Bericht zu den Treffen der Fach- und Landesgruppen der DGVT

Austausch und Vernetzung

Fachgruppen und Landesgruppen der DGVT nutzen den Kongress für Treffen und Info-Veranstaltungen
Den Kongress nutzen traditionsgemäß auch viele Vereinsgremien für Treffen oder sie bereiten gezielt politisch geprägte Veranstaltungen vor, die allen Kongress-TeilnehmerInnen offen stehen.


Veranstaltungen der Landesgruppen

Länderbüro

Unsere LandessprecherInnen betreuten einen Informationsstand im Foyer der Rost- und Silberlaube, das sogenannte Länderbüro. Viele KongressteilnehmerInnen nutzten dieses Angebot, unsere LandessprecherInnen persönlich kennenzulernen. In Bezug auf die Landesgruppenarbeit wurden verschiedene Themen diskutiert. Besonders interessiert waren die Mitglieder an aktuell geplanten regionalen Veranstaltungen und an einem kollegialen Austausch in den einzelnen Bundesländern.  
Unsere LandessprecherInnen stehen natürlich auch außerhalb des Länderbüros gerne für Fragen zur Verfügung. Schreiben Sie uns ihre Fragen doch einfach per Mail. Die Mailadressen der jeweiligen LandessprecherInnen finden Sie im Landesgruppenbereich jeder Rosa Beilage und auf unserer Homepage. 

Länderratsforum zum Thema „Neue Medien in der Verhaltenstherapie – Chancen und Fragezeichen“

Das Länderratsforum haben wir in diesem Jahr als Podiumsdiskussion unter der Moderation von Priv.-Doz. Dr. Heiner Vogel durchgeführt. Diskutiert haben Prof. Dr. Christine Knaevelsrud (Freie Universität Berlin), Prof. Dr. Michael Borg-Laufs (Hochschule Niederrhein, Krefeld) und Dr. Tobias Krieger (Universität Bern).
Zu Beginn gab Frau Prof. Dr. Knaevelsrud einen kurzen Überblick über den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Forschung zur Nutzung neuer Medien in der Verhaltenstherapie. Es wurden bereits viele wissenschaftliche Studien zur Überprüfung der Effektivität von Online-Therapien durchgeführt und auch Krankenkassen haben bereits erste Pilotprojekte gestartet. Beispielsweise hat die Techniker Krankenkasse im letzten Jahr in Kooperation mit Prof. Dr. Knaevelsrud den sogenannten DepressionsCoach entwickelt. Dabei handelt es sich um eine Online-Beratung für Menschen mit leichten bis mittelschweren Depression.
Dr. Tobias Krieger und Prof. Michael Borg-Laufs gaben in ihren Referaten einen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten, wie neue Medien in der Verhaltenstherapie eingesetzt werden können. Als Vorteile der neuen Medien werden unter anderem die Verbesserung der psychotherapeutischen Versorgung, eine hohe Zeitersparnis sowie die zeitliche und räumliche Flexibilität diskutiert. Allerdings kommt auch immer wieder die Frage auf, inwieweit eine Psychotherapie den direkten Kontakt zwischen PatientIn und BehandlerIn erfordert und ob die Nutzung neuer Medien einen negativen Einfluss auf die therapeutische Beziehung hat.

In der anschließenden Diskussion wurde über die Grenzen gesprochen, die für den Einsatz neuer Medien zu ziehen sind und inwieweit die psychotherapeutische Sorgfaltspflicht (z.B. Erreichbarkeit bei Krisen) gewahrt werden kann. Auch das Thema Datenschutz wurde in diesem Zusammenhang thematisiert.


Veranstaltungen der Fachgruppen

Fachgruppe Frauen in der psychosozialen Versorgung

Die Fachgruppe Frauen in der psychotherapeutischen und psychosozialen Versorgung der DGVT lud am Samstag, den 27.2.2016 mittags zu einem Vernetzungstreffen ein. Erfreulicherweise kamen neue interessierte Frauen sowie die frisch gewählte Vorstandsfrau Judith Schild.
Wir informierten über die bisherigen Aktivitäten, zum Stand der am 28. Oktober geplanten Fachtagung „Psychische Störungen, Gender und Stigma: Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für Beratung und Psychotherapie?“, die in Hannover stattfinden wird. Anlass für die Tagung ist das 30jährige Bestehen der Fachgruppe Frauen in der psychosozialen und psychotherapeutischen Versorgung in der DGVT. Das Programm dieser Veranstaltung konnte in Umrissen bereits präsentiert werden. In Vorträgen wird (1) auf Ergebnisse von Kampagnen zur Entstigmatisierung von psychischen Erkrankungen von Frauen und Männern, (2) auf Konsequenzen von Stigmatisierungserfahrungen für die Therapie und Beratung, (3) auf Körperfülle und die Stigmatisierung von Frauen und Männern, die davon betroffen sind, eingegangen. Mindestens ein weiterer Vortrag steht noch aus. In einer Abschlussdiskussion soll aktuelle Fragen nach der Lockerung der Schweigepflicht bei psychischen Erkrankungen nachgegangen werden. Wir wünschen uns eine rege Teilnahme an dieser Veranstaltung.
Ute Sonntag hat für die Anwesenden zusammengefasst, wie die Fachgruppe Frauen in der DGVT arbeitet und welche Chancen der Durchsetzung ihrer Interessen sie hat. Alle Mitglieder haben die Möglichkeit, Stellungnahmen einzubringen, was in der DGVT diskutiert und erarbeitet wird – selbstverständlich in Absprache mit den (aktiven) Mitgliedern der Fachgruppe. Bei Bedarf und Interesse können auch Fachtagungen, Symposien oder Workshops entwickelt und durchgeführt werden.
Die anschließende Diskussion befasste sich mit aktuellen Themen der Zeit, wie z. B.  geflüchtete Frauen und Mädchen, und wie die Fachgruppe Frauen mit diesen Themen umgehen kann. Die Diskussion wird per Telefonkonferenzen weitergeführt, was hoffentlich in Aktivitäten der Fachgruppe Frauen münden wird.
Der neuen und einzigen Frau im Vorstand der DGVT, Judith Schild, gratulieren wir ganz herzlich zu ihrer Wahl in den Vorstand; wir freuen uns auf eine enge Zusammenarbeit mit ihr.

