Interkulturelle Öffnung in der Psychosozialen Versorgung – (Inter-)nationale Entwicklungen und Beispiele

DATUM: Samstag, 27. Februar 2016
ZEIT: 10:30 – 12:30 Uhr
RAUM: J 32/102
PLANUNG UND MODERATION: Mike Mösko (Hamburg)

In der Ottawa Charta der Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen (1986) wurde vereinbart, dass die Gesundheitsdienste eine Haltung einnehmen sollten, die feinfühlig und respektvoll die unterschiedlichen kulturellen Bedürfnisse der Patienten  anerkennt. Seit den 1980er Jahren arbeiten Akteure im Gesundheitswesen daran, dieses Ziel zu erreichen und die psychosoziale Versorgung stärker auf die Bedürfnisse von Menschen mit Migrationshintergrund auszurichten.
Doch nach wie vor sind die Teilhabemöglichkeiten und die Behandlungsqualität für viele Migrantengruppen in der psychosozialen Versorgung stark eingeschränkt. Flüchtlinge sind so gut wie ausgeschlossen von der Regelversorgung.
Im Rahmen des Symposiums möchten werden aus unterschiedlichen Perspektiven aktuelle Entwicklungen und Beispiele zur Verbesserung der Interkulturellen Öffnung der psychosozialen Versorgung beleuchten und mit Ihnen diskutieren. Die Versorgungsanalysen aus Hamburg und Berlin werden ergänzt um die Entwicklungen in Aus-Fort und Weiterbildung und dem Blick in das psychosoziale Versorgungssystem in Schweden.

REFERATE:

Cornelia Reher (Hamburg)

Stand der interkulturellen Öffnung der Psychosozialen Versorgung in Hamburg

In dem Vortrag werden aktuelle Aktivitäten und psychosoziale Versorgungsangebote für Flüchtlinge und Migranten in Hamburg vorgestellt. Leitfragen sind: Was passiert in den Erstaufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge? Welche Leistungen bieten die psychiatrischen Kliniken an? Wie sieht die ambulante Versorgung aus? Welche Spezialeinrichtungen gibt es in Hamburg? Welche Bürgerinitiativen sind aktiv? Welche Netzwerke existieren? Auch werden die Lücken in der Versorgung sowie Lösungsansätze skizziert. In diesem Zusammenhang werden die Aktivitäten des Vereins zur Förderung der seelischen Gesundheit von Migranten und Flüchtlingen in der Metropolregion Hamburg (SeGeMi e.V.) vorgestellt. Der Verein hat  sich u.a. zur Aufgabe gesetzt, die Anbieter in Hamburg zu vernetzen und  die Einrichtungen der Regelversorgung zu stärken.

Simone Penka (Berlin)

Der Stand der interkulturellen Öffnung der psychosozialen Versorgung in Berlin Mitte

Im Vortrag werden aktuelle ausgewählte Forschungsergebnisse zum Stand der interkulturellen Öffnung von psychosozialen Einrichtungen in Berlin Mitte, dem Bezirk mit dem höchsten Bevölkerungsanteil an Menschen mit Migrationshintergrund, präsentiert. Ebenso werden Barrieren der Umsetzung der interkulturellen Öffnung aus Sicht von Mitarbeitenden vorgestellt. Die Studie fand im Rahmen des Forschungsprojektes "Seelische Gesundheit und Migration" (www.segemi.de), gefördert durch die VW-Stiftung, statt. Darüber hinaus werden aktuelle Tendenzen und Strategien bei der Versorgung psychisch erkrankter Flüchtlinge in Berlin thematisiert.

Mike Mösko (Hamburg)

Interkultureller Kompetenzen in den Gesundheitsberufen: Aktuelle Entwicklungen und Beispiele

Flüchtlinge und Migranten sind in der psychosozialen Versorgung unterrepräsentiert. Neben strukturellen und institutionellen Barrieren sind u.a. Unsicherheiten im Umgang mit Flüchtlingen und Migranten auf Seiten der Behandler ein Grund hierfür.
Fortbildungen zur Steigerung der interkulturellen Sensibilität/Kompetenz bei Mitarbeitenden in der psychosozialen Versorgung können helfen, diese Barrier zu überwinden. Sie  ermöglichen die Erweiterung des Wissensstands (Worauf muss ich in der Arbeit mit Dolmetschern achten?), die Auseinandersetzung mit den eigenen kulturellen Orientierungssystemen sowie die Aneignung von Fähigkeiten (Wie erhebe ich ein kultursensible Diagnostik?). Im Vortrag werden Inhalte solcher Fortbildungen sowie bundesweit unterschiedliche Initiativen und Aktivitäten in den verschiedenen psychosozialen Berufen dargestellt.

Janis Brakowski (Zürich/Schweiz)

Interkulturellen Öffnung in der Schweiz: Stand und aktuelle Entwicklungen

Die interkulturelle Öffnung der psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgung in der Schweiz kann auf eine gewisse Tradition zurückblicken. Seit den ersten Migrationsbewegungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und insbesondere seit den 90er Jahren besteht ein zunehmend spezialisiertes Angebot für Flüchtlinge und Migranten, welche die Schweiz aus unterschiedlichen Gründen erreichen. Die Psychiatrische Universitätsklinik Zürich hat hierzu einerseits mit dem Ausbau der Sozialpsychiatrie und andererseits mit der Schaffung eines Schwerpunktes für Migrationspsychiatrie und -psychotherapie beigetragen. Im Vortrag werden die Historie sowie die aktuellen Angebote und zukünftige Projekte psychosozialer Hilfsangebote in der Schweiz und am Standort Zürich vorgestellt und reflektiert. Darüber hinaus werden die aktuellen berufspolitischen Themen zur psychosozialen Versorgung von Flüchtlingen und Migranten in der Schweiz skizziert.

Maria Sundvall (Stockholm/Schweden)

Current developments in cross-cultural opening in mental health services in Sweden

In the postwar period Sweden has received considerable numbers of immigrants, first labour migrants, but in later years mainly refugees. Currently, 21.5% of the population are foreign-born or have two foreign-born parents. Providing health care and psychosocial support to the increasing number of newly arrived refugees will represent a challenge.
In policies on health services for migrants there is a focus on access to care. Asylum seekers and undocumented migrants have the right to care that cannot wait, but obstacles remain. Asylum seekers are offered health assessment in primary care, including mental health issues. Interpreters should be used if needed, but there is a lack of interpreters and of training for staff. Training on cultural issues for health care professionals is being developed. The lack of professional training in and access to competent trauma care has been observed recently.