Foren und andere Specials

Round-Table

Planung und Moderation:Sarah Steden; Aleksandra Kaurin; Ulrike Willutzki
Datum:Donnerstag, 16.03.2023
Uhrzeit:16:30-18:00 Uhr

Der Angriffskrieg auf die Ukraine ist ein Man-Made Disaster - doch auch in vielen anderen Ländern der Welt treiben Krieg, Gewalt, Menschenrechtsverletzungen und Hungersnöte Menschen in die Flucht. Auch auf der Flucht machen viele Menschen weitere schreckliche Erfahrungen. Die Versorgung von Geflüchteten mit psychosozialem oder psychotherapeutischem Unterstützungsbedarf findet in Deutschland zu einem großen Teil außerhalb der Regelversorgung statt. Im Round-Table sollen aktuelle Projekte und Angebote im Bereich der psychosozialen Versorgung und Psychotherapie von Geflüchteten (aus der Ukraine) kurz vorgestellt werden sowie die Erfahrungen und Erkenntnisse diskutiert werden. Des Weiteren soll der Frage nachgegangen werden, welchen Einfluss die abweichenden Rahmenbedingungen (Leistungen nach SGB statt AsylbLG) praktisch auf die gesundheitliche Versorgung sowie die Integration von geflüchteten Ukrainer:innen haben und welche Implikationen sich daraus für die Zukunft ergeben.

Planung und Moderation:Jan Glasenapp
Datum:Donnerstag, 16.03.2023
Uhrzeit:16:30-18:00 Uhr

Sterbewünsche von Patient*innen stellen Psychotherapeut*innen vor eine große Herausforderung, bei der wir uns in einem Spannungsfeld befinden. Geht es aus Sicht von Psychotherapeut*innen zunächst durch Abklärung von Suizidalität um die Fürsorge für Patient*innen und ihr Wohlergehen, kann aus Sicht dieser der Sterbewunsch Ausdruck von Selbstbestimmung und Autonomie sein, der eine respektvolle Begleitung erfordert. In diesem Round-Table sollen Aspekte dieses Spannungsfeldes beleuchtet und diskutiert werden, darunter ethische Grundlagen, aktuelle gesetzliche Entwicklungen, notwendige Formen der Suizidprävention sowie Möglichkeiten zur Einschätzungen der Urteilsfähigkeit.

Planung und Moderation:Bettina Scheytt
Datum:Freitag, 17.03.2023
Uhrzeit:14:00-16:00 Uhr

Obwohl Wirksamkeitsnachweise für die Behandlung von Menschen mit Intelligenzminderung vorliegen, bleibt diese Patient:innengruppe drastisch unterversorgt – dabei ist im Grundgesetz verankert, dass niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden darf. Was sind Gründe für die Unterversorgung? Welche Hürden gibt es für Patient:innen und Behandler:innen und wie können diese überwunden werden? Welche Forschungs- und Entwicklungsbedarfe, welche Herausforderungen auch für die Ausbildung gibt es? Im Rahmen eines Erfahrungsaustauschs von Behandler:innen und Forscher:innen sollen Möglichkeiten, Besonderheiten und Zugewinne der Behandlung von Menschen mit einer intellektuellen Beeinträchtigung thematisiert werden.

Planung und Moderation:Stefan Roggenkamp;Laurin Bremerich
Datum:Donnerstag, 16.03.2023
Uhrzeit:16:30-18:00 Uhr

Prokrastination, das problematische Aufschieben von Tätigkeiten trotz negativer Konsequenzen, ist weit verbreitet. Das Wissen über persönliche und aufgabenspezifische Einflussfaktoren auf das Aufschieben von Lern- und Studientätigkeiten ist bereits gut fundiert und Beratungsstrategien setzen an diesen Punkten an. Nicht alle Betroffenen profitieren ausreichend von diesen Strategien. Soziale und situative Einflussfaktoren am Arbeitsplatz sind bislang noch kaum untersucht. In diesem Round-Table möchten wir zu einem offenen Austausch darüber anregen, was und wer uns dazu animiert (insbesondere am Arbeitsplatz) zu prokrastinieren.

Planung und Moderation:Vivien Victoria Semper
Datum:
Freitag, 17.03.2023
Uhrzeit
10:30 - 12:30 Uhr

Möglichkeiten der Ergotherapie als ergänzende Maßnahme der Psychotherapie. Ein breites Spektrum im Rahmen der Kinder und Jugentherapie bis zur Therapie von Erwachsenen. An diesem Round-Table soll Raum für Erwartungen, Fragen und Erfahrungen gegeben werden.