Fachgruppe Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie

Die Fachgruppe Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie bot ein Treffen für alle interessierten (approbierten sowie nicht approbierten) KollegInnen an, das sehr gut angenommen wurde. Nach einer kurzen Vorstellung der Fachgruppe referierte Prof. Dr. Michael Borg-Laufs zum Thema „Internet macht dumm und krank … oder kann man das auch anders sehen?“. Im Anschluss ergab sich eine rege Diskussion zu den Vor- und Nachteilen des Internetkonsums sowie möglicher therapeutischer Ansatzpunkte. Die Powerpointpräsentation zu dem Vortrag kann von Interessierten auf der Kongress-Homepage heruntergeladen werden. Des Weiteren wurde der Stand der Fachgruppe erstmalig auch zum thematischen Schwerpunktaustausch genutzt. Zu vorgegebenen Zeiten boten aktive KollegInnen der Fachgruppe interessierten KongressteilnehmerInnen den gezielten Austausch zu Schwerpunktthemen (wie Arbeit mit Geflüchteten oder Psychotherapie in der Jugendhilfe) an.
Weiterhin steht die DGVT-Mailingliste Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie zum kollegialen Austausch zur Verfügung.

Mitgliederberatung

Rechtliche Fragen der Mitglieder diskutierten und beantworteten Rechtsanwältin Susanne Locher-Weiß (Reutlingen) und Kerstin Burgdorf (Geschäftsstelle DGVT-Berufsverband). Schwerpunktthemen waren die Schweigepflicht sowie die Aufklärungs-, Informations- und Auskunftspflichten, die im psychotherapeutischen Alltag ein Feld darstellen, das vielfältige Problemkonstellationen beinhaltet und häufig Fragen aufwirft, die einer juristischen Klärung bedürfen. Nach einer Darstellung der grundlegenden rechtlichen Anforderungen unter Einbeziehung des Patientenrechtegesetzes und der Darstellung eines mit den PatientInnen zu vereinbarenden schriftlichen Behandlungsvertrags, konnten die Teilnehmenden eigene Fälle aus ihrer beruflichen Praxis mit den Referentinnen besprechen.
 
Der DGVT-Berufsverband bietet Mitgliedern zu grundlegenden rechtlichen Fragen vielfältige Unterlagen und Formulare für die Praxis. Mitgliedern steht auch die telefonische Beratung durch die Expertinnen in der Bundesgeschäftsstelle zur Verfügung.


Das Symposium „Der Weg ist das Ziel oder: Was soll ich nur nach dem Studium machen“, ein Angebot des DGVT-BV für Studierende, bot einen Überblick über die Ausbildung zum/r TherapeutIn. Eva-Maria Greiner (Psychologische Psychotherapeutin in eigener Praxis südlich von München) skizzierte die Rahmenbedingungen der Ausbildung und ging auch auf DGVT-typische Details ein. Zudem standen Gerd Per (Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut in eigener Praxis in Herne und DGVT-Supervisor) und Kristin Pfeifer (Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin in eigener Praxis und Job-Sharing in Stuttgart) mit Praxistipps für alle Fragen zur Verfügung. Die Studierenden nutzten die Gelegenheit, sich Tipps und Anregungen von diesen KollegInnen zu holen.
Sehr deutlich wurde, dass die Studierenden weiterhin großen Bedarf an Unterstützung und Orientierungshilfe haben, um sich in dem komplizierten Feld zurechtzufinden. Themen wie Zulassung zur PP/KJP-Ausbildung mit nur dem Bachelor-Abschluss oder die Frage, wie realistisch die Aussichten auf spätere Niederlassung plus Kassensitz tatsächlich sind boten großen Beratungsbedarf. Erschwerend und für die TeilnehmerInnen sehr verunsichernd war natürlich in der Diskussion der Austausch bzgl. der anstehenden Reform des Psychotherapeutenausbildungsgesetzes und alle damit verbundenen Unwägbarkeiten.

Das Symposium „Approbation - was nun?“, ein Angebot des DGVT-BV für PsychotherapeutInnen in Ausbildung (PiA) kurz vor oder nach der Prüfung, stieß auf großes Interesse und rege Teilnahme. Referentin Eva-Maria Greiner bot einen Überblick von Anstellung, über Kostenerstattung und Niederlassung bis hin zu Job-Sharing und anderen Möglichkeiten z. B. der Sonderbedarfszulassung. Natürlich wurden auch Aspekte wie die Stärkung der Versorgungslage und die Umverteilung der bisherigen Sitze kritisch besprochen.
Deutlich wurde, dass die Mehrheit der TeilnehmerInnen in der Ausbildung zum/r PsychotherapeutIn weiterhin von der eigenen Niederlassung auf klassischem Wege (Kauf eines Sitzes) träumen. Hier wurde in der Diskussion dann ein Stück mehr Realismus gewonnen, dass es “so einfach” wohl nicht mehr sein werde. Aber auch hierfür bot das Seminar z.B. in Form der Erklärungen zum Verzichtsmodell Wege, die den ZuhörerInnen aufgezeigt werden konnten, so dass die TeilnehmerInnen mit vielen Anregungen nach Hause gehen konnten.