifischen traumasensiblen hundegestützten Interventionsprogramms für die stationäre Jugendhilfe sowie die systematische Untersuchung der Wirkungen auf die Adressat*innen über eine begleitende Mixed-Method-Studie. Im Vortrag werden Konzeption und Durchführung des Programms "Berliner Schnauzen" skizziert sowie zentrale Ergebnisse der Begleitevaluation präsentiert. Im Mittelpunkt stehen dabei die Befunde einer qualitativen Videoanalyse, die einen detaillierten Einblick in die Wirkweisen der Intervention ermöglicht.
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Pferdegestützte Psychotherapie als prozessorientiertes Vorgehen in der Behandlung von Menschen mit psychischen Erkrankungen

Nina Romanczuk-Seiferth

Im Vortrag wird in die pferdegestützte Psychotherapie eingeführt und diese von anderer pferdegestützter Arbeit abgegrenzt. Auch wird auf die Besonderheiten der Spezies Pferd in der psychotherapeutischen Arbeit eingegangen. Die wichtigste Evidenz zum Thema wird zusammengefasst und das praktische Vorgehen in der pferdegestützten Psychotherapie anhand von Beispielen erläutert. Schließlich soll die pferdegestützte Psychotherapie aus einer prozessorientierten Perspektive beleuchtet werden. Hierzu wird ein Modell relevanter Veränderungsmechanismen vorgeschlagen, die in der pferdegestützten Psychotherapie gezielt adressiert werden können.
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Planung und Moderation:Anna Georgi 
Datum:Samstag, 06.03.2021
Zeit:14:30 - 16:45 Uhr

Es steht schlecht um unseren Planeten. Die Klimakatastrophe schreitet in großen Schritten voran
und erfordert von unserer Gesellschaft ein radikales Umdenken. Die Klimakrise stellt uns als
Menschheit, aber auch als Berufsgruppe vor neue Herausforderungen.
Als Psycholog*innen und Psychotherapeut*innen sind wir Beziehungswissenschaftler*innen, wir
sind Expert*innen für individuelle und kollektive Prozesse – und doch tauchen wir in der Debatte
rund um die Klimakrise bisher kaum auf. Aus diesem Grund haben sich im Mai 2019 die
Psychologist/Psychotherapists for Future gegründet, um unser Fachwissen in die Bewältigung der
Klimakrise einzubringen. Dies hat im Berufsstand Fragen aufgeworfen: Inwieweit darf bzw. muss
sich unser Berufsstand in politische Debatten und die Gesellschaft einbringen? Wie gehen wir in der
Psychotherapie mit dem Thema Klimakrise um? Welchen Rahmen gibt unsere Berufsordnung vor?


Referate

 

Klimakrise – die Fakten. Die aktuelle Lage unseres Planeten
Volker Harbeck
Die Klimawissenschaft ist sich seit Jahren einig: Die Klimakrise ist menschengemacht. In diesem Beitrag soll ein Kurzüberblick über den aktuellen Stand naturwissenschaftlicher Erkenntnisse und die Prognosen der Klimaforschung gegeben, die Verursachung der Klimaveränderung durch den Menschen dargestellt und die Folgen für unseren Planeten und uns Menschen aufgezeigt werden. Der Vortrag schließt mit der positiven Aussicht, wie noch ein Abwenden einer Klimakatastrophe erreicht werden kann.
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Berufspolitische Rahmenbedingungen
Lea Dohm
Die Auswirkungen der Klimakrise für das Leben auf der Erde und damit auch für die psychische Gesundheit sind gravierend und werden zunehmend. Bereits heute zieht sich die Klimakrise bei genauem Hinsehen durch jeden Winkel unserer Profession - allein die Dimension der psychischen Gesundheitskrise sind unvergleichbar.
Warum es nicht ausreicht, die Klimapsychologie den Psychologists / Psychotherapists for Future (Psy4F) zuzuordnen und warum und wie sie bereits heute in allen Gremien und von allen Kolleg*innen mitgedacht werden kann, wird in diesem Impulsvortrag dargestellt. Die beruflichen Rahmenbedingungen, in denen sich Psychotherapie in diesem Zusammenhang bewegen, werden näher beleuchtet und mit der Berufsordnung, v.a. der Frage von Abstinenz und Neutralität abgewogen. Dabei sollen typische Konfliktlinien, aber auch Chancen und Möglichkeiten überblicksartig dargestellt werden.
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Eine fachübergreifende Diskussion zum Thema dieser Veranstaltung
Referent*innen/Teilnehmer*innen:

  • Lea Dohm, Psychologische Psychotherapeutin (Tiefenpsychologisch fundiert), Mitinitiatorin Psychologists for Future
  • Volker Harbeck, Psychologischer Psychotherapeut (Verhaltenstherapie), Psychologists for Future Kiel
  • Oliver Kunz, Psychologischer Psychotherapeut (Verhaltenstherapie), Vorstandsmitglied DGVT (Mülheim)
  • Dr. med. Monika Krimmer, Ärztliche Psychotherapeutin (Psychoanalyse), Psychologists for Future Hannover
  • Sabine Maur, Psychologische Psychotherapeutin mit Zusatzqualifikation Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie (Verhaltenstherapie), Präsidentin der Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz
  • Moderation: Anna Georgi, Dipl.-Kommunikationspsychologin (FH), systemische Einzel-, Paar- und Familientherapeutin, Psychologists for Future Dresden