Planung und Moderation:Theresa Steinhäuser; Wiebke Andersen
Datum:Donnerstag, 16.03.2023
Uhrzeit:16:30-18:00 Uhr

Unsicherheiten in Bezug auf das eigene therapeutische Vorgehen und die eigene therapeutische Kompetenz kennen viele Psychotherapeut*innen unabhängig von ihrer Berufserfahrung. Woher kommt diese Unsicherheit? Wie wirkt sie sich auf den therapeutischen Prozess und den Behandlungserfolg aus? Inwiefern können Unsicherheiten für den therapeutischen Prozess nutzbar gemacht werden? Und: inwiefern sollte die Aus- bzw. die neue Weiterbildung darauf vorbereiten? Diesen und Ihren weiteren Fragen wollen wir uns bei diesem Round-Table nach einem kurzen Impulsvortrag widmen.

Planung und Moderation:Lothar Duda; Manfred Wiesner; Eugene Epstein; Thorsten Padberg
Datum:Samstag, 18.03.2023
Uhrzeit:16:30-18:00 Uhr
Ist das "technische Modell", das seit Jahrzehnten in der psychosozialen Versorgung angewandt wird, ein man-made disaster im Bereich der Psychologie? Sami Timimi MD (Consultant Child and Adolescent Psychiatrist und Visiting Professor an der University of Lincoln, sowie Autor zahlreicher Fachpublikationen) ruft dazu auf, die Grundannahmen unserer vorherrschenden psychiatrischen, psychologischen und psychotherapeutischen Modelle zu überdenken. Er kritisiert diese Modelle und die sie begleitenden Antistigmatisierungs- und Sensibilisierungskampagnen für psychische Gesundheit und argumentiert, dass die westliche Ethnopsychiatrie und Psychologie die Illusion geschaffen haben, dass die weit verbreiteten diagnostischen Konzepte für psychische Gesundheit gültig und zuverlässig sind, obwohl sie in Wirklichkeit nicht diagnostisch sind, keine glaubwürdige wissenschaftliche Grundlage haben und keinen Erklärungswert besitzen. Schlimmer noch: Dies hat die Kommerzialisierung von Emotionen ermöglicht, die unbeabsichtigt dazu führt, dass immer mehr Menschen zu Langzeitpatienten werden, die ständiger psychologischer und psychiatrischer Betreuung bedürfen, obwohl die Ergebnisse auf Bevölkerungsebene immer schlechter werden. Er ist der Ansicht, dass sich das Organisationsparadigma der Versorgung von der Sprache der Pathologie lösen und stattdessen Leiden und Not als Teil der Bandbreite dessen anerkennen sollte, was man als "normale und/oder verständliche" menschliche Reaktionen bezeichnen könnte. Wenn dies verstanden wird, werden therapeutische Interventionen, die mehr den Empowermentgedanken fokussieren, den relationalen Aspekten der Therapie Vorrang vor technischen Aspekten einräumen.
Der Round Table steht in einem Sinnzusammenhang mit der Installation „Psychotherapy – a man-made disaster?“, die am Donnerstag (16.03.23) und Freitag (17.03.23) Teil des Kongressprogramms ist. Zu Beginn des Round Table wird Thorsten Padberg hinsichtlich des gängigen Therapieparadigmas ein paar einleitende Worte zur kritischen Diskussion in Großbritannien sagen. Im Anschluss erläutert Timimi die Grundzüge seiner Kritik sowie seinen alternativen Ansatz (Timimi, S. (2021). Insane Medicine). In einer gemeinsamen Gesprächsrunde mit  den Teilnehmenden, Sami Timimi und den Kuratoren der Installation werden inspirierende Ausgangspunkte für eine Neuausrichtung diskutiert. (Der Besuch der Installation wird für die Teilnahme am Round Table empfohlen, aber nicht zwingend vorausgesetzt.)
Planung und Moderation:Leonie Trimpop; Ulrike Willutzki
Datum:Samstag, 18.03.2023
Uhrzeit:16:30-18:00 Uhr

Besonders die ersten 5 Jahre der Aus- und Weiterbildung aber auch den Einstieg in einen Praxisalltag von psychologischen Psychotherapeut:innen bringen viele große Herausforderungen. Mit der Reform des Psychotherapiestudiums bieten sich neue Chancen und stehen neue Hindernisse bevor. Umso wichtiger ist daher die Perspektive derjenigen, die sich diesen noch stellen müssen und bereits vor Kurzem gestellt haben. Deswegen möchten wir wissen: • Was war hilfreich? • Was war hinderlich? • Wo kann man verbessern? • Was sollte unbedingt erhalten bleiben? Dazu möchten wir die Meinung von PiAs als auch frisch Approbierten, Ausbilder:innen / Supervisor:innen und Selbsterfahrungsleitungen hören und gemeinsam diskutieren.

Sonstiges (Installationen, Gesprächskreise, Lesungen und Diskussionen)

Planung und Moderation:Lothar Duda; Eugene Epstein; Manfred Wiesner
Datum:Donnerstag, 16.03.2023 sowie Freitag, 17.03.2023
Uhrzeit:10:30-19:00 Uhr

Blickt man in diesen Zeiten auf den Zustand der Welt mit seinen menschengemachten Krisen, kann man rasch resignieren. Zum Glück gibt es ja Psychologie und Psychotherapie. Beide können uns helfen, das menschliche Versagen zu verstehen und auszuhalten – und gar die Verzweiflung, die manche erfasst, zu kurieren. Psychotherapie – die Insel des schier Guten und der Hoffnung in einem Ozean voller Gefahren? Auch die Psychotherapie ist Menschenwerk. Hm?! Unerschrockene können sich in den Katakomben der FU den Rest geben und einen Blick auf Wirrungen der Psychotherapie werfen.

Welchen homo und welches Denken hat die Psychotherapie geschaffen? Gibt es etwas zu tun? Und wenn ja, was?

An verschiedenen Installations-Stationen warten auf die Besucher*innen nach dem Primal Disaster, The Paperwork Disaster, The Determinability Disaster, The Business Disaster, The AI-Disaster, The Expansion Disaster, The Ethical Disaster – and A Way Out?

Mit Beiträgen von Sami Timimi MD, „Olaf Scholz“, Prof. em. Ken Gergen, Dr. Julia von Lucadou, Franz Kafka, Candice Breitz und diversen anderen …

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie bloß nicht Ihre Psychotherapeut*innen.

>> zum Trailer

Organisatorisches:

Inspiriert durch die Arbeiten von Künstler*innen wie Marina Abramović oder Joseph Beuys, haben sich die Kuratoren der Installation in Bezug auf ihre zentrale Fragestellung – Muss Psychotherapie als ein man-made disaster betrachtet werden? – bewusst für das Format einer Installation statt eines Symposions entschieden. Anhand von Audio- und Videoclips, Inszenierungsmomenten, Exponaten und Postern wollen sie die Besucher*innen einladen, sich von den verschiedenen Darbietungen anmuten zu lassen, und einer kritischen Reflexion Raum bieten.

Bitte beachten: Für ein umfassendes Erlebnis der postmodernen 4.0 Installation wird ein Smartphone benötigt.

Wir empfehlen, für das Gesamterlebnis ca. 1,5 Stunden Zeit einzuplanen. Die Installation öffnet Donnertag (16.03.23) und Freitag (17.03.23) jeweils um 10.30 Uhr und ist bis ca. 19:00 Uhr zu besichtigen. Die Kuratoren der Installation werden für Gespräche zur Verfügung stehen.

Im Zusammenhang mit der Installation findet am Samstagnachmittag (18.03.23) um 16:30 – 18:00 Uhr der Round Table “Keine psychiatrischen Diagnosen mehr“ mit Sami Timimi MD (GB), Consultant Child and Adolescent Psychiatrist und Visiting Professor an der University of Lincoln, statt. Der Besuch der Installation wird für die Teilnahme am Round Table empfohlen, jedoch nicht zwingend vorausgesetzt.

Planung und Moderation:Andrej König
Datum:Donnerstag, 16.03.2023
Uhrzeit:10:30-12:30 Uhr

Für das Kalenderjahr 2021 führte die polizeiliche Kriminalstatistik (PKS 2022) insgesamt 29.281 Männer und 6.183 Frauen als Tatverdächtige wegen Verbreitung, Erwerbs und Besitzes kinderpornographischer Schriften (gem. § 184b StGB) auf. Laut aktueller Strafverfolgungsstatistik wurden im Kalenderjahr 2020 insgesamt 2.562 Männer und 40 Frauen wegen entsprechender pädosexueller Straftaten (gem. § 184b StGB) - meist über das Medium Internet begangen - verurteilt. Mit technischem Fortschritt des Internets und einer Verbesserung der polizeilichen Ermittlungstätigkeit im digitalen Raum ist hier im letzten Jahrzehnt ein deutlicher Anstieg der Verurteilten (ca. +70%) zu beobachten. Pädosexuelle Online-Täter*innen (i.S. des § 184b StGB) machen damit inzwischen mehr als die Hälfte aller wegen Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung von Kindern Verurteilten aus.

Befragungsstudien in der Allgemeinbevölkerung zeigen, dass der Gruppe pädosexueller Täter*innen die stärkste soziale Ablehnung entgegengebracht wird. Beispielsweise sind etwa drei von zehn Befragten der Meinung, dass es besser wäre, wenn solche Menschen tot wären. Auch im ambulanten psychotherapeutischen Versorgungssystem stößt diese Gruppe häufig auf Ablehnung, wenn sie ihre pädosexuellen Delikte offenlegt. Etwa neun von zehn Vertragspsychotherapeut*innen lehnen eine Behandlung pädosexueller Täter*innen grundsätzlich ab. Die Gruppe pädosexueller Online-Täter*innen stellt sich in der forensischen Praxis als äußerst heterogen dar und die individuellen Motive für den Konsum sexueller Gewalt gegen Kinder im Internet sind vielfältig. Bemerkenswert ist, dass ein beträchtlicher Anteil bereits vor Begehung ihrer Straftaten an psychischen Erkrankungen (z.B. Depressionen, Suchterkrankungen, Persönlichkeitsstörungen) leidet, die auch mit einer Erhöhung der Rückfallgefahr assoziiert sein können.

Im Rahmen des Vortrags sollen Ergebnisse aus aktuellen Evaluationsstudien zur Wirksamkeit kriminalpräventiver Interventionen vorgestellt und Möglichkeiten der Integration von deliktorientierten Behandlungselementen in die allgemeine psychotherapeutische Versorgung anhand von Fallbeispielen aufgezeigt werden. Dies kann nicht nur einen wichtigen Beitrag zum Schutz von Kindern vor sexueller Gewalt leisten, sondern gleichzeitig sozialer Ausgrenzung pädosexueller Täter*innen entgegenwirken.

Planung und Moderation:Thorsten Padberg
Datum:Sonntag, 19.03.2023
Uhrzeit:10:30-12:30 Uhr

Es ist paradox: Wir behandeln (erfolgreich) immer mehr Menschen mit Depressionen, doch die Prävalenzraten in der Bevölkerung wollen einfach nicht sinken. Wenn es eine wirksame Behandlung gibt, müssten die Erkrankungszahlen nicht kleiner werden?

Zugleich scheint die Aufklärung über psychische Störungen das Gegenteil der erhofften Wirkung zu erzielen. Wer gut über Depressionen aufgeklärt wurde, erkrankt häufiger! Zugleich verringert sich nicht - so wie erhofft - das Stigma der Betroffenen. Forscher, die eine großangelegte Aufklärungskampagne zur Depression begleiteten, kamen zu dem resignierten Schluss: Laien sollten am besten so wenig wie möglich über psychische Störungen wissen, das hält noch am ehesten gesund.

Im FORUM „Die Depressions-Falle: Funktioniert die Aufklärung über psychische Krankheiten?“  kombiniert der Autor Thorsten Padberg eine Lesung aus seinem Buch „Die Depressions-Falle“ mit einem Vortrag, um im Anschluss mit den Anwesenden ins Gespräch zu kommen. Wie gehen wir als Psychotherapeut*innen am besten mit dem Leid um, dass uns in der Gesellschaft begegnet? Wie reden wir über Depressionen und menschliches Leid?

Planung und Moderation:Katharina van Bronswijk; Christoph Hausmann

Die Klimakrise und das Artensterben sind für viele Menschen psychisch belastend. Durch sie ausgelöste Gefühle wie Wut, Angst, Trauer, Hoffnung oder Schuld können zu umweltfreundlichem Verhalten und politischem Handeln motivieren, ihnen aber ebenso gut im Weg stehen. Die psychischen Prozesse im Zusammenhang mit Klimagefühlen können im therapeutischen oder beratenden Setting unterstützt werden. Mit Blick auf die Dauerkrisen, in denen wir leben, ist neben der individuellen jedoch auch eine Anpassung der gesellschaftlichen psychischen Versorgung vonnöten. In dieser Lesung aus dem Fachbuch "Climate Emotions - Klimakrise und psychische Gesundheit" bieten die Herausgeber*innen Einblick in aktuelle Debatten und konkrete Umsetzungsideen und Handlungsmöglichkeiten für den beruflichen Alltag im psychosozialen Bereich